BER

Ab November wird wieder gebaut

Der Terminplan für den Großflughafen BER steht. Berliner Abgeordnete zweifeln an der Funktionalität des Entwurfs und stellen neue Fragen

Der grobe Zeitplan für den weiteren Bau des Flughafens BER steht. Nun wurden erste Details bekannt, damit in gut einem Jahr das erste Flugzeug vom neuen Hauptstadt-Airport abheben kann. Zwar wurde der Termin für die Eröffnung vor kurzem zum dritten Mal verschoben - auf den 27. Oktober 2013. Doch bei genauem Hinsehen fragt man sich jetzt schon wieder, ob der Zeitplan nicht zu eng gestrickt ist. Derzeit passiert auf der Baustelle nämlich so gut wie nichts. Das Team rund um den neuen technischen Geschäftsführer Horst Amann ist dabei, sich einen Überblick zu verschaffen. Die Bauexperten prüfen, ob die Pläne mit den Begebenheiten vor Ort übereinstimmen oder angepasst werden müssen. Dabei geht es um so simple Sachen wie richtig verlegte Kabel. Doch gerade bei solchen Arbeiten ist in der Hektik unmittelbar vor der Verschiebung des Juni-Termins offenbar einiges an der falschen Stelle gelandet.

Endspurt bis Mai

Noch gut sechs Wochen wollen sie sich dafür Zeit nehmen. Doch im November sollen die Bauarbeiten am BER wieder Fahrt aufnehmen. Sie sollen dann laut aktuellem Zeitplan bis zum Sommer 2013 dauern. Genauer will sich die Flughafengesellschaft derzeit nicht äußern. Allerdings kann sich der Bau schon rein rechnerisch nicht länger als bis zum Mai hinziehen. Der Flughafen plant nämlich einen fünf Monate dauernden Probebetrieb. Dieser muss spätestens im Juni beginnen, damit er rechtzeitig zur Eröffnung im Oktober abgeschlossen ist. Denn der Probebetrieb, bei dem Komparsen und Mitarbeiter den Flughafen auf seine Funktionstüchtigkeit testen, soll laut Informationen der Berliner Morgenpost anders als beim letzten Mal ohne Bauhelme erfolgen. Das bedeutet folglich, dass der TÜV und Bauordnungsamt bis spätestens Ende Mai die technischen Anlagen prüfen und das Gebäude freigeben müssen. Erst dann können die Teilnehmer des Testbetriebs ohne Kopfschutz und spezielle Schuhe auf das Gelände. Die Mitarbeiter spielen dann den Flugbetrieb nach, wie er unter realen Bedingungen ablaufen würde. Dabei werden sie von freiwilligen Komparsen unterstützt, die Gepäck aufgeben und sich auf eine imaginäre Reise begeben. Beim letzten Probebetrieb wurden so einige Schwachstellen bemerkt. Das elektronische System für den Check-in brach regelmäßig zusammen. Gepäckanhänger wurden falsch ausgedruckt oder konnten von der Maschine nicht gelesen werden.

Voraussichtlich im September 2013 lassen die Mieter am BER laut Plan die letzten Baumaßnahmen an ihren Räumen vornehmen. Das kann sich bis in den Oktober hinziehen. Spätestens dann müssen die Restaurants und Geschäfte ihre Lager mit Waren auffüllen, damit sie für die ersten Passagiere gewappnet sind. Der Umzug an den BER soll in der Nacht vom 26. auf den 27. Oktober erfolgen. Das erste Flugzeug soll am Morgen des 27. Oktober von der Startbahn abheben.

"Besondere Komplexität"

Unter Berliner Abgeordneten ist unterdessen massiver Zweifel entstanden, ob die derzeitige Konstruktion des Flughafens überhaupt sinnvoll ist. Wegen der Größe des Terminals ist die Entrauchungsanlage eine Sonderanfertigung - in ihrer Komplexität weltweit einmalig. Wegen gravierender Mängel beim Brandschutz musste die für Juni 2012 geplante Eröffnung kurzfristig abgesagt werden.

Nun räumte die Senatskanzlei ein, dass es sich beim Terminal des BER um einen Sonderbau handelt, "der aufgrund seiner besonderen Nutzung und Komplexität nicht mit anderen öffentlichen Gebäuden in Berlin und Brandenburg vergleichbar ist." Hinsichtlich Brandschutz und Ent-rauchung bestünden auch wegen der Größe des Gebäudes und der Sicherheitsanforderungen für den Luftverkehr besondere Ansprüche. "Auf Vorerfahrungen bei anderen öffentlichen Gebäuden in Berlin und Brandenburg konnte daher bei Konzeptionierung und Planung der Entrauchungsanlagen nur eingeschränkt zurückgegriffen werden", heißt es in der Antwort auf eine Kleine Anfrage von Andreas Otto, der für die Berliner Grünen im Untersuchungsausschuss des Flughafenskandals sitzen wird. Für Otto ist das ein entscheidender Nachteil, der den Bau des BER nun möglicherweise in die Länge zieht und deutlich teurer werden lässt. Otto hat den Verdacht, "dass keine Kosten gescheut wurden, damit der Flughafen besonders schick wird." Der Abgeordnete will nun wissen, "ob hier unnötig teuer gebaut wurde und gestalterische Aspekte die Funktionalität unzulässig dominiert haben." Für kostspielige Experimente habe Berlin kein Geld, so Otto.

Auch der Lärmschutz bleibt ein Thema. Am Donnerstag wurde bekannt, dass Ende August erst bei 1869 Betroffenen der Schallschutz eingebaut und die Rechnung erstattet war. Das entspricht einem Anteil von 7,3 Prozent aller 25.500 Haushalte mit einem entsprechenden Anspruch. Rainer Breitschneider, Staatssekretär im Infrastrukturministerium, sicherte zu, dass die Flughafengesellschaft sich gegenüber den lärmbetroffenen Anwohnern des Airports kulant zeigen werde. Der Aufsichtsrat habe jüngst beschlossen, dass beim Schallschutz auch "freiwillige Leistungen" bezahlt werden, sagte Breitschneider. Das bedeute, dass auch Wohnküchen, Wintergärten oder Schlafzimmer unter dem Dach, die baurechtlich nicht also solche gewertet werden, geschützt werden. Nach der zweiten Verschiebung des BER-Eröffnungstermins im Juni hatte die Flughafengesellschaft den Etat dafür zunächst wieder gestrichen.