Stadtplanung

Ein Park für alle

Nach vierjähriger Planung ist der Moabiter Stadtgarten eröffnet worden

Mehr als 100 Luftballons haben Kinder der benachbarten James-Krüss-Grundschule zur Eröffnung des Moabiter Stadtgartens am Montag in den Himmel steigen lassen. Gleich darauf durften sie den neuen Spielplatz testen, der mit Holzelementen wie Kisten und Kästen, Balken und Kletterwand sowohl Fantasie als auch Bewegungsdrang ansprechen soll. Beides können sie künftig aber auch auf der gesamten Fläche der etwa 15.000 Quadratmeter großen öffentlichen Parkanlage ausleben, die auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs an der Siemensstraße 27 entstanden ist.

Zwei Millionen Euro Fördermittel

Nach einer vierjährigen Planungsphase ist der neue Stadtgarten "ein weiterer Baustein zur Verschönerung des Bezirks und zur Verbesserung der Aufenthalts- und Freizeitqualität in Moabit", sagte Bezirksbürgermeister Christian Hanke (SPD) zur Eröffnung. Es sei nicht nur eine Grünfläche, die Moabit gut gebrauchen könne -sondern auch ein sozialer Ort, an dem die Anwohner Verantwortung übernehmen könnten. Zwei Millionen Euro an Fördermitteln flossen aus dem Programm Stadtumbau West in den Moabiter Stadtgarten. An der Planung waren auch Anwohner, Schüler und Kiez-Initiativen beteiligt. Der neu gestaltete Park setzt sich aus unterschiedlich gestalteten Bereichen zusammen. So gibt es Flächen für Spiel und Sport, eine Liegewiese und einen parzellierten Gemeinschaftsgarten zum Anbau von Obst und Gemüse. Im Zentrum des Parks konnte das ehemalige Verwaltungsgebäude und ein Teil des Güterschuppens erhalten werden. Das Haus mit "leicht schrottigem Charme", wie es Architekt Udo Dagenbach nennt, hat der Verein Kunstrepublik zu einem "Zentrum für Kunst und Urbanistik" ausgebaut.

Allein 1,2 Millionen Euro, davon 950.000 Euro Lottomittel haben die Künstler in den Umbau des Gebäudes investiert. Die eine Hälfte des Ziegelsteinbaus wurde zu einer großen offene Projekthalle ausgebaut, die "für Workshops, Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt werden kann", sagt Matthias Einhoff vom Vereinsvorstand. In der anderen Hälfte sind 13 Atelierwohnungen entstanden, in die bereits elf Künstler eingezogen sind. Sie sind internationalen Ursprungs, so zum Beispiel aus Mexiko, USA und Chile, und arbeiten bis zu sechs Monate in Moabit an Installationen, Skulpturen oder Zeichnungen.

Das Kunstzentrum solle eine Schnittstelle zwischen Kunst, Forschung und Stadtentwicklung werden, sagt Matthias Einhoff. So sei geplant, auch lokale Initiativen in die wissenschaftliche Arbeit mit einzubinden. Über den Winter werde zunächst aber das Haus noch weiter saniert. Allerdings sollten die Spuren der Geschichte erhalten bleiben. Und damit der besondere Charme aus der alten Güterbahnhofszeit.

Im Vorfeld viel diskutiert

Ephraim Gothe (SPD), heute Staatssekretär für Bauen und Wohnen und während des Planungsprozesses für den Stadtgarten Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, erinnerte bei der Eröffnung an den "steinigen Weg" und die "heißen Diskussionen" im Vorfeld. Die oft gut gemeinten Initiativen hätten das Projekt fast noch zum Kippen gebracht. Herausgekommen sei jetzt ein Kompromiss, der über die ursprünglichen Planungen sogar hinausgehe. So gebe es nicht nur den Stadtgarten, sondern auch das Gebäude des Kunstzentrums als urbanen Kern, der im Quartier steht. Gothe nannte den Moabiter Stadtgarten ein "Schlüsselprojekt" im Rahmen des Förderprogramms Stadtumbau West. Weitere Projekte, wie der Bau einer Umgehungsstraße zur Entlastung der Siemensstraße, sollen folgen.

Mit dem Programm Stadtumbau West fördern die Bundesregierung und das Land Berlin sechs städtische Gebiete, deren Entwicklung forciert werden soll. Dazu gehören unter anderen der Südring in Neukölln, das Kreuzberger Spreeufer und das Falkenhagener Feld.

Im Moabiter Stadtgarten, Siemensstraße 27, finden am Sonnabend, 29. September, ab 10 Uhr ein Tag der offenen Ateliers und ein Sperrmüll-Markt statt. Dort können auch alte Gegenstände kostenlos abgegeben werden