Berliner helfen

Iss Dich schlau!

Berliner Tafel kocht mit Kindern - damit sie ihr Essen besser kennen lernen

Viel Gemüse, Tomatensauce und Pizzateig - 20 Kinder der Moabiter Carl-Bolle-Grundschule bereiten heute gemeinsam ihr Mittagessen zu. Alle stehen dabei im Kimba-Express, einer Küche, eingebaut in einen alten Eisenbahnwaggon. Diese Kinderküche ist ein Projekt der Berliner Tafel; und für die Schüler etwas ganz besonderes. Denn laut Sabine Werth, Vorsitzende der Berliner Tafel, wissen viele Berliner Kinder kaum etwas über das Essen, das sie jeden Tag zu sich nehmen, geschweige denn, dass sie es einmal selbst zubereiten.

Die Wissenslücken bei Kindern seien unabhängig von ihrer sozialen Herkunft. "Es ist egal, wie viel Geld die Eltern haben, die Kinder wissen trotzdem nicht, dass eine Ente nicht gelb und die Kuh nicht lila ist", sagte sie. Manche Eltern schieben Fertiggerichte in die Mikrowelle, bei anderen kämen die Kinder erst gar nicht in die Küche. Damit sich das ändert, hat die Berliner Tafel vor zwei Jahren das Kimba-Mobil ins Leben gerufen. Ein umgebauter alter BVG-Doppeldecker-Bus, der Schulen anfährt, damit Schulklassen vor Ort ein Mittagessen kochen können.

Essgewohnheiten beeinflussen

"Kimba" steht dabei für Kinder-Imbiss-Aktiv und soll Kindern zeigen, wie man gesundes Essen zubereitet und dass gemeinsames Kochen und Essen viel Spaß macht. "Es geht uns um die Vermittlung von Ernährungsbewusstsein und einer positiven Beeinflussung der Essgewohnheiten", sagt Tafel-Gründerin Sabine Werth. Mit 30.000 Euro, einer Spende der Berliner Bank, hat Berliner helfen das Kimba-Mobil ins Rollen gebracht. Nach dem Motto: Iss Dich schlau! Jetzt kommt der Kimba-Express dazu, ein ausrangierter Waggon der Deutschen Bahn. Diese hat ihn für einen symbolischen Preis von 119 Euro an die Berliner Tafel verkauft.

Der Eisenbahn-Waggon kann nicht zu den Kindern an die Schule kommen, sondern steht permanent auf dem Gelände des Berliner Großmarkts an der Moabiter Beusselstraße. Die Schulklassen müssen den Express besuchen. Und das ist von den Initiatoren der Berliner Tafel auch genau so gewollt: "Die Schüler sollen hier nicht nur eine Mahlzeit kochen, sondern gleich einen ganzen Projekttag zum Thema Essen verbringen", erklärt Projektleiterin Eva Rößler. Dazu gehört, dass die Kinder die Zutaten für das Essen auch selbst auf dem Großmarkt besorgen. Und zwar beim Lebensmittel-Großhändler Weihe, der die Lebensmittel für den Kimba-Express sponsert. Damit die Kinder lernen, dass vor dem Essen die Auswahl beim Einkaufen kommt.

Direkt neben dem Waggon soll es bald einen kleinen Kräuter- und Gemüsegarten geben. Eine Landschaftsarchitektin hat ehrenamtlich ein Konzept erstellt, wann und wie welche Pflänzchen in den Boden müssen - und wann sie von den Kindern als Zutaten für ihre Mahlzeiten geerntet werden können. Für den Gemüseabfall nach dem Kochen soll es außerdem einen Komposthaufen geben. Eine weitere Besonderheit im Kimba-Express: Ein kleines Lebensmittellabor, indem die Schüler ihre täglichen Lebensmittel besser kennen lernen sollen. Gemeinsam mit Lebensmitteltechnik-Studenten der Beuth-Hochschule testen sie etwa mit Löschpapier wie viel Fett auf einer Kartoffelchip ist. Oder sie lernen, dass in einem rosa Erdbeerjoghurt aus dem Supermarkt, meistens viel Zucker, aber nicht unbedingt auch echte Erdbeeren stecken.

Und wie beim Kimba-Mobil gab es auch beim Umbau des Eisenbahnwaggons wieder viele Spender, Helfer und Handwerker, die zum größten Teil ohne Bezahlung Küche und Toilette eingebaut haben. Azubis der BVG verlegten außerdem dreißig Meter Schienen, auf denen der Waggon jetzt steht. Insgesamt kamen für das Projekt rund 150.000 Euro an Geld- und Sachleistungen zusammen. Und das hat sich gelohnt: "Wenn wir was für die Zukunft unserer Kinder tun wollen, müssen wir dafür sorgen, dass sie anständig zu essen kriegen", sagte Sabine Werth. Das dürfe auch keine Frage der Einkommensverhältnisse der Eltern sein. Doch auch für die Mütter und Väter sieht sie dabei einen Gewinn: "Wir hoffen, dass die Kids die Gerichte auch zu Hause nachkochen." Das Schönste an einem Tag im Kimba-Express: Zum Schluss essen alle zusammen das selbstgekochte Gericht. Heute gibt es Pizza mit viel Gemüse und selbstgemachter Tomatensauce und dann einen frischen Obstsalat. Und weil die Fünftklässler der Carl-Bolle-Grundschule begeistert sind, soll in den nächsten Tagen eine Gruppe Drittklässler einen Ausflug zum Koch-Waggon unternehmen.

Schulklassen, die Lust auf einen Projekttag im Kimba-Express haben, können sich bei der Berliner Tafel unter * 030- 782 74 14 melden, Termine gibt es aber erst wieder ab 2013.