Baupläne

Hoch wie das Zoofenster

Pläne für den Wolkenkratzer "The Square" am Sportforum in Alt-Hohenschönhausen präsentiert

Das 118 Meter hohe "Zoofenster" in der City West bekommt Konkurrenz im Osten der Stadt. In Alt-Hohenschönhausen, direkt am Sportforum, soll ein ebenfalls 118 Meter hoher Wolkenkratzer entstehen; flankiert von zwei Gebäuden mit 66 und 48 Metern Höhe. Die Berliner Moritz-Gruppe als Projektentwickler stellte das Vorhaben unter dem Namen "The Square" am Donnerstag vor. Dazu gehören zwei Hotels, ein Medical-Center, weitere Wohnhäuser, Geschäfte, Cafés und Restaurants.

Unternehmenschef Dirk Moritz sagte: "Wenn der Bedarf nach Apartments steigt, werden wir den Hochhausturm noch aufstocken und so die 118 Meter überbieten." Dann würde auch der am Breitscheidplatz von der Strabag geplante 118-Meter-Turm "Upper West" (Baubeginn noch unklar) hinter dem Square-Wolkenkratzer in Hohenschönhausen zurückbleiben. Moritz veranschlagt die Baukosten auf bis zu 450 Millionen Euro.

Areal von 62.000 Quadratmetern

Sie sollen von nationalen oder internationalen Investoren aufgebracht werden. Erste Gespräche seien terminiert, so zu Jahresbeginn in London und Shanghai.

Eine Investorengemeinschaft hatte bereits das 62.000 Quadratmeter große Grundstück am Weißenseer Weg/Konrad-Wolf-Straße von der TLG Immobilien erworben. Ihr gehörten etwa sechs Hektar Land am Rande des Sportforums, während das übrige Gelände des Sportforums (etwa 50 Hektar) mit allen Anlagen 1998 dem Land Berlin zufiel. Durch den Verfall des früheren Sport- und Kongresszentrums und des ehemaligen Sporthotels bieten die Stirnseiten des Sportforums seit zehn Jahren ein klägliches Bild. Beide maroden DDR-Vorzeigebauten werden nun abgerissen. Frühestens 2014 rechnet Moritz mit dem Baubeginn. Er sagt: "Da Europas größtes Sportleistungszentrum der Nachbar sein wird, wollen wir hier mit diesem Projekt symbolisch eine Goldmedaille holen." Der Hochhausturm und die zwei anderen Gebäude seien absichtlich wie ein Siegerpodest für Gold, Silber und Bronze angeordnet worden.

In den Turm solle neben einem Hotel und Apartments ein Medical-Center einziehen, vor dem Gebäude-Trio wird es eine Plaza geben. Auch Büros seien geplant. Renommierte Firmen sollen dafür geworben werden, vielleicht gleichzeitig als Investoren, so Moritz. Die Büros könnten von den Sportvereinen genutzt werden, die auf dem Gelände des Sportforums ihre Trainingsstätten haben, bietet er an.

Vorgesehen sei ein Nutzungskonzept, bestehend aus unterschiedlichen Wohn-, Gewerbe- und Dienstleistungsflächen, neben Gastronomie und Hotellerie ein auf Sport ausgerichtetes Shoppingzentrum, soziale Einrichtungen wie Kitas, Pflegeheime, Bildungsträger oder Einrichtungen zur Förderung des Leistungs- und Breitensports, darunter des Gesundheitssports. Auf zwei weiteren Baufeldern entlang der Konrad-Wolf-Straße in Richtung der Leichtathletikhalle und des berühmten "Wellblechpalasts" des EHC Eisbären werden frühere Sportlerinternate für Wohnungszwecke saniert und neue Häuser mit 350 bis 400 Miet- und Eigentumswohnungen gebaut. Moritz hat auch eine Vision für Berlins größten Schulgarten mitten in einem Wohngebiet. Ein internationales Sport- und Kongresszentrum solle nicht wieder entstehen, Kongress-Säle seien aber natürlich denkbar.

"Das Zentrum war sowieso ein Flop", resümiert Matthias Stawinoga, Präsident des SC Berlin, mit etwa 2500 Mitgliedern größter Verein auf dem Gelände. Er bezeugt, dass die Vereine das neue Projekt unterstützen und lobt, dass künftige kommerzielle Nutzung mit dem Sport korrespondieren soll. Karin Seidel-Kalmutzki (SPD), Vorsitzende des Sportausschusses im Abgeordnetenhaus, ist froh: "Endlich wurde eine Idee gefunden, das Bild des Verfalls am Eingang des Sportforums zu beseitigen." Das Vorhaben werte nicht nur das Sportforum und den größten deutschen Olympiastützpunkt, sondern Alt-Hohenschönhausen mit dem nahen Ober- und Orankesee als weiteren Anziehungspunkt auf.

Aufwertung der Umgebung

Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) könne sich das Vorhaben "sehr gut vorstellen", sagte Seidel-Kalmutzki. Das habe er ihr in einem Gespräch versichert. Moritz sagte, dass Hohenschönhausen bisher nur bedingt als anziehende Wohnumgebung wahrgenommen worden sei und pauschal eher mit Stasi-Vergangenheit und Plattenbauten assoziiert werde. Das werde sich durch "The Square" ändern, glaubt er. Baustadtrat Wilfried Nünthel (CDU) ist überzeugt: "Das Projekt wird über die Bezirksgrenzen wirken." Die anvisierte Mischung aus Wohnen und Arbeiten, Einkaufen und Freizeit, verbunden mit hohen architektonischen Ansprüchen, gebe Alt-Hohenschönhausen ein lebendiges und junges Gesicht.

Das Bebauungsplanverfahren läuft bereits. Zum Festival "City of Lights" im kommenden Jahr soll es schon eine Mammut-Silhouette in Form einer künstlerischen Computersimulation geben. Vis-à-vis vom künftigen "Square" hatte die Moritz-Gruppe in einer ehemaligen Zuckerwarenfabrik 70 Loft-Wohnungen, 15 Townhouses und weitere Eigentumswohnungen entwickelt. Der Großteil ist bezogen. Verschiedene Investoren wendeten für das Projekt "Schokostücke" insgesamt 45 Millionen Euro auf.