Konzert

Allein unter Frauen

Der türkische Sänger Murat Boz begeistert etwa 4000 Fans im Tempodrom. Männer sind an diesem Abend kaum im Publikum

"Murat Boz - wir lieben Dich", steht auf einem handgeschriebenen Plakat. Die 18-jährige Merve hält es in der Hand. Ihre zwei Jahre jüngere Freundin Rüveyda trägt eine rote Rose bei sich. Eingeschlagen in einer Cellophanhülle. Versehen mit ein paar Zeilen auf rotem Briefpapier. Die beiden Frauen stehen am Sonnabend vor einer der Eingangstüren des Tempodroms. Sie warten seit Stunden auf ihr Idol Murat Boz. Für das Management des Sängers ist er der "türkische Robbie Williams"

"Wir stehen bereits seit 16 Uhr hier", sagen die beiden Frauen, "und wollen unbedingt einen Platz direkt vor der Bühne bekommen." Im April dieses Jahres hatten sie erfahren, dass Murat Boz sein einziges Deutschlandkonzert in Berlin im Oktober geben wird. "Im August hat der Kartenvorverkauf begonnen", sagen sie. "Da haben wir uns die Karten natürlich sofort gekauft." Zwischen 35 und 40 Euro kosten die Karten für das Konzert. Für Sitz- und Stehplätze gleichermaßen bei freier Platzwahl.

Es ist früher Abend, und den Wunsch, einen Stehplatz an der Absperrung vor der Bühne zu ergattern, teilen sie mit vielen anderen jungen Frauen. Der Blick über den Platz vor der Veranstaltungshalle verrät, dass Boz ein Frauenschwarm sein muss. Anders ist nicht zu erklären, dass mehr als 95 Prozent des Publikums Frauen im Alter zwischen 15 und 35 Jahren sind. "Viele sind hier, weil Murat so toll aussieht", verrät eine Konzertbesucherin. "Da gibt es etliche, die nicht nur wegen der Musik hier sind."

Einlass in das Tempodrom soll um 19.30 Uhr sein. Die Menge davor wird immer größer. Über dem Platz schwebt eine Wolke aus Parfüm. Nur wenige Männer stehen vor den Türen. Dieser Abend gehört den Frauen. "Das ist nicht so meine Musik", sagt Akso Yahya. "Ich begleite nur meine Nichte." Da müsse er heute Abend durch. Ähnlich geht es Hakan Urasli. Er steht mit seiner Frau Tützin und einer gemeinsamen Freundin vor der Halle. "Meine Frau hat bei einem Radiosender zwei Karten gewonnen, und ich begleite sie heute Abend", sagt Urasli. Die Freundin des Paares, Canan Pakar, hat ihre Konzertkarte zum Geburtstag geschenkt bekommen. "Ich freue mich auf die Musik, aufs Mitsingen und Tanzen", sagt sie. "Seit ungefähr einem Jahr bin ich ein Fan von Murats Musik."

Der 32-jährige Musiker macht Popmusik, singt über die Liebe, Trennungen, Eroberungen und Liebeskummer. Mehr als eine Million Platten hat er nach Angaben seiner Plattenfirma bislang verkauft. Begonnen hat seine Karriere 1998. Da gewann er einen Gesangswettbewerb der Tageszeitung Milliyet. Ein Jahr später machte er seinen Abschluss als Jazzsänger. Seit einigen Jahren lässt sich Boz an der Technischen Universität Istanbul am Konservatorium für Klassische Musik ausbilden. Auf der Bühne sang er bereits im Backgroundchor von Shakira und der türkischen Nummer eins, Tarkan. Bekannt geworden ist er, als er in der Jury von O Ses Türkiye, der türkischen Version von "Deutschland sucht den Superstar", sitzt.

Jubel und Kreischen beim Einlass

Plötzlich bricht die Menge in Jubel aus. Der Einlass hat begonnen. Die Menge, kurz ausgebremst von Taschenkontrollen, erobert das Tempodrom. Lautstark kreischend rennen die Fans in den Innenraum vor die Bühne. Auch Rüveyda und Merve haben ihr Ziel erreicht. Das Warten seit 16 Uhr hat sich gelohnt. Beide stehen mit dem Plakat und der roten Rose direkt vor der Bühne. Schnell bildet sich eine große Menschenmenge vor der Absperrung. Die meisten Besucher aber suchen sich Sitzplätze. "Ich warte seit drei Jahren darauf, dass Murat in Berlin ein Konzert gibt", sagt Burcu Tonk. Sie und ihre Freundinnen wollten das Konzert aber lieber im Sitzen erleben. Vielleicht gehe man später noch in den Innenraum.

Als das Konzert beginnt, singen etwa 4000 Menschen in der Halle mit. Die Stimmung ist unbeschreiblich. Boz flirtet von der Bühne herunter und wirft Kusshände in die Menge. Immer wieder werden seine Stücke vom Kreischen der Fans begleitet. Neben tanzbarer Popmusik trägt er auch ruhige Balladen vor. Rund zwei Stunden begeistern er, seine Band und die Tänzerinnen das Publikum, von dem er auch selber begeistert ist, wie er nach dem Konzert verrät. Mit einem seiner größten Hits "Hayat Öpücüðü" - Kuss des Lebens - verabschiedet er sich.