Fest auf dem Schinkelplatz

Gaukler geben Abschiedsvorstellung

An diesem Wochenende endet das große Fest auf dem Schinkelplatz

Es regnet. Glitzernde Konfettischnipsel. Kleine Papiertröten in Rot und Gelb und Blau. Mal schweben auch weiße Federn von oben herab. Damit muss man rechnen, wenn man sich auf das Berliner Gauklerfest am Schinkelplatz begibt. Und mit Schlimmerem. Da stehen drei riesige graue Ratten auf den Hinterbeinen, gestikulieren, und eine haut der anderen den langen Schwanz um die Ohren. Gaukler eben, wenn auch im täuschend echten Kostüm. Und auch das passiert: Man steht da und lauscht versunken der Jazzmusik, da legt sich plötzlich eine Hand auf die Schulter. Man dreht sich um und wird von hoch oben, von einem überragenden Stelzenmann im weinroten Anzug angelächelt. Oder von seiner Gefährtin, ebenso groß, aber in weiß gekleidet, mit spitzem Hütchen auf dem Kopf. Sie wirft mit vollen Händen die weißen Federn umher. Und beide staken weiter.

Kunsthandwerk und Akrobatik

Es heißt also aufpassen, wenn man über das Festgelände geht. Augen, Ohren und Gaumen bekommen viel zu tun. Es ist ein kleines Dorf mit vielen weißen Zelten. Man kennt sie vom Gendarmenmarkt, wo sie in der Adventszeit stehen, mit einem goldenen Stern geschmückt. Kein Wunder, denn Helmut Russ, Veranstalter des Weihnachtszaubers auf dem Gendarmenmarkt, organisiert in diesem Jahr das Gauklerfest am Schinkelplatz. Dort sind die weißen Zelte in kleinen Gruppen aufgebaut. Händler und Kunsthandwerker bieten ihre Waren an. Es gibt Schnitzereien, Ketten und Lederwaren zu kaufen. Dazwischen spazieren die Besucher über den Rasen. Und haben den Blick auf die attraktiven Bauten ringsum. Auf der einen Seite erhebt sich der Backsteinbau der Friedrichwerderschen Kirche. Auf der anderen Seite steht die Kulisse der Bauakademie. Man sieht die Alte Kommandantur, die Humboldtbox am Schloßplatz, das Rote Rathaus und die Marienkirche.

Doch genauso attraktiv ist das Programm am Schinkelplatz. Insbesondere wenn sich die Künstler der Gruppe "Artistokraten" auf die Bühne begeben oder sich unter das Publikum mischen. Herren im roten Anzug und mit schwarzem Hemd machen Saltos, Handstand und Überschläge. Eine junge Frau im weißen Kleid tanzt mit Ballettschuhen über ein Seil, vollführt Sprünge auf diesem schmalen Grat und schließt ihre Darstellung mit einem Spagat ab. Und dann macht sie das Ganze noch einmal - auf Pumps mit hohem Absatz. Sogar den Spagat. Nur ein weißer Fächer hilft ihr beim Balancieren. Ein Jongleur lässt rote Kugeln durch die Luft tanzen. Ein Herr im orangefarbenen Anzug gibt den Musikautomaten. Auf Knopfdruck stimmt er einen Rocktitel von Elvis Presley an oder eine Ballade. Doch jongliert wird nicht nur bei den "Artistokraten". Auch beim Swingtrio Berlin, wenn der Schlagzeuger einen der beiden Schlegel umherwirbelt und mit dem anderen den Takt des Swingtitels schlägt. Da bleibt man stehen, wippt im Rhythmus mit und schaut zu.

Brot und Ziegenbock

Zuschauen kann man auch beim Holzschnitzer Ernst Kraus aus Oberammergau. Er schnitzt einen Ziegenbock aus Lindenholz. Oder bei der Malerin Christina Gaude, die mit Tusche zeichnet. Zum Beispiel den Froschkönig, eine Prinzessin, eine Fee oder einen Drachen. Vielfalt herrscht auf dem Gauklerfest auch in kulinarischer Hinsicht. Ob Scampi oder Flammkuchen, Apfelstrudel oder Knoblauchbrot, Edelgastronomie oder Hausmannskost - für jeden Geschmack ist etwas dabei. Sogar Brot wird gebacken, in einem kleinen Ofen, vor dem Holzscheite aufgeschichtet sind.

Seit mehr als 20 Jahren zieht es die Gaukler im Sommer nach Berlin. An diesem Wochenende bietet das Gauklerfest 2012 zum Abschluss noch einmal ein volles Programm auf mehreren Bühnen, auf dem Marktplatz in der Lounge oder schlicht beim Flanieren über das Gelände.

Das Gauklerfest am Schinkelplatz in Mitte ist geöffnet am Sonnabend und Sonntag 12 bis 23 Uhr. Eintritt drei Euro. Info unter www.gauklerfest.de.