Gartenlust

Projekt Paradies

Gabriella Pape über eine Gartenschau und den kleinen Unterschied

Es war mir eine sehr große Ehre, vor zwei Wochen auf Schloss Neuhardenberg an einer Podiumsdiskussion zur Eröffnung der Ausstellung mit dem Titel 'Projekt Paradies' teilnehmen zu dürfen. Die Ausstellung ist mutig und gibt auf kleinstem Raum einen sehr geschickt dargestellten Überblick über 1000 Jahre Gartenkultur; vom Garten Eden über den Barock- und Renaissancegarten bis hin zum englischen Landschaftsgarten; 1000 Jahre im Zeitraffer und auf einer Fläche von 300 Quadratmetern. Das Anliegen des Kurators Dr. Hans von Trotha war, die unterschiedlichen Interpretationen unserer Kulturzeitalter vom Bild des Paradieses darzustellen. Was ist eigentlich das Paradies, oder wie sah oder sieht es für uns aus. Es gibt nämlich kein konkretes Bild vom Paradies, es gibt lediglich viele bezaubernde Vorstellungen aus vielen Jahrhunderten.

Die Podiumsdiskussion war den Worten von Marcel Proust, "Die wahren Paradiese sind die verlorenen", gewidmet und die diskutierten Fragen lauteten etwa so: "Warum gibt es eigentlich Gärten? Warum macht uns ein Besuch im Garten glücklich? Und warum sind Gärten, ob privat oder öffentlich, zeitgenössisch oder historisch, derzeit so en vogue?" Was mich am meisten überraschte, war, dass die Diskussionsrunde nicht wie sonst bei Gartenthemen von Frauen dominiert wurde, sondern von Männern. Ich hatte sozusagen die üble Aufgabe, mich wegen der Sache mit dem Apfel zu verteidigen, was ich dann geschickt an die Schlange delegieren konnte.

Aber Scherz beiseite, es war mir beim Thema Garten immer schon ein Anliegen herauszufinden, warum Männer und Frauen das Thema Garten so gänzlich anders sehen. Meine Theorie vom Mann als Jäger und Sammler im Gegensatz zur Frau, die das Hegen und Pflegen übernimmt, wurde auch hier absolut bestätigt. Denn meine Mitstreiter in der Diskussionsrunde, alle drei bekannten sich zu ihrer Gartenmeise, der Schauspieler Michael Gwisdek, Berlinale-Chef Dieter Kosslick und Buchautor und Kurator Hans von Trotha, waren für mich sehr klassische Vertreter. Mit hedonistischer Hingabe erzählten Dieter Kosslick und Michael Gwisdek von langen Wochenenden, während der sie mit einer in einem Hamburger Baumarkt erstandenen Motorsäge Herrn Gwisdeks Grundstück von jeglichem Bewuchs befreit hatten, um ein Gefühl für den Ort zu bekommen. Für mich spricht das Bände: Laut muss es sein und vor allem richtig was hermachen. Nichts ist schöner als so ein gefällter Wald, denn dann sieht man endlich, was einem so alles gehört. Wo dieses besagte Grundstück liegt, behalte ich jetzt für mich, damit sich nicht noch Naturschützer melden.

Mir geht es um die Vorgehensweise, denn ich bin mir absolut sicher, das zwei Frauen sich auf dem gleichen Grundstück mit zwei Gartenscheren getroffen hätten, um die Fläche erst einmal nach Erhaltenswertem zu durchforsten und festzustellen, was sich im Unterholz so alles verbirgt. Denn es gibt durchaus hie und da auch in grässlichen Fichtenplantagen etwas ganz Bezauberndes zu entdecken. Dieses Mal-schauen-was-da-kommt im Vergleich zu den oben beschriebenen Wochenend-Massakern, beschreibt zwei völlig konträre Herangehensweisen an das Thema Garten und dennoch haben sie etwas gemeinsam: Sie machen die Suchenden glücklich. Jeden auf seine Weise. Ich genieße bei meinen gartenarchitektonischen Projekten immer wieder diese konträren Einstellungen zu einem Stückchen Land, denn sie sind die ideale Voraussetzung für eine gute Gestaltung. Der eine unterstützt die etwas mehr Mut erfordernde klare Linie und Öffnung des Gartens, und der andere zeigt die Bereitschaft, alles Vorhandene oder Neuangelegte liebevoll zu pflegen. Auch in der Pflege zeigt sich, dass die Herren lieber deutlich sichtbare Werke im Garten verrichten, wie Hecken schneiden und Rasen mähen, also Gartenarbeit. Wohingegen die Damen der Schöpfung eher gärtnern, sprich verblühte Blüten entfernen und in den Beeten jäten.

Die Ausstellung in Neuhardenberg ist noch bis zum 4. November zu sehen.

Gabriella Pape ist Leiterin der Königlichen Gartenakademie in Berlin und schreibt regelmäßig am Sonnabend an dieser Stelle.