Proteste

"Yaam"-Klub muss in 60 Tagen geräumt werden

Der Eigentümer will das Grundstück für 26 Millionen Euro verkaufen

Wieder soll eine Strandbar vom Spreeufer in Friedrichshain verschwinden. Das "Yaam" am Stralauer Platz 35 hat am Mittwoch die Kündigung bekommen. Innerhalb von 60 Tagen muss der Klub das Gelände räumen, weil das Grundstück verkauft werden soll. "Wir haben nicht gedacht, dass sich die Situation so kurzfristig zuspitzen würde", sagte Jan Lerch vom Vorstand des Yaam am Freitag bei einem Gespräch im Rathaus Kreuzberg.

Kündigung kommt überraschend

Das Grundstück gehört der spanischen Investmentgruppe Urnova. Sie hat es auf ihrer Internetseite zum Verkauf ausgeschrieben. 26 Millionen Euro werden als Preis für die Fläche angegeben, die etwa 8900 Quadratmeter groß ist. Gewerbe, Büros und ein Hotel sind zulässig, mit einer Nutzfläche von insgesamt 31.000 Quadratmetern. Drei Gebäuderiegel dürften errichtet werden, sagte Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne). Auch er sei überrascht von der plötzlichen Kündigung. Ein aktueller Interessent für das Grundstück ist dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg nicht bekannt.

Dass das Yaam eines Tages weichen muss, wussten die Klub-Betreiber von Anbeginn. Seit mehr als acht Jahren nutzen sie das Gelände gegenüber vom Ostbahnhof. Die 60-Tages-Frist im Fall einer Kündigung sei vertraglich vereinbart. "Aber mit Blick darauf, dass die Bagger rollen", sagte Vorstandsmitglied Jan Lerch. "Wir haben zugesagt, dass wir räumen, wenn der Käufer gefunden ist und mit dem Bau beginnen will." Doch nun werde der Klub gekündigt, obwohl es keinen konkreten Interessenten gibt, und in zwei Monaten noch kein Bagger auf dem Grundstück rollen wird. "Das verstehen wir nicht."

Bürgermeister Schulz bestätigte, die Verabredung, dass der Klub erst gehen muss, wenn das Baugeschehen unmittelbar bevorsteht, sei in seinem Beisein getroffen worden. "Allerdings ist das nur mündlich vereinbart." Man vermute, dass die Urnova das Grundstück "besenrein" machen wolle, um es dann besser verkaufen zu können, sagte Jan Lerch. "Wir wollen, dass die Urnova diese Position noch einmal überdenkt." Bisher sei das Unternehmen ein verantwortungsvoller Partner gewesen und habe den Klub unterstützt.

Das Yaam gibt es seit 18 Jahren. Es gilt als älteste Strandbar Berlins. Sechs Umzüge habe man hinter sich gebracht, sagte Mitbegründer Ortwin Rau. Er zog vom Arena-Gelände in Treptow nach Kreuzberg, zum Postbahnhof in Friedrichshain, wieder nach Treptow und schließlich an den Stralauer Platz. Das Areal an der Kreuzberger Cuvrystraße, das der Klub verlassen musste, ist bis heute eine Brache, weil der Käufer Pleite machte. Zu Jahresbeginn wollte das BMW Guggenheim Lab die Fläche nutzen. Unterdessen ist das Yaam von einem umherziehenden Klub zu einem bodenständigen Unternehmen geworden. Rund 250.000 Euro habe man in das Grundstück am Stralauer Platz investiert, etwa für Brandschutztechnik, sagte Ortwin Rau. Veranstaltungstechnik für Konzerte wurde angeschafft. Viel ehrenamtliche Arbeit sei geleistet worden.

Rund 50 Beschäftigte arbeiten auf dem Gelände. Ein kleines Tonstudio, ein jamaikanisches Restaurant und ein afrikanischer Imbiss haben sich angesiedelt.

Bezirksamt und Klub wollen den Standort retten. Sie wollen Gespräche mit dem spanischen Eigentümer führen und mit dem Senat. Außerdem müsse man ein anderes Gelände suchen, das dem Yaam eine langfristige Perspektive biete, sagte Bürgermeister Schulz. Noch haben Berliner Landesbetriebe Flächen an der Spree in Friedrichshain. Mit diesen Unternehmen müsse man sprechen und brauche dazu die Unterstützung des Senats, insbesondere des Finanzsenators Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD). "Berlin wirbt mit dem Yaam", so Schulz. "Der Club steht für das Image der Stadt."

Strandbar und Reggae-Konzerte

Der Yaam-Vorstand orientiert sich jetzt am Vorgehen der Bar-25-Betreiber, die eine Schweizer Stiftung für den Kauf des BSR-Grundstücks an der Holzmarktstraße gewinnen konnten. An diese Stiftung habe er sich nun auch gewandt, sagte Ortwin Rau.

Vor dem Eingang am Rathaus Kreuzberg hatten sich am Freitag Hunderte Fans des multikulturellen Klubs versammelt, um ihre Solidarität zu bekunden. "Ich finde es blöd, dass immer mehr kulturell wichtige Flächen geschlossen werden", sagte der 20 Jahre alte Student Tom. Er gehe zu Partys im Yaam, erzählte er, treffe sich mit Freunden und genieße den Ausblick am Strand. Wegen der Reggae-Konzerte und wegen des guten Essens gehe sie ins Yaam, sagte Studentin Bernadette.