Gartenlust

Beerenstark

Gabriella Pape über Farben und Früchte

Nichts gegen das Festival of Lights, das gerade Berliner Sehenswürdigkeiten in einem anderen Licht erscheinen lässt; doch was uns die Natur momentan tagsüber bietet, ist für mich kaum zu übertreffen. In diesen fast berauschenden Herbsttagen unseres Indian Summers kommen besonders in diesem Jahr die Rottöne nicht zu kurz. Auch ganz gewöhnliche Berg- und Spitzahorne in den Straßen, die sich sonst in unseren Gefilden nicht unbedingt so purpurrot zeigen, geben dieses Jahr alles. Zu keiner Jahreszeit erhält das Pfaffenhütchen, auch Spindelstrauch oder Euonymus genannt, so viel Aufmerksamkeit wie im Herbst. Während sechs Monate im Jahr eine eher schüchterne und zurückhaltende Pflanze, entpuppt sie sich momentan zu einem flammenden Inferno der Blüten und Früchte. Die Fruchtkapseln verfärben sich schon im August/September, also längst vor den Blättern, in ein schönes, dunkles Rot, und wenn alle Bedingungen stimmen, öffnen sie im Oktober ihre Kapseln, die quietsch-orangefarbene Beeren hervorbringen.

Spindelstrauch heißt übrigens dieser Busch, weil sein spindeldünnes junges Astwerk eckig, aufgrund seiner sogenannten Korkleisten gar viereckig, ist. Achten Sie einmal darauf, dies wirkt beim Euonymus alatus im Winter besonders apart. Doch auch in diesen Tagen verwandelt er sein feines, kleines Laubwerk in ein hinreißendes purpurrotes Spektakel.

Da ich heute nicht nur herausragendes Herbstlaub ansprechen möchte, sondern auch leuchtende Früchte, dürfen die Zieräpfel nicht unerwähnt bleiben, denn sie geben sich in diesem Jahr nicht nur besonders viel Mühe bei ihrer Laubfärbung, sondern haben auch eine Übermenge an farbigen Minifrüchten produziert. Ob dies ein Hinweis auf den bevorstehenden Winter sein könnte, wage ich nicht zu beurteilen. Seit ich in Berlin lebe, gab es jedenfalls - bis auf 2008 - jedes Jahr viele Früchte und dann einen harten Winter.

Aber zurück zu den Zieräpfeln, denn hierunter gibt es auch wieder ganz unterschiedliche Sorten. Die einen haben goldgelbe Äpfel, wie zum Beispiel Malus "Golden Hornet", der mit dem Alter eine sehr schöne Wuchsform bekommt und an dessen Ästen die Äpfel kaskadenförmig herunterhängen. Er wird etwa vier bis sechs Meter hoch und beglückt die Vogelwelt reichlich mit Vitaminen im Spätherbst, denn die kleinen Äpfel sind dann schon reif und köstlich. Leider führt dies dazu, dass der kleine Baum bis zum Winter meist völlig kahl gefressen ist. Das passiert bei der Sorte Malus Evereste nicht, ein Baum, der seine rot-orangefarbenen Äpfelchen den ganzen Winter über behält. Erst im Februar/März, wenn der Frost aus den Äpfeln entwichen ist, sind die Früchte süß genug, um den Vögeln als Delikatesse zu dienen.

Doch auch andere Beeren sind wichtig für die Vogelwelt und gleichzeitig schön fürs Auge: Beispielsweise der Feuerdorn, Pyracantha coccinea, der früher zu Tausenden zusammen mit Cotoneaster gepflanzt wurde. Wer ein wenig mehr Platz hat, sollte Rot- oder Weißdorn in Erwägung ziehen, denn auch hier gibt es viele Sorten, die vielleicht nicht unbedingt die schönste Herbstfärbung zeigen, dennoch aber wunderbare Beeren für die Vogelwelt produzieren. Schlehen und Sanddorn eignen sich hervorragend für eine Vogelnutzecke.

Gabriella Pape ist Leiterin der Königlichen Gartenakademie in Berlin und schreibt regelmäßig am Sonnabend an dieser Stelle.