Umwelt

Der Mann der Moorfrösche kämpft um Geld

Der Naturschutzpark Marienfelde ist bedroht, wenn es nicht eine sichere Finanzierung gibt, warnt der Ranger Björn Lindner

Noch springen Knoblauchkröten, Moorfrösche, Zauneidechsen, Kammmolche und andere geschützte Tiere munter im Naturschutzpark Marienfelde umher. Im größten zusammenhängenden Schilfgebiet des Bezirks fühlen sich auch Rohrammer und Teichrohrsänger wohl. Doch das könnte sich bald ändern - wenn alles wieder zuwuchert, weil sich niemand mehr um den 400.000 Quadratmeter großen Park kümmert. Mit den umliegenden Flächen wie der alten Dorfaue ist das Gebiet sogar 100 Hektar groß. Doch bald könnte alles wieder wie vor fünf Jahren aussehen - ein undurchdringlicher Dschungel.

Naturranger Björn Lindner, der die einstige aufgeschüttete Müllhalde seit 2007 in ein Naturparadies verwandelt hat und inzwischen etliche ehrenamtliche Helfer wie einen Moorfachmann, Botaniker, Vogelkundler und sogar einen Schmetterlingsspezialisten zu seinen Mitstreitern zählt, will sich bei der Finanzierung nicht mehr von Projekt zu Projekt hangeln müssen, um über die Runden zu kommen. "Ich bin Idealist, will auch hier bleiben, weil es mir so gut gefällt, aber das ganze sollte endlich auf solide finanzielle Füße gestellt werden. Ich muss meine Familie auch ernähren", sagt der 42 Jahre alte staatlich geprüfte Natur- und Landschaftspfleger, der vor seiner Aufbauarbeit in Marienfelde in brandenburgischen Großschutzgebieten gearbeitet hat. Unabhängig von seiner persönlichen Situation sei es wichtig, den Ansprüchen von Natur und Landschaft gerecht zu werden: "Das schaffen Ehrenamtliche nicht, dafür wurde mein Beruf in den 90er-Jahren geschaffen. Wir haben doch eine Verantwortung für die grüne Vielfalt", sagt Lindner. Mit den Jobcenter-Kräften, die er in Projekten anleitete, wofür er anteilig Geld erhielt, sei es zudem so, dass sie keine Natur- und Landschaftspflege betreiben dürfen. Das wäre Konkurrenz zum ersten Arbeitsmarkt. "Wir haben hier genug auch in anderen Bereichen zu tun, aber die Basis muss finanziert sein", sagt Lindner.

Hunde müssen an die Leine

In Marienfelde hat er den Freizeitpark nach und nach so angelegt, dass die Lebensstätten der wild lebenden Tiere und Pflanzen geschützt und erhalten bleiben, dass der Mensch sich aber dennoch in der Grünanlage aufhalten kann. Hunde müssen allerdings angeleint werden. Anwohner und auch die "Initiative Berlin-Marienfelde" unterstützen den Ranger. Sie fordern die Behörden auf, statt immer neuer befristeter Jobcenter-Projekte endlich eine dauerhafte Bezahlung für ihn zu finden. "Der Naturschutz-Park stirbt sonst, weil sich niemand zuständig fühlt", kritisiert Jürgen Juhnke von der Bürgerinitiative, dabei sei Naturschutz auf dieser ehemaligen BSR-Mülldeponie gesetzliche Verpflichtung. Über 100 schützenswerte Tierarten und auch seltene Pflanzen haben sich inzwischen im vom Naturranger betreuten Gebiet angesiedelt. Doch momentan hilft nur der Berliner Naturschutzbund (Nabu), für den Lindner ehrenamtlich die Naturschutzstation am Diedersdorfer Weg 5 betreibt. Bis Ende September hat der Nabu die Hälfte des Lohns für den Ranger übernommen.

Stadtrat Oliver Schworck (SPD) weiß, dass der Ranger alle halbe Jahre die Unsicherheit hatte, ob wieder eine neue Maßnahme bewilligt wurde. "Oft erfuhr er davon erst einen Tag, bevor es losging. So eine Situation wünscht man keinem." Fest anstellen könne das Bezirksamt Lindner nicht, sagt Schworck. "Theoretisch könnten wir ihn zwei Jahr lang bezahlen, das Geld müssten wir aber woanders einsparen. Nach zwei Jahren wäre aber Schluss damit, weil wir von der Senatsverwaltung für ihn kein Geld bekämen. Lindners Produkt ist nirgendwo in der Kosten-Leistungs-Rechnung verzeichnet. Das sind Zwänge der Zuweisung, aus denen ich nicht herauskomme." Stattdessen will Schworck kurzfristig Projekte suchen, "um Lindner erst mal 2012 noch bezahlt zu kriegen". Für eine langfristige Sicherung will er zudem versuchen, zusammen mit dem Naturschutzbund Geld aus dem Umweltbereich zu erhalten. "Ich finde, der Wowereit müsste sich das mal angucken, um zu verstehen, dass so etwas Schönes nicht aufgegeben werden darf", macht sich auch Angelika Juhnke von der BI für Lindners Arbeit stark. So gibt es in der Naturschutzstation ein grünes Klassenzimmer. In 14 Stationen lernen die Kinder, was die Natur alles bietet: Es beginnt mit einem Weidentunnel, dessen Betreten auf dem weichen Waldboden ein Erlebnis ist. Naturfühlung wird auf einem Barfußpfad mit Tannenzapfen, Steinen und Mulch aufgenommen. Dass Baumstämme auch Töne von sich geben können, erfahren Kinder am Ohrenbaum. Klanghölzer geben je nach Dicke unterschiedliche Töne von sich. Die Bildungsarbeit mit Kindern und Erwachsenen macht dem Ranger Spaß. Allein in dieser Saison besuchten 3500 Gäste die Station. In den Herbstferien gibt es noch einige freie Plätze. Mehr unter www.natur.berlin-marienfelde.de