Pankow

Senioren feiern Ende der Besetzung

Rentner gründen Verein. Volkssolidarität handelt Erbbauvertrag aus

Senioren in Sektlaune. Die Besetzer der Begegnungsstätte Stille Straße in Pankow haben am Donnerstag den Erfolg ihrer hartnäckigen Bemühungen gefeiert. Das Grundstück wird nicht an den Liegenschaftsfonds abgegeben. Der von Schließung bedrohte Treff bleibt erhalten und steht den rund 300 Rentnern weiter für Sport- und Sprachkurse, für Schachspiel, Computer-Lehrgänge und für Weihnachtsfeiern zur Verfügung.

Sie werden einen Förderverein gründen und sollen einen Mietvertrag für ein Jahr, bis Ende 2013, bekommen. So hat es der Finanzausschuss der BVV auf Antrag der Grünen und der SPD beschlossen. Die Volkssolidarität Berlin wird als freier Träger einen Erbbaupachtvertrag mit dem Bezirk aushandeln, der voraussichtlich 2014 in Kraft tritt. "Wir wissen ungefähr, was als Erbbauzins zu zahlen ist", sagte die Vorsitzende der Volkssolidarität, Heidi Knake-Werner. Es seien etwas mehr als 5000 Euro im Jahr. Auch die jährlichen Bewirtschaftungskosten sind weit niedriger als angenommen. Knake-Werner zufolge geht es um 12.000 bis 13.000 Euro. "Wir müssen sehen, wo wir dieses Geld herbekommen." Denn eine Zuwendung vom Bezirk gibt es nicht. Doch es seien überschaubare Größenordnungen. "Es sind noch nicht alle Probleme aus dem Weg geräumt", sagte der Finanzausschuss-Vorsitzende Cornelius Bechtler (Grüne) am Donnerstag. "Es ist ein erster großer Schritt." Möglich geworden sei er durch die Volkssolidarität. "Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Erfolg", so Bechtler mit Blick auf die Senioren.

Erfolg durch interne Gespräche

Dass diese Lösung zustande gekommen ist, obwohl die politischen Fronten in Pankow verhärtet schienen, grenzt für viele Beteiligte an ein Wunder. "Ich hätte es nicht für möglich gehalten", sagte Peter Klotsche (71), einer der Besetzer, nach der Ausschuss-Sitzung mit Tränen in den Augen. Doch Grüne und SPD in Pankow haben einen Sinneswandel durchgemacht. Auf Initiative des Ausschussvorsitzenden Bechtler habe es interne Gespräche gegeben, erzählte Knake-Werner. "Das ist immer besser, als wenn man Schaulaufen vor Publikum machen muss." Dabei seien Positionen ausgetauscht worden, man habe sich angenähert. Bechtler habe auch ermöglicht, dass es schnell eine Begehung des Seniorentreffs mit dem Bezirksamt Pankow gab. Strittige Fragen wie Brandschutz und fehlende Barrierefreiheit konnten in Ruhe besprochen werden.

Noch vor vier Wochen, als Knake-Werner den freien Träger im Finanzausschuss präsentierte, war es zum heftigen Streit zwischen Rentnern, Bezirkspolitikern und Knake-Werner gekommen. Die ehrenamtliche Arbeit der Rentner werde mit Füßen getreten, warf Doris Syrbe, Vorsitzende des Seniorentreffs, den Bezirkspolitikern vor. Die Senioren seien zu wenig einbezogen, kritisierte Knake-Werner. Die Vorstellung der Volkssolidarität sei nicht überzeugend, so der Vorwurf eines Ausschussmitglieds.

Das ist vergessen. Am heutigen Sonnabend, ab 14 Uhr, feiern die Senioren das Ende der 112 Tage währenden Besetzung. Sie wollen symbolisch ihre Matratzen aus dem Haus tragen.