Architektur

Die Hufeisensiedlung in Britz - Wohnen in einem Denkmal

Die farbigen Haustüren in der historischen Hufeisensiedlung in Neukölln stehen bei schönem Wetter die meiste Zeit des Tages offen. Das Miteinander in der Siedlung funktioniert gut.

Auch bei Heinz-Rudolf Meißner ermöglicht an diesem sonnigen Tag die kanariengelbe geöffnete Haustür jedem Besucher das Eintreten. Der 61 Jahre alte Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler lebt mit seinen zwei Katzen in einem der Einfamilienhäuser der Siedlung. Knapp 100 Quadratmeter, drei Etagen, alter Dielenboden und ein kleiner Garten. Alles ist denkmalgeschützt, das meiste vom Denkmalschutzamt geregelt: die Farbe der Fassade, die Bepflanzung des Gartens, das Material der Fenster.

Ein Umstand, der zunächst einmal Beständigkeit bedeutet. "Man kann sich sicher sein, dass alles hier genau so bleibt", sagt Meißner. Als er vor knapp neun Jahren eine dunkle Wohnung in einem Kreuzberger Hinterhof gegen das Haus tauscht, sind es zunächst der Preis und der Platz, die ihn überzeugen. Und das Licht, das ihm auf den Frühstückstisch scheint. Mittlerweile schätzt er den historischen Wert seines Zuhauses, das zwischen 1925 und 1933 als eines der ersten sozialen Wohnbauprojekte Deutschlands entstand und seit 2008 sogar zum Unesco-Weltkulturerbe gehört.

Die Auflagen, die das Wohnen in einem denkmalgeschützten Haus mit sich bringen, sieht Meißner entspannt. "Als ich 2009 bei der Renovierung meiner Haustür eine falsche Farbe benutzt habe, Gelb statt Crème, kam ein Zettel mit einer Mahnung von der Denkmalschutzbehörde", erzählt Meißner. "Den habe ich einfach ignoriert. Seitdem ist nichts passiert." Auch im Haus hat er einiges verändert. Ein zweites Bad ist dazugekommen, eine Wand in der Küche verschwunden. "Wichtig ist nur, dass man den alten Grundriss erkennt", sagt Heinz-Rudolf Meißner. In der Küche hat er das mit zwei verschiedenen Bodenbelägen gelöst, die deutlich machen, wo die alte Wand ehemals verlief.

Verglichen mit dem, was ihm die Siedlung an Lebensqualität bietet, seien solche Auflagen Kleinigkeiten. Aus der ehemaligen Sozialbausiedlung ist eine Siedlung mit historischem Wert geworden, die vor allem Intellektuelle, Architekten und Akademiker anzieht.