Extremismus

Kaufen Polizisten Ausrüstung bei NPD-Landeschef?

Behörde hat keine Nachweise, reagiert dennoch vorsorglich

Brisante Gerüchte beschäftigen derzeit die Berliner Polizeiführung: Polizeibeamte sollen in dem Geschäft des NPD-Landesvorsitzenden Sebastian Schmidtke, "Hexogen" in Schöneweide (Treptow-Köpenick), eingekauft haben. Obwohl es dafür keinen eindeutigen Nachweis gebe, wird nach Polizeiangaben derzeit vorsorglich eine Handlungsempfehlung erstellt, wie Beamte mit Kaufangeboten des Neonazi-Ladens umgehen sollten.

Polizeisprecher Michael Merkle bestätigte der Berliner Morgenpost am Sonnabend, dass innerhalb der Polizeibehörde Gerüchte laut wurden, wonach Beamte in dem Geschäft Kunden seien. "Erstmalig wurde der Polizei im Mai intern bekannt, dass laut nicht weiter verifizierbarer Informationslage Polizeibeamte in dem Geschäft Hexogen als Käufer verkehren sollen", so der Sprecher. Allerdings würden bis heute keine gesicherten Erkenntnisse vorliegen, dass tatsächlich Polizisten in dem Geschäft an der Brückenstraße eingekauft oder Artikel über die Internetseite des Ladens geordert hätten.

Die Brückenstraße in Schöneweide gilt, nicht zuletzt wegen des als Nazitreff bekannten Lokals "Zum Henker", bereits seit Jahren als Hochburg von Rechtsextremisten. Im Umfeld kommt es immer wieder zu szenetypischen Straftaten. Im Mai hatte die Polizei bei einer Razzia in dem Geschäft Hexogen mehrere Hundert Musik-CDs mit verbotenen Inhalten entdeckt, die von NPD-Anhängern auch auf Schulhöfen verteilt worden waren.

Gegenüber der Tageszeitung "taz" behauptet NPD-Mann Sebastian Schmidtke, bis zu zehn Polizisten würden jeden Monat bei ihm Hemden, Koppel oder Stiefel kaufen. Die Polizei geht dem nun nach und erklärte, der private Kauf solcher Dinge sei legal, solange sie keine Hoheitszeichen enthielten.

Polizisten kaufen bisweilen auch Teile ihrer Dienstausrüstung privat ein, wenn sie, beispielsweise bei Schuhen oder Stiefeln, Sonderwünsche haben.