Kohleausstieg

Vattenfall baut neue Kraftwerke erst später

Modernisierung bis 2020, Klingenberg läuft länger

Der Energieversorger Vattenfall wird seine neuen Kraftwerke in Berlin erheblich später in Betrieb nehmen als bisher zugesagt. Anstatt 2016 werden die drei neuen mit Gas und Biomasse befeuerten Anlagen in Lichterfelde, Marzahn und Lichtenberg erst 2020 fertig sein, bestätigte ein Vattenfall-Sprecher am Mittwoch. Berlins Energieversorgung hängt deshalb länger an der Braunkohle als bisher eingeräumt.

Die Berliner Grünen kritisierten im Umweltausschuss den Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) scharf, weil er den "Braunkohleausstieg Berlins noch in dieser Legislaturperiode vergeigt" habe. "Er hat versäumt, rechtzeitig zu verbindlichen Vereinbarungen mit Vattenfall zu kommen, obwohl seit über einem Jahr klar ist, dass eine Verschiebung des Braunkohleausstiegs in Berlin für Vattenfall finanziell attraktiv geworden ist, weil Fördermöglichkeiten für Kraftwerksneubauten auf Bundesebene verlängert wurden", sagte der Energieexperte der Grünen, Michael Schäfer. Zuletzt habe sich der Senat im April im Parlament geweigert, solche Warnungen ernst zu nehmen.

2009 hatten der Senat und Vattenfall eine Klimaschutzvereinbarung geschlossen. Das Ziel ist, bis 2020 den Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid im Vergleich zu 1990 zu halbieren.

Der schwedische Staatskonzern hatte zugesagt, die Kraftwerke zu erneuern, die ihm durch den Erwerb des früheren kommunalen Stromversorgers Bewag zugefallen waren. Bis 2015 sollte das Heizkraftwerk Lichterfelde aus dem Jahr 1970 durch ein modernes Gas- und Dampfturbinenkraftwerk ersetzt werden. In Marzahn-Hellersdorf wollte Vattenfall bis 2016 ein neues, mit Gas betriebenes Heizkraftwerk bauen, ebenso in Lichtenberg in Nachbarschaft zum bestehenden Braunkohlekraftwerk Klingenberg an der Rummelsburger Bucht. Hier waren auch zwei Biomasse-Heizkraftwerke vorgesehen.

Im Laufe der Planung hat Vattenfall den Zeitplan jedoch erheblich verändert. In Lichterfelde musste eine Ausschreibung wiederholt werden, sagte ein Unternehmenssprecher zur Begründung. Der Heißwassererzeuger werde nun 2014, das eigentliche Heizkraftwerk erst 2016, ein Jahr später als zugesagt, fertig. Auch der Neubau in Marzahn verschiebt sich um zwei Jahre auf 2018. Und wann das neue Gaskraftwerk in Klingenberg fertig ist, sei noch nicht klar. Gleichzeitig hat Vattenfall entschieden, wegen verschlechterter Förderbedingungen für Biomasse auf den Neubau der beiden Biomasse-Blöcke zu verzichten und stattdessen auf Mitverbrennung von Holzpellets in anderen Kraftwerken zu setzen.

Vattenfall will nun das alte Kraftwerk Klingenberg über 2016 hinaus weiter betreiben. Man prüfe noch, ob mit Braunkohle oder mit Gas, hieß es. Die Grünen rechnen vor, wenn das Kohlekraftwerk vier Jahre länger laufe, verursache es rund vier Millionen Tonnen CO2, das entspricht fast einem Viertel der jährlich in Berlin verursachten Menge dieses Treibhausgases. Vattenfall versicherte, man werde das zugesagte Ziel von nur halb so viel CO2-Ausstoß aus den Kraftwerken bis 2020 trotz der Verzögerung erreichen.