39. Berlin-Marathon

Fünf von 40.000 - Diese Teilnehmer erzählen ihre Geschichte

Für Alexander Görzen lief alles gut bei seinem ersten Berlin-Marathon.

Der 26-Jährige aus Bielefeld ist persönliche Bestzeit gelaufen - und außerdem um 500 Euro reicher. Alexander Görzen ist eigentlich Turner, und sein Trainer hatte ihm einen Marathon nicht zugetraut. "Er hat gesagt, ich hätte nicht die richtige Statur für einen Marathon und dass ich niemals durchhalten würde", sagt er und grinst. Sie haben gewettet, und Alexander Görzen hat gewonnen. "Ich hab's ihm gezeigt."

2:40 Stunden hat Alexander Görzen bis ins Ziel gebraucht. Fünf Minuten weniger, als er sich vorgenommen hatte. Und das, obwohl bei Kilometer 35 der Mann mit dem Hammer kam. "Wenn Du zu schnell losläufst, ist der Hammer ganz schnell da", sagt Alexander Görzen. Da hat dann die gute Stimmung geholfen. "Die Zuschauer und die vielen verschiedenen Bands haben mich bis ins Ziel getragen. Einfach genial", sagt er.

Moritz auf der Heide aus Bonn ist an diesem Tag den dritten Marathon seines Lebens gelaufen, und nie war er schneller. Exakt 2:39 Stunden war er unterwegs. Sein Ziel war es, unter 2:40 Stunden zu kommen. "Das ist der Wahnsinn", jubelt er.

Ursprünglich hat er mit dem Laufen angefangen, weil er die persönliche Bestzeit seiner Mutter mit 3:18 Stunden knacken wollte. Das ist ihm heute beeindruckend deutlich gelungen. Leider kann er den Erfolg mit seinen Eltern nicht feiern, weil sie zurzeit in den USA sind. "Aber sie sitzen dort am Laptop und verfolgen alles ganz genau", sagt er.

Für Moritz auf der Heide ist es der erste Marathon in Berlin, und er ist begeistert. "Da laufen hundert Leute um dich rum, und man kann sich wunderbar an andere dranhängen. Das pusht einen unglaublich."

Auch die ausgelassene Stimmung an der Strecke hat ihn überwältigt. "An jedem Kilometer sind so unglaublich viele Leute. Da gab es nirgendwo eine Durststrecke. Das ist einzigartig."

Ingrid Prigge ist mit ihrer Laufgruppe schon am Freitag aus dem holländischen Enschede angereist, um in Berlin dabei sein zu können. "Die vielen Leute überall und die Größe und die Organisation. Das wäre in Holland nicht möglich", sagt sie und lacht. Ingrid Prigge hatte sich für ihren ersten Berlin-Marathon das persönliche Ziel bei 2:45 Stunden gesetzt. "Das ist mir leider nicht gelungen. Ich habe zwei Minuten mehr gebraucht, als ich gehofft habe", sagt Prigge. Besonders viel Kraft haben ihr die ersten fünf Kilometer geraubt. "Es war sehr anstrengend, zwischen den vielen Läufern durchzukommen. Außerdem war der Wind doch ein bisschen zu stark", erzählt sie. "Aber ach, ich muss trotzdem zufrieden sein."

Gelohnt habe sich die Reise nach Berlin allemal. "Wir haben einfach einen kleinen Urlaub daraus gemacht", sagt sie. Zur Belohnung gönnt sich die 48-jährige Holländerin mit den anderen aus ihrer Laufgruppe erst mal einen Schnaps und einen schönes Glas Bier. Nächstes Jahr will sie wieder dabei sein.

Zu zweit macht es viel mehr Spaß, dachte sich der Berliner Immanuel van Essel und hat seinen Sohn Jonathan im Buggy mit auf die Marathonstrecke genommen. "Das ist nicht jedermanns Sache. Aber er soll mal in meine Fußstapfen treten - und das ist die entsprechende Vorbereitung", sagt der 42-Jährige. Nicht zum ersten Mal nimmt Immanuel van Essel seinen vierjährigen Sohn mit. Jedes Jahr wird er ein bisschen langsamer, weil Jonathan ein bisschen wächst. 2:50 Stunden hat Immanuel van Essel in diesem Jahr gebraucht. "Es war wirklich anstrengend. Ich denke, es war das letzte Mal." Im nächsten Jahr soll Jonathan beim Mini-Marathon selbst auf die Strecke. "Dann wird der Buggy verkauft, und von dem Geld kaufen wir Laufschuhe für den Kleinen", sagt van Essel. Das 14. Mal ist er bereits in Berlin dabei. Am liebsten laufe er bei kleineren Rennen, weil die Konkurrenz nicht so groß sei. "Mit der Zeit, die ich hier in Berlin laufe, bin ich bei kleineren Läufen viel weiter vorne. Das ist natürlich auch eine Motivation", sagt er.

Als Carola Wagner vor vier Jahren das erste Mal zusammen mit einer Freundin beim Berlin-Marathon mitlief, wollte sie danach nicht wieder mitmachen. Drei Stunden und elf Minuten hatte sie damals bis ins Ziel gebraucht. Das war ihr zu lange.

"Dann hab' ich diesen großartigen Trainer gefunden. Der hat gesagt, ,Du hast Talent, probier' es noch mal'", erzählt die 44-Jährige aus Delligsen in Niedersachsen. Und sie hat es wieder probiert. Zwölf Wochen lang hat sie sich intensiv mit einem festen Programm auf den Marathon vorbereitet. "Ich wollte unbedingt unter drei Stunden laufen. Ich bin so stolz", sagt sie glücklich und deutet auf ihre Armbanduhr. In 2:56 Stunden hat es Carola Wagner ins Ziel geschafft.

"Es lief alles rund. Ich hatte keinen einzigen Einbruch während des Laufs. Es war einfach perfekt." Vielleicht waren es auch die neuen roten Laufschuhe, die Carola Wagner für diesen Lauf für ihren Verein testen durfte, die sie so schnell ins Ziel getragen haben.