Disziplinarverfahren

Schulverwaltung geht schnell gegen Lehrer vor

Pädagoge soll eine Schülerin rassistisch beleidigt haben

Am Montag musste der Lehrer, der eine 16-jährige Schülerin rassistisch beschimpft haben soll, vor der Schulaufsicht Stellung nehmen. Am heutigen Dienstag will die Bildungsverwaltung ein Disziplinarverfahren eröffnen. Dann muss er sich formal zu den Vorwürfen äußern. Vorläufig steht der Lehrer nicht mehr vor einer Klasse, er ist nach Angaben der Bildungsverwaltung suspendiert. Auch alternative Einsatzmöglichkeiten ohne Kontakt zu Schülern würden in Betracht gezogen.

Der Vorfall an der 7. Sekundarschule (ehemals Friedrich-Bayer-Sekundarschule) in Steglitz-Zehlendorf hatte sich bereits am Montag vor einer Woche ereignet. Der 63-jährige soll, wie berichtet, gegenüber einer dunkelhäutigen Schülerin mehrfach das Wort "Nigger" benutzt haben. Die Schülerin hatte gemeinsam mit der Mutter am Donnerstag Strafanzeige bei der Polizei gegen den Lehrer erstattet. Auch von anderen Schülern der Schule liegen bei der Polizei Beschwerden wegen rassistischer Äußerungen vor. Die Polizei hat am Montag weitere Zeugen und Schüler dazu befragt. Der Lehrer bestreitet nach Informationen der Berliner Morgenpost nicht, dass zu den Äußerungen kam, allerdings gebe es unterschiedliche Darstellungen zum Ablauf des Geschehens.

Psychologe wird hinzugezogen

An der Sekundarschule ist laut Bildungsverwaltung gleich nach dem Vorfall der schulpsychologische Dienst einbezogen worden. Auch die Schulaufsicht sei schon vor der Strafanzeige von der Schulleitung informiert worden.

Für besonderes Aufsehen sorgt der Fall auch deshalb, weil der Lehrer vom Dezember 2000 bis 2007 schon einmal von Unterricht suspendiert war. Ihm wurde damals vorgeworfen, während des Geschichts-Unterrichts NS-Verbrechen verharmlost zu haben. Das Oberverwaltungsgericht entschied im April 2007, dass die Vorwürfe nicht ausreichten, um den verbeamteten Lehrer aus dem Schuldienst zu entlassen. Seitdem unterrichtet er an verschiedenen weiterführenden Schulen im Bezirk Steglitz-Zehlendorf als Vertretungslehrer. "Es hat immer wieder Beschwerden von Eltern an den verschiedenen Schulen gegeben", sagt Lieselotte Stockhausen-Doering, Vorsitzende des Bezirkselternausschusses. Allerdings seien diese wenig konkret gewesen und hätten sich eher auf einen "merkwürdigen Geschichtsunterricht" bezogen. Die Eltern seien durch die Vorgeschichte schon alarmiert gewesen, so Stockhausen-Doering. Unter anderem hatte er in den vergangenen Jahren an der Goethe-Oberschule, am Schadow-Gymnasium, an der Max-von-Laue-Schule und am Droste-Hülshoff Gymnasium unterrichtet. Für Elternvertreterin Stockhausen-Doering liege das Grundproblem im Beamtenrecht. Dieses mache es sehr schwer, ungeeignete und bereits verbeamtete Lehrer zu entlassen oder anders einzusetzen. Das müsse dringend geändert werden, sagte Stockhausen-Doering.