Stadtplanung

Brückenschlag ins neue Berlin

Der Senat plant drei neue Überwege. Die Brommybrücke über die Spree, die Südbrücke in Tempelhof und den Alfred-Lion-Steg in Schöneberg

Ein lang aufgeschobenes Projekt wird in Angriff genommen. Die im Krieg zerstörte Brommybrücke zwischen Friedrichshain und Kreuzberg soll wieder aufgebaut werden. Allerdings nur als Steg, den Fußgänger und Radfahrer benutzen. Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) habe das Projekt befürwortet, sagte Daniela Augenstein, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. "Wir steigen jetzt aktiv in die Planung ein." Der Architekturwettbewerb werde voraussichtlich im kommenden Jahr starten. Bezahlt werden soll das Bauvorhaben aus dem Programm Stadtumbau West. Die Kosten können derzeit nur geschätzt werden. Man rechne mit vier bis viereinhalb Millionen Euro, sagte Augenstein, ähnlich wie beim neuen Kaisersteg in Treptow-Köpenick. Die Fußgängerbrücke über die Spree, zwischen Niederschöneweide und Oberschöneweide, war 2005 bis 2007 neu gebaut worden. Der Vorgängerbau war Ende des Zweiten Weltkriegs zerstört worden.

Hinsichtlich der Brommybrücke gibt es damit einen Sinneswandel innerhalb der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Sie wollte unter Müllers Vorgängerin, Ingeborg Junge-Reyer (SPD), den Bau einer Autobrücke unterstützen, nicht aber eine Brücke für Fußgänger und Radler. Sie sei wirtschaftlich unrentabel, hieß es damals. Doch das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg wollte keine Autobrücke, weil dies eine Forderung des erfolgreichen Bürgerentscheids "Spreeufer für alle" von 2008 war. "Das ist eine sehr überraschende Entscheidung des Senators", sagte jetzt Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne). Die neue Verbindung über die Spree sei für den Fahrrad- und Fußverkehr eine große Erleichterung. Insbesondere deshalb, weil sich das Gebiet im Umfeld des Ostbahnhofs in den kommenden Jahren stark entwickeln werde. "Zwischen Friedrichshain und Kreuzberg gibt es bisher nur eine Brücke, die Oberbaumbrücke."

Ein Uferweg für Kreuzberg

Von der einstigen Brommybrücke stehen noch Reste eines Pfeilers im Fluss. Vor einigen Jahren war eine Plattform am Ende der Brommystraße errichtet worden, der "Spreebalkon". Bislang gibt es am Kreuzberger Ufer nur wenige Orte, von denen man unmittelbar auf die Spree schauen kann. Das soll sich ändern. Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg will einen durchgängigen Uferweg in Kreuzberg realisieren. Der erste Abschnitt soll von der Schillingbrücke bis zu diesem Spree-Balkon an der Brommystraße führen. Die Pläne sind fertig, die Absprachen mit den betroffenen Grundstückseigentümern getroffen. Derzeit verhandele man mit der Senatsverwaltung über die Finanzierung, sagte Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne).

Geplant ist, dass dieser Uferweg in Richtung Osten fortgesetzt wird. Doch in diesem Bereich stehen viele denkmalgeschützte Häuser dicht am Ufer. Für einen Weg gibt es keinen Platz. Deshalb gibt es seit Längerem Überlegungen, einen Steg über das Wasser zu bauen, der dicht an diesen Häusern vorbeiführen soll. Über diesen Steg würde der Uferweg verlaufen. Die Senatsverwaltung rückt jetzt von diesem Vorhaben ab. "Auf Teile dieses Stegs über dem Wasser könnte man verzichten, wenn die Brommybrücke gebaut wird", sagte Sprecherin Daniela Augenstein. "Dann könnten die Passanten in Kreuzberg bis zu dieser Brücke laufen, dann die Spree überqueren und am Friedrichshainer Ufer weiterlaufen." Aus Sicherheitsgründen wolle man auf den Ufersteg über dem Wasser, zumindest in Teilen, verzichten.

Noch ist unklar, welche Gestalt die neue Brommybrücke haben wird. Doch es gibt einen Entwurf. André Hieronimus, Student der Berliner Beuth-Hochschule, hat Pläne für das Bauwerk ausgearbeitet und sie beim Wettbewerb um den Förderpreis des Deutschen Stahlbaus 2012 eingereicht. Er hatte Erfolg und bekam den zweiten Preis. "Die Brücke fügt sich harmonisch in das Stadtbild ein", urteilte die Jury. Der Entwurf überzeuge durch die Gestaltung in Form zweier gegenläufiger Kurven.

Bauwerk über die Bahngleise

Ein anderer Wettbewerb ist bereits entschieden - der für die Südbrücke auf dem Tempelhofer Feld. Sie wird als Straßenbrücke mit Geh- und Radwegen gebaut, und soll vom geplanten Quartier Südring über die Bahngleise zur Oberlandstraße führen.

Der erste Preis des Wettbewerbs ging an die Arup GmbH Berlin und die Planungsgesellschaft Kolb Ripke Architekten Berlin. Das Preisgericht bescheinigte dem Siegerentwurf einen stimmigen Gesamteindruck. Die Vorgaben des Wettbewerbs hinsichtlich des Verkehrs seien überzeugend gelöst. Lichtstelen am Anfang und am Ende der Brücke machen das Bauwerk im städtischen Raum erkennbar. Die Stahlbetonkonstruktion gewährleiste niedrige Unterhaltungskosten. Für die Montage sei eine Technologie vorgeschlagen, die ohne große Einschränkungen für den Verkehr umgesetzt werden kann. Die Südbrücke soll bis 2016 gebaut werden. Die Gesamtkosten liegen nach Mitteilung der Senatsverwaltung bei 4,2 Millionen Euro.

In der Nähe des Tempelhofer Felds ist gerade eine neue Brücke fertig geworden. Der Alfred-Lion-Steg führt nördlich vom Bahnhof Südkreuz über die Gleise und verbindet die Wilhelm-Kabus-Straße in Schöneberg mit der General-Pape-Straße in Tempelhof. Die Brücke für Fußgänger und Radfahrer ist Teil des neuen Ost-West-Grünzugs, der am 8.November, 10 Uhr, eröffnet wird. Anwohner und Interessierte sind dazu eingeladen. Der neue Grünzug ist 600 Meter lang und führt von der Gontermannstraße zum Leuthener Platz. Er war das erste Großprojekt des Stadtumbaus im Gebiet Schöneberg-Südkreuz. Drei Jahre dauerte die Bauzeit. Fast fünf Millionen Euro wurden investiert. Der Bezirk, das Land und die EU stellten die Mittel zur Verfügung.