Architektur

Der Charme alter Gemäuer

Historische Gebäude wie die Häuser am KaDeWe und auch die Krausenhöfe in Mitte werden teuer saniert

Berliner Immobilien stehen bei Anlegern aus dem In- und Ausland seit der Eurokrise ganz oben auf der Wunschliste. Die große Nachfrage führt nun dazu, dass selbst Gebäude in den Fokus rücken, für die sich jahrelang kaum jemand interessierte. Für Häuser, die durch langen Leerstand enorme Schäden erlitten haben, kann dies jedoch die Rettung vor dem totalen Verfall bedeuten. In Mitte und in Schöneberg sollen nun drei solcher Beinahe-Ruinen mit einem hohen Investment eine neue Perspektive eröffnet bekommen.

Von den Wänden blättert der Putz, im Parkettboden klaffen faustgroße Löcher, der Keller ist feucht und es regnet durchs Dach. Der jahrelange Leerstand hat deutliche Spuren in den einstmals prächtigen Gründerzeitbauten hinterlassen. Strom, Wasser und Gas sind schon seit Jahren abgestellt. Ausgerechnet zwei solcher maroden Häuser, so plant es Pantera-Vorstand Michael Ries, sollen künftig zu absoluten Luxusdomizilen umgebaut werden. Der Mut, in die beiden Gebäude insgesamt 30 Millionen Euro zu investieren, bezieht Ries vor allem aus einem Umstand: der "einzigartigen Wohnlage direkt am KaDeWe". Das Kaufhaus des Westens hat auch den Namen für die geplante Wohnanlage inspiriert: "Maison Ouest".

Hochherrschaftliche Architektur

Die beiden zu sanierenden Gründerzeithäuser liegen an der Passauer und Ansbacher Straße, die das größte Kaufhaus Kontinentaleuropas umschließen. Rund 4.800 Quadratmeter Wohnfläche sind im "Maison Ouest" geplant. Die zwischen 75 und 290 Quadratmeter großen Wohneinheiten sollen mit hochwertigsten Materialien, modernster Technik und großen Balkonen oder Terrassen an der Hofseite ausgestattet werden. Selbstverständlich werde es auch einen Concierge-Service geben, so Ries. Das hat seinen Preis: 4500 bis 9800 Euro pro Quadratmeter werden für die Wohnungen je nach Lage verlangt. Die beiden 1892 erbauten Häuser stehen nicht unter Denkmalschutz. "Trotzdem werden wir in enger Absprache mit dem Denkmalamt die noch vorhandenen prächtigen Stuckelemente sowie die Wandmalereien in den Treppenhäusern so weit wie möglich restaurieren", betont Ries. Schließlich sei die einstmals hochherrschaftliche Architektur der Häuser, die sich hinter den heutigen abgestuckten Fassaden kaum mehr vermuten lässt, ein weiteres wichtiges Verkaufsargument. Über die Tiefgarage erhalten die Käufer zudem einen direkten Zugang unmittelbar in die Feinkost-Abteilung zum KaDeWe. Ries ist sich sicher, dass der Markt reif ist für ein solches Projekt. Die Nachfrage nach repräsentativen Wohnungen in historischen Gebäuden rund um den Kurfürstendamm sei enorm. Die Resonanz auf das vor gut einem Jahr von Pantera gestartete Wohnprojekt "Amisia Finest Living", einer Umwandlung eines Bürogebäude aus den 30er-Jahren an der Emser Straße, sei "überwältigend", sagt Ries. Die 32 Luxuswohnungen dort seien schnell vergeben gewesen. "Wir schreiben jetzt die Interessenten an, die dort nicht zum Zuge gekommen sind", so Ries. Der Baustart für das "Maison Ouest" ist für Frühjahr 2013, die Fertigstellung für Mitte 2014 geplant.

Bürolofts in der Ufa-Zentrale

Ebenso zuversichtlich schreitet auch Stefan Klingsöhr durch seine künftige Baustelle. Die einstmals prächtigen Krausenhöfe zwischen Krausen- und Schützenstraße unweit des Verlagshauses Axel Springer wurden 1919 errichtet. In den 20er-Jahren diente das 1910 errichtete Gebäude als Zentrale der Universum Film AG (Ufa), zu DDR Zeiten dann der Defa, gefolgt von der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR.

Nach dem Mauerfall zog das Landesdenkmalamt dort ein. Seit nunmehr zehn Jahren stehen die Gewerbehöfe jedoch leer. Die Wände sind mit Graffiti übersät, das Geländer im Treppenhaus ist nicht mehr vorhanden, im Dachstuhl sind noch die Schäden zu sehen, die ein Brand hinterlassen hat. Im Oktober will die Berliner Klingsöhr-Unternehmensgruppe mit der Sanierung des imposanten Baudenkmals beginnen. Die Fertigstellung soll im März 2014 erfolgen. Im Auftrag des Eigentümers, einer britischen Familie, soll das Haus für rund 28 Millionen Euro denkmalgerecht modernisiert werden. Anders als bei den Häusern am KaDeWe entstehen in der Krausenstraße nicht Wohnungen, sondern Büros ab einer Größe von 400 bis 4000 Quadratmetern.

Stefan Klingsöhr ist sicher, die Bürolofts im historischen Gewand gut vermieten zu können. Die Gegend zwischen Spittelmarkt, Checkpoint Charlie, Leipziger Straße und der Axel Springer AG sei besonders bei international tätigen Internet-, Medien- und Beratungsunternehmen sehr gefragt. Für eine der Büroetagen habe sich auch schon ein Interessent gemeldet. Der Vertrag über rund 4000 Quadratmeter der insgesamt 10.500 Quadratmeter stehe kurz vor dem Abschluss. Die Mieten werden sich an dem orientieren, was für bestens ausgestattete Büros in dieser Lage üblich sei: 15 bis 18 Euro pro Quadratmeter. Das ist deutlich mehr als der Berliner Durchschnitt: Der liegt für Büros aktuell bei zwölf Euro. "Unsere Büros werden auch alles andere als durchschnittlich", sagt Klingsöhr.