Bandidos

Angeklagte im Rockerprozess gestehen

Kronzeuge sagt aus. Ermittler hoffen auf Signalwirkung

Unter massiven Sicherheitsvorkehrungen hat am Landgericht Moabit der Prozess gegen vier mutmaßliche Mitglieder der Rockergruppe Bandidos begonnen. Insbesondere Polizei und Staatsanwaltschaft hatten große Erwartungen in die Verhandlung gesetzt, da im Rahmen der Bekämpfung der Rockerkriminalität erstmals ein Kronzeuge aus dem Milieu aufgeboten werden konnte. Roman L. hatte im Vorfeld umfassend gegen seine drei Mitangeklagten ausgesagt und wiederholte seine Aussagen auch zum Prozessauftakt am Dienstag.

Angesichts der Brisanz des Verfahrens glich das Landgericht Moabit einer Festung. Auf breiter Front parkte etwa ein Dutzend Mannschaftswagen der Polizei. Knapp 100 Beamte, bewaffnet und mit Schutzwesten bekleidet, verteilten sich vor dem Gebäude, im Gericht und im Verhandlungssaal. Die ohnehin scharfen Einlasskontrollen in Moabit waren nochmals verstärkt worden. Was fehlte, war allerdings das erwartete Großaufgebot an Rockern. Gerade mal ein Dutzend mutmaßliche Mitglieder der Bandidos waren ohne ihre Motorräder und Kutten erschienen und hatten ganz "in Zivil" im Saal Platz genommen.

Dort mussten sie verfolgen, wie Kronzeuge Roman L. Einblicke in die kriminellen Abläufe in der Rockerszene gewährte. Nach einem Übergriff von Hells Angels auf ein Mitglied der Bandidos habe man dort einen Rachakt beschlossen und das Fahrzeug eines führenden Höllenengels in Brand gesetzt. Die Aufgaben bei der Tat waren präzise verteilt, einer schlug mit einem Hammer eine Seitescheibe des Pkw ein, ein zweiter verteilte eine Spiritusmischung im Inneren, der Dritte warf eine Brandfackel in das Fahrzeug, der Vierte sicherte die ganze Aktion ab.

Ehrenkodex gebrochen

Die 30, 25 und 22 Jahre alten Mitangeklagten hatten bis dahin entsprechend dem Ehrenkodex der Rocker eisern geschwiegen. Nach einem Angebot der Vorsitzenden Richterin - Strafnachlass gegen Geständnis - räumten sie die Tat schließlich ein, vermieden dabei allerdings konsequent jede Angaben zu ihren Rollen in der Rockerszene. Alle drei bemühten sich nach Kräften, den Eindruck zu vermitteln, Begriffe wie Bandidos und Hells Angels seien ihnen völlig fremd. Die Richter ihrerseits erweckten dabei den Eindruck, den Angeklagten schlicht kein Wort zu glauben.

Für die Staatsanwaltschaft war dieser Aspekt von nebensächlicher Bedeutung. "Entscheidend ist, dass das Gericht den Aussagen des Aussteigers Glauben schenkt, das könnte Signalwirkung für andere Aussteigewillige in der Szene haben", sagte Justizsprecher Martin Steltner. Das Gericht hatte L. für seine Aussage nicht nur Strafnachlass, sondern sogar ein "Absehen von Strafe" in Aussicht gestellt. Bereits am heutigen Mittwoch soll das Urteil gesprochen werden.