Verkehr

Ampel oder Streifen

Fußgänger: Jahrelanger Streit um einen Überweg in Frohnau. Aktionen zu Kindersicherheit

Die Situation ist nicht ungefährlich - und auch nicht neu: Noch immer - nach jahrzehntelanger Debatte - müssen Eltern in Frohnau fürchten, dass ihre Kinder nicht sicher in die Schule kommen, wenn sie auf dem Weg dorthin den Zeltinger Platz überqueren müssen. Auch Erwachsene müssen aufmerksam und schnell sein, wollen sie über die Straße kommen. Trotz Tempo 30 geben manche Autofahrer auf dem Platz noch einmal richtig Gas. Doch nun nimmt die Diskussion um einen Fußgängerüberweg eine Wende - wieder einmal. CDU und Grüne in der Bezirksverordneten-Versammlung wollen neuerdings keine Zebrastreifen mehr. Sie ließen bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung eine Ampellösung für einen sicheren Übergang prüfen. Die aber gibt dem Bezirk jetzt einen Korb, sagt, eine Ampel sei zu teuer. Ihre Finanzierungszusage für die eigentlich geplanten Zebrastreifen auf dem Zeltinger Platz zwischen dem Fürstendamm und der Burgfrauenstraße hat die Senatsverwaltung auch schon zurückgezogen. Begründung: Die Politiker in Reinickendorf sollten sich erst für eine Lösung entscheiden.

Es geht um 280.000 Euro, die laut Baustadtrat Martin Lambert (CDU) bereits bewilligt gewesen sind. "Wir haben aber die Zusage, dass das Geld wieder zur Verfügung steht, wenn wir neue Pläne vorlegen." Das sei in Gesprächen zwischen Staatssekretär Christian Gaebler (SPD) und Reinickendorfer Politikern besprochen worden. Als Gründe gegen die Zebrastreifen hatten die Reinickendorfer vor allem die Staugefahr ins Feld geführt, aber auch die Befürchtung, dass viele Autofahrer dann nach Schleichwegen durch das Wohngebiet suchen könnten. Nachdem die Ampel als Lösung am Zeltinger Platz nun aber abgelehnt wird, will Lambert die Pläne für Zebrastreifen wieder aufnehmen.

Zebrastreifen sind angeordnet

Die Geschichte der immer noch fehlenden Zebrastreifen ist lang. Auch die Interessengemeinschaft Frohnauer Geschäftsleute hatte sich dafür ausgesprochen, dass die Überwege mindestens ein Jahr lang getestet werden sollten. Ein Verfechter der Zebrastreifen, der sich als FPD-Mitglied fast zehn Jahre bis 2010 in der BVV dafür einsetzte, ist Heinz-Jürgen Schmidt. Mit immer wieder neuen Anträgen habe es die BVV schließlich geschafft, die Verkehrslenkung Berlin von den Zebrastreifen zu überzeugen. Sie wurden angeordnet, der Bezirk sollte sie eigentlich längst umgesetzt haben. Doch es gab Bedenken: Weil für die Zebrastreifen die Straße am Platz auf eine Fahrspur verengt werden müsste, drohe am Zeltinger Platz Staugefahr, war auch die Sorge von Baustadtrat Lambert. Vor allem, wenn die Busse die Spur beim Halten an der Bushaltestelle blockieren. In einem kleinen Test hatte Lambert die Verkehrssituation mit den Überwegen bereits simuliert. Es kam zu Staus. Eine längere Testphase oder einen Probebetrieb, wie sie die Bezirkspolitiker im Anschluss forderten, wurde von der Senatsverwaltung abgelehnt. Bis die Idee mit der Ampel kam.

"Jetzt warten wir weiter, dabei ist es lebensgefährlich, den Zeltinger Platz dort zu überqueren", kritisiert Schmidt, der sich auch im Bürgerverein Gartenstadt Frohnau engagiert. Er würde inzwischen die Ampellösung als die bessere ansehen. "Allerdings wären auch Zebrastreifen besser als gar nichts, denn man kommt ungefährdet an der Stelle nur halbwegs rüber, weil sich zumindest einige Autofahrer erinnern, dass es Fußgänger gibt", sagt Schmidt. Kinder, alte Menschen, Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer, die dort wegen der Donnersmarck-Stiftung häufig unterwegs seien, bräuchten dringend einen sicheren Überweg.

Das findet auch Ulf Wilhelm, der baupolitische Sprecher der Reinickendorfer SPD-Fraktion. Die SPD habe gegen den Ampelantrag in der BVV gestimmt, weil zunächst gar nicht geprüft werden sollte, ob sie dort Sinn mache. "Es ist ein Trauerspiel, so lange auf eine Lösung warten zu müssen, damit die Kinder sicher in ihrer Kita an der Markgrafenstraße oder die Schüler der Victor-Gollancz-Grundschule sicher die Fahrbahn queren können", kritisierte Wilhelm. Egal wie, so seine Meinung inzwischen, es sollte endlich eine verkehrssichere Lösung her. Die Senatsverwaltung habe bei ihrer Prüfung herausgefunden, dass eine Fußgängerbedarfsampel über die Burgfrauenstraße allein nicht ausreichen würde. "Auch der Verkehr im Kreis müsste regelmäßig gestoppt werden. Nötig wären also mehrere Ampeln, und das wäre wesentlich teurer als die zwei Überwege", so Wilhelm weiter. Aus diesem Grund würde die SPD deshalb eher wieder zu den Fußgängerüberwegen raten.

Längere Wartezeiten mit Ampel

Da nun die Prüfung der Ampellösung bei der Senatsverwaltung negativ ausgegangen sei, was Wilhelm schon aufgrund der höheren Kosten vermutet hatte, "sollte mit dem Überweg spätestens im Frühjahr 2013 begonnen werden", fordert er. Überwege hätten im Gegensatz zu automatischen Ampelschaltungen zudem auch den Vorteil, dass die Autos im Kreisverkehr nur dann anhalten müssen, wenn ein Fußgänger in Sicht ist.

Auch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung rät dem Bezirk nach ihrer aktuellen Prüfung der Ampel-Lösung für den Zeltinger Platz, besser die Zebrastreifen zu bauen. "Diese Variante sollte wie geplant umgesetzt werden, und zwar zügig: Die Leute warten schließlich schon lange darauf", sagte Sprecherin Petra Rohland. Bei der Ampellösung hätten Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer insgesamt längere Wartezeiten als bei den Überwegen. Die Ampel sei zudem wesentlich teurer, hätte auch Folgekosten.