Protest

Volksbegehren gegen Nachtflüge droht zu scheitern

Zahl der Unterschriften wird kaum ausreichen

Wenige Tage vor Ablauf der Frist für das Volksbegehren Nachtflugverbot sind die Initiatoren noch weit von der erforderlichen Zahl an Unterschriften entfernt. Laut eigener Aussage sind bislang knapp 100.000 Stimmen zusammengekommen. Bis Freitagnacht müssten es allerdings 173.00 werden, damit die Bürger einen Volksentscheid verlangen können. Erst dann käme es zu einer Abstimmung, an der sich alle wahlberechtigten Bürger Berlins beteiligen könnten. Christine Dorn von der Initiative für ein Nachtflugverbot ist allerdings zuversichtlich, dass dies noch klappt. "Die derzeitige Zahl der Stimmen beruht auf unseren eigenen Schätzungen", sagt sie. "Wir haben noch keine Erkenntnisse, wie viele Unterschriften in den Bürgerämtern zusammengekommen sind, wo die Listen ausliegen."

Sollte das Volksbegehren scheitern, wollen sie und ihre Mitstreiter den Kampf ohnehin nicht aufgeben. "Dann unterstützen wir die Fluglärmgegner in Brandenburg", sagt Dorn. Dort läuft ein vergleichbares Volksbegehren noch bis zum 3. Dezember. Von den erforderlichen 80.000 Stimmen sei laut Dorn bereits mehr als die Hälfte vorhanden.

Rund 25 Bürgerinitiativen unterstützen die Aktion, am Flughafen BER keinen planmäßigen Nachtflug zwischen 22.00 und 6.00 Uhr zu genehmigen. Bislang soll es dort laut Plan nur zwischen Null und 5.00 Uhr ruhig bleiben. Die Initiatoren sehen sich durch eine Studie des Logistikexperten Richard Vahrenkamp bestätigt. Dieser hat in einer Umfrage herausgefunden, dass es in Berlin offenbar nur einen geringen Bedarf an Luftfracht gibt. "Sechs von 20 bei der Industrie- und Handelskammer Berlin geführten Top-Unternehmen haben einen Bedarf an Luftfracht gemeldet", sagte Vahrenkamp bei einer Veranstaltung der Fluglärmgegner. "Nur eine der befragten Firmen fühlt sich vom derzeit geltenden Nachtflugverbot eingeschränkt", so Vahrenkamp, der bis März den Lehrstuhl für Logistik an der Universität Kassel innehatte und seither als unabhängiger Berater in Berlin tätig ist.

Aus diesem Grund hält Uwe Hiksch von den Naturfreunden ein Nachtflugverbot für vertretbar. "Viel zu viele Güter werden mit dem Flugzeug transportiert, obwohl sie aus zeitlicher Sicht genauso gut auch mit dem Schiff befördert werden könnten", sagt Hiksch. In dieser Frage geht es für ihn auch um eine ganz grundsätzliche Lebenseinstellung. "Man braucht nicht jedes Obst und Gemüse aus aller Welt zu jeder Jahreszeit im Supermarkt." Den dafür notwendigen Flugverkehr sollte man sich laut Hiksch besser sparen.