Kriminalität

Neue Studie: Berlin ist Intensivtätern nicht gewachsen

In Berlin wird nicht genug getan, damit verurteilte jugendliche Intensivtäter nach ihrer Entlassung nicht erneut straffällig werden.

Das zeigt eine Studie, die am Mittwoch auf Antrag der Grünen im Rechtsausschuss des Abgeordnetenhauses diskutiert wurde.

Rund 500 Intensivtäter sind demnach in Berlin registriert. 80 Prozent von ihnen sind Wiederholungstäter, die Rückfallquote liegt bei 50 Prozent. Claudius Ohder, Professor für Kriminologie an der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht, hatte die Studie im Auftrag der Landeskommission Berlin gegen Gewalt des Senats erstellt. Darin heißt es, jugendlichen Mehrfachtätern drohten zwar klar repressive Strategien und Maßnahmen, es sei aber wenig gesichert, dass damit eine nachhaltige Lösung erreicht wird. Vor ihrer Haftentlassung würden die Jugendlichen in vielen Fällen unbefriedigend auf die Zeit nach dem Gefängnis vorbereitet, das Umfeld werde dabei nicht ausreichend einbezogen. Ohder kritisiert, dass Justiz, Jugendamt, Sozialarbeit und andere Behörden nicht genügend aufeinander abgestimmt seien, es fehle ein zentral Verantwortlicher.

Durch die Studie bekommt auch der Fall des vor zweieinhalb Wochen am Alexanderplatz zu Tode geprügelten Jonny K. neue Brisanz. Denn: Mehrere der Tatverdächtigen sind vorbestraft. So saß der 19-jährige mutmaßliche Haupttäter Onur U., der sich noch immer in der Türkei aufhält, früher schon wegen mehrerer Delikte in Haft.

Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) gab nun zu, dass der Staat im Umgang mit solchen Mehrfachtätern "nicht immer erfolgreich" sei. Man habe zwar kleinere Maßnahmen schon umgesetzt, sagte er in der RBB-"Abendschau", "aber wir können nicht zufrieden sein mit der Koordination". Man müsse nun prüfen, welche Maßnahmen wirken und welche nicht. "Wir brauchen ein Feedback-System, dass es in der Justiz so nicht gibt." Mit der zeitlichen Umsetzung von Gerichtsverfahren bei straffällig gewordenen Jugendlichen sei er zufrieden. Aber, so Heilmann, "wir sollten schon in der Untersuchungshaft anfangen, sie zu behandeln".