Aktionswoche

Zu Fuß zur Grundschule? Aber sicher!

"Manchmal rasen die Autofahrer wie verrückt", sagt Marlon.

Trotzdem lässt sich der neunjährige Grundschüler aus Prenzlauer Berg davon nicht abschrecken. "Da muss man eben aufpassen", sagt er. Den Weg in die Carl-Humann-Grundschule geht er jeden Tag zu Fuß. "Und zwar allein", sagt er stolz.

Die Schule an der Scherenbergstraße ist eine von 56 Berliner Schulen, die an der Aktionswoche "Zu Fuß zur Schule" teilnehmen. 14.000 Kinder machen in diesem Jahr mit. Der Arbeitskreis Mobilitätserziehung Berlin will die Grundschüler und deren Eltern ermutigen, ihre Kinder nicht mit dem Auto zur Schule zu bringen. Die sogenannten Elterntaxis sorgen vor vielen Schulen immer wieder für Chaos und Unfallgefahr. "Viele Schulen haben das Problem erkannt und wollen aktiv die Schüler und Eltern dafür gewinnen, dass der Schulweg zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt wird", sagt Gabi Jung vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), der die Aktionswoche organisiert. "Je mehr mitmachen, desto sicherer sind die Kinder unterwegs. Nicht nur die Situation vor der Schule wird entschärft, sondern die Kinder werden auch schneller sicher im Verkehrsverhalten."

25 Prozent kommen mit dem Rad

Dass Überzeugungsarbeit und Aktionen wirken, hat Carl-Humann-Schulleiterin Katrin Meissner erlebt. Seit 2008 ist ihre Schule bei den Zu-Fuß-Aktionen dabei. Früher standen fünf oder sechs Fahrräder auf dem Hof. Inzwischen sind es täglich mehr als 100. Ein Viertel aller Schüler kommt mit dem Rad, viele - wie Marlon - angstfrei und sicher zu Fuß. "In Berlin ist es ganz unnötig, dass Kinder mit dem Auto in die Schule kommen", sagt Meissner.

Mit der Sicherheit auf dem Schulweg befasste sich am Dienstag auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Er verteilte gemeinsam mit ADAC-Landeschef Manfred Voit am Brandenburger Tor gelbe Sicherheitswesten an Erstklässler. "Ich appelliere an alle Verkehrsteilnehmer, jetzt in der beginnenden dunklen Jahreszeit besonders auf die Schulanfänger zu achten", sagte Wowereit. "Jedes Kind, das im Verkehr verletzt oder getötet wird, ist eins zu viel." Die ADAC-Stiftung Gelber Engel, die Deutsche Post und die Hilfsorganisation Ein Herz für Kinder statten in diesem Jahr bundesweit 750.000 Schulanfänger mit Sicherheitswesten aus.