Berliner helfen

Ziel erreicht - ab in die Ferien

Berliner helfen e.V. spendiert Jugendlichen aus dem Minna Fritsch Haus einen Ausflug in den Heidepark Soltau

Frisch verputzt mit hohen Rundbogenfenstern - das Minna Fritsch Haus in Niederschönhausen wirkt einladend und freundlich. "Auf den ersten Blick nicht als soziale Einrichtung zu erkennen, nicht wahr?", meint der Leiter des Hauses Christian Westbomke. Das Haus ist eine Einrichtung der stationären Jugendhilfe und nimmt Kinder im Alter zwischen 12 und 18 Jahren auf, die aus den unterschiedlichsten Gründen nicht bei ihren Eltern leben können. Entweder weil diese alkohol- oder drogensüchtig sind, psychisch krank oder aus anderen Gründen nicht in der Lage, für ihre Kinder zu sorgen. "Manchmal melden sich die Eltern selbst beim Jugendamt und bitten um Hilfe. Manchmal kommt auch der Jugendliche zum Amt und sagt, dass es Zuhause nicht mehr geht", erläutert Christian Westbomke. Dann werden vom Jugendamt möglichst wohnortnahe Einrichtungen vorgeschlagen, die Kinder dürfen mitentscheiden, wo sie untergebracht werden.

Anna* lebt seit sieben Monaten im Minna Fritsch Haus und fühlt sich in ihrem großen Zimmer mit eigenem Bad, das sie mit einer Mitbewohnerin teilt, richtig wohl. "Es ist so schön hier, viel besser als Zuhause", sagt sie leise. Nach einem Nervenzusammenbruch mit Klinikaufenthalt erkannten die Ärzte, dass die 16jährige dem häuslichen Stress psychisch nicht gewachsen war. Anna hat sich gut eingelebt in der Gruppe mit den anderen zwölf Jugendlichen. "Es ist natürlich immer laut, aber das ist ja kein Wunder", meint sie. Das hübsche, zierliche Mädchen liest am liebsten historische Romane und Krimis, zeichnet gern und schreibt Gedichte. Sie besucht das nahegelegene Gymnasium und hofft, in zwei Jahren das Abitur zu machen. "Ich werde mein Bestes geben", sagt Anna. Beruflich hat sie auch schon ganz klare Ziele: sie will Logopädin werden.

Mädchen wie Anna sind eher die Ausnahme, gibt Christian Westbomke zu. "Aber es sind diese Kinder, die uns motivieren", sagt er. Bei der Arbeit mit den schwierigen Fällen, den Teenagern die oft schon eine lange Karriere als Schulschwänzer hinter sich haben, weil ihre Eltern selbst keine Disziplin und keine Lebensplanung kennen.

Der regelmäßige Schulbesuch und die schulischen Leistungen sind die Hauptthemen in den wöchentlichen Sitzungen der Gruppe. Jeweils zwei Erzieher kümmern sich im Schichtdienst 24 Stunden am Tag um die Kinder. "Es geht um die ganz elementaren Dinge der Erziehung: das Einhalten von Regeln und das Durchhalten auch bei unbequemen oder unangenehmen Dingen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen", sagt Christian Westbomke. Die stationäre Unterbringung von Kindern ist die teuerste Form der gesetzlich vorgeschriebenen Hilfen zur Erziehung, wenn Kinder in ihrer seelischen oder körperlichen Entwicklung gefährdet oder extrem verhaltensauffälig sind.

Träger des Minna-Fritsch-Hauses, gegründet 1966 und benannt nach einer Widerstandskämpferin in der Nazizeit, ist seit 2007 der Sozialdienst katholischer Frauen. Was aber nicht bedeutet, dass die Jugendlichen im Sinne der katholischen Religion erzogen werden. "Es geht um das christliche Menschenbild. Jeder wird angenommen wie er ist, ohne Mobbing oder dumme Sprüche", erklärt der Hausleiter.

Eltern ohne Perspektive

Die Kinder kommen aus Pankow, Reinickendorf und Wedding. Aus Familien, die von staatlichen Transfer-Leistungen leben, wo weder Mutter noch Vater - so es ihn denn gibt - eine Ausbildung geschweige denn eine berufliche Perspektive haben. "Jeder wirtschaftliche Aufschwung geht an dieser Klientel vorbei. Die Lethargie und Ziellosigkeit der Eltern prägt auch die Kinder", meint Hausleiter Westbomke, der früher selbst als Erzieher in verschiedenen Einrichtungen tätig war. Er wünscht sich für seine Jugendlichen noch mehr Austausch mit anderen Milieus, wie zum Beispiel den Mitgliedern des Lions Clubs Grunewald, die die Einrichtung unterstützten.

Im Minna Fritsch Haus setzt man mit Fußball- und Kunstgruppen auf die Stärkung des Selbstbewusstseins der Jugendlichen. Und auf die kontinuierliche Förderung der schulischen und beruflichen Ausbildung. Als Anreiz zum Durchhalten beim Schulbesuch wurde ein Ausflug in Aussicht gestellt - bezahlt durch eine Spende von Berliner helfen. "Da gibt es dann einen positiven Gruppenzwang. Auch die schwächeren Schüler haben sich angestrengt", stellte Christian Westbomke fest. In den Herbstferien geht's nun in den Heidepark Soltau. "Wir freuen uns riesig", sagt Anna, "vielen Dank dafür an die Morgenpost-Leser!" *Name geändert