Religion

Junge Gläubige werben für Respekt

Sieben Jugendliche setzen sich mit einer Plakat-Aktion für Wertekodex ein

Berlin wirbt mit einer weiteren Plakataktion für sein Image als weltoffene und tolerante Hauptstadt. Vom kommenden Montag an zeigen sieben junge Gläubige verschiedener Religionen buchstäblich ihr Gesicht für die Botschaft eines friedlichen und respektvollen Umgangs miteinander. Zwei Wochen lang, bis zum 21. Oktober, sollen die sieben Motive an 640 Berliner Bushaltestellen hängen. Das teilte die Senatsverwaltung für Inneres am Donnerstag mit. Schirmherr der Aktion ist Innensenator Frank Henkel (CDU).

Da fragt zum Beispiel eine junge Muslima mit Kopftuch "Will mich die Gesellschaft?" Ein junger Jude fragt: "Fühle ich mich sicher?", ein junger Christ: "Darf ich Fehler machen?" Die Berliner Muslime und Juden, Christen und Bahá'i stehen für einen gemeinsamen Kodex. Er umfasst sieben Wertvorstellungen: Verantwortung, Offenheit, Gerechtigkeit, Empathie, Respekt, Vergeben und Wissen. Diesen Wertekatalog haben die Jugendlichen in einem intensiven Diskussionsprozess erarbeitet. Er soll formal und inhaltlich weniger eine Sammlung abstrakter Losungen und Appelle sein, als ein lebendiger Ausdruck gemeinsamer Wünsche und Hoffnungen für ein Zusammenleben von Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen, verschiedener Religionszugehörigkeit und Identität.

Persönliche Geschichten

Damit das Ganze nicht so abstrakt bleibt, erzählen die Jugendlichen in einem kleinen Handbuch persönliche Geschichten zu einem Begriff - also Code - und legen dar, wie sie die Codes im Alltag erleben, welche Schwierigkeiten und Herausforderungen ihnen begegnen. Und sie verraten, wie sie es schaffen, sich bei Gegenwind an die Leitlinien zu halten.

Die Plakate sind Bestandteil der Kampagne "Eins durch 7. Du zählst mit". Schon seit Ende August ziehen die jungen Gläubigen mit einer lebensgroßen Panorama-Leinwand durch die Stadt, auf der 40 Jugendliche abgebildet sind. In der Mitte dieser Leinwand ist ein Körper ausgespart. Davor kann sich jeder, der die "Code of Ethics"-Kampagne unterstützen will, mit einem "Ich"-Schild in der Hand ablichten lassen. Dieses Foto erscheint gemeinsam mit allen weiteren Unterstützern auf der Website des Projektes (http://juga-projekt.de/code-of-ethics/).

Zum Abschluss findet am 20. Oktober in der Urania in Schöneberg zur "Code of Ethics"-Konferenz ein interreligiöser Poetry-Slam statt.

Die Aktion ist auch vor dem Hintergrund von antisemitischen Übergriffen in der jüngsten Vergangenheit zu sehen. Vor einer Woche war der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer, nach einem Besuch der Synagoge am Olivaerplatz beschimpft und bedroht worden. Ende August war der Rabbiner Daniel A. in Friedenau überfallen und verletzt worden.