Messe

Helden der Computerspiele werden lebendig

Die Young Ifa in Halle 7.2a unterhält junge Menschen mit Show, Wettbewerben und Medienkompetenz

Wünsche. Ein Himmel voller Wünsche, könnte man meinen. Unter der Decke von Halle 7.2a hängen 20 Monitore. Alle zeigen einen blauen Himmel mit weißen Wölkchen, nur durchbrochen von schwarzer Schrift - den Wünschen der Messebesucher. "Ich wünsche mir eine Bulldogge", ist dort zu lesen. "Ich wünsche mir, dass ich wunschlos glücklich bin", formuliert ein anderer Gast in den Messehallen sein persönliches Glück. Eigentlich ist die gesamte Internationale Funkausstellung (Ifa) eine Wunsch- und Traummesse. Breiter, flacher, schneller und schärfer. Viele Wünsche in Sachen Unterhaltungselektronik können erfüllt werden, häufig bleiben sie aber auch unerfüllte Träume. In der Halle 7.2a geht es ausnahmsweise nicht um die Geräte, sondern um den richtigen Umgang mit Internet und Medien, aber auch um Show, Musik und Unterhaltung. In dieser Halle gastiert bis zum kommenden Mittwoch die Young Ifa. Im Auftrag der Messe hat der Verein Music Media Parc ein randvolles Programm zusammengestellt.

"Wir wollen hier auf der Messe den jungen Besuchern Medienkompetenz vermitteln, unterhalten und Berufsorientierung geben", sagt Sabine Quandt, Sprecherin des Vereins. "Alle Aktionen in der Halle sind kostenlos", betont sie. Doch es ist keine leichte Aufgabe, die jüngeren Besucher für Berufe und den richtigen Umgang mit den Medien zu begeistern, wenn in den benachbarten Hallen Smartphone und Co. sowie die neuesten Flachbildschirme locken. "Ich bin eigentlich nur durch Zufall hier in dieser Halle", sagt der 15-jährige Paul Zinnow. "Zuerst gehe ich in die Halle von Samsung. Vielleicht komme ich später wieder."

Japanische Verkleidungskunst

Erst am späten Vormittag füllt sich der Raum vor der Bühne. Mädchen und Jungen lümmeln auf den Sitzblöcken rum, verschicken Mails mit ihren Smartphones und lassen sich lautstark unterhalten. Electro-Trash-Rap mit der Gruppe Heiss & Eis steht auf dem Programm. Was Eltern und Lehrer als nicht jugendfrei einstufen würden, dröhnt laut aus den Boxen und wird auf der Bühne gezeigt. Manche Eltern nehmen ihre Kinder an der Hand und gehen.

Kurz darauf kommen immer mehr verkleidete junge Frauen und Männer in die Halle. An diesem Sonnabend finden die dritten offenen Berliner Meisterschaften im Cosplay statt. Bei diesem japanischen Verkleidungsspiel stellen die Teilnehmer Charaktere aus japanischen Comics, Computerspielen und Filmen möglichst originalgetreu dar. Kunterbunt, schräg und fantasievoll ziehen die kostümierten Darsteller alle Blicke auf sich. Auch japanische Fachbesucher zücken ihre Kameras. "Ich mache zum ersten Mal bei so einem Wettbewerb mit", sagt My Quan Luu und trippelt mit kleinen Schritten wie eine japanische Geisha zurück zu ihren Freunden.

Aber die Verantwortlichen von Music Media Park haben sich noch einiges mehr einfallen lassen. Die Besucher können im Young Ifa Blog im Internet über ihre Erlebnisse schreiben, kostenlose Apps testen und Fotogrüße an einem der zahlreichen Rechner verschicken. "Hier ist es wenigstens nicht so voll wie an den anderen Ständen", sagt Julia aus Steglitz.

Zeitgleich laufen verschiedene Wettbewerbe. "Auf der Ifa werden die neuesten Geräte gezeigt, die das Leben einfacher machen, die Umwelt schonen, gut aussehen und miteinander vernetzt sind", sagt Vereinssprecherin Sabine Quandt. "Wir suchen und prämieren die besten Ideen von Jugendlichen, wie ihr Zuhause in acht Jahren mit Zukunftstechnik aussehen könnte." Dazu sollen die Teilnehmer Zeichnungen, Collagen, Fotos und Videos einsenden. "Ich wünsche mir, dass ich einen Job bekomme", tippt Wunschfee Melanie Staudter auf einen Tablet-PC. Neben ihr steht Mario und hat der jungen Frau seinen Wunsch verraten. Wenig später erscheint der Wunsch des jungen Mannes aus Hellersdorf auf den Monitoren unter der Hallendecke.

"Wir nehmen durchschnittlich 300 Wünsche am Tag auf", sagt die zweite Wunschfee, Sarah Lange. "Bis zum Ende der Messe dürften es dann ungefähr 2000 sein." Im Rahmen der Wunsch-Aktion erhält der Verein Kinderträume e.V. für jeden genannten Wunsch von einem Sponsor einen Euro. Damit sollen Träume lebensbedrohlich erkrankter Kinder erfüllt werden.

Computerspiele als Beruf

Berufswünsche können möglicherweise von der Games Academy erfüllt werden. "Hier an unserem Stand können sich Jugendliche über Berufe in der Computerspielbranche informieren", sagt Ausbildungsberater Marco Dehner. "Es kommen viele junge Leute spontan zu uns, es gab aber bereits einige sehr ernsthafte Kontakte." An der Games Academy geht es um sämtliche Berufe, die mit der Entwicklung und Umsetzung von Computerspielen zu tun haben. "Angelockt" werden interessierte Jugendliche von Spielen, die Studenten aus den vergangenen Semestern realisiert haben. Zusätzlich zu der Standpräsenz in der Halle bietet die Young Ifa Vorträge, Gespräche und Diskussionen zu den verschiedenen Berufsbildern auf der Bühne.

Ihre ersten Schritte in Sachen Medienberufe haben Marie Jahn und Marike Otto bereits gemacht. Die zwei Frauen arbeiten für die Young Ifa als Reporterinnen. "Wir machen täglich ein bis zwei Fernsehbeiträge zu verschiedenen Themen", sagen sie. "Die werden dann im Internet im Young Ifa Blog gezeigt." Dazu gehören Interviews mit den Künstlern, Gespräche mit Gästen und Fachbesuchern. "Wir berichten bis Mittwoch über die Ereignisse aus der Halle 7.2a."

Am Sonntag gibt es Deutsch-Rock und Deutsch-Pop auf der Bühne, der Kinderzirkus Cabuwazi tritt auf, und es gibt Autogrammstunden. Um 15 Uhr wird der Preis des Wettbewerbes "Mein Zuhause 2020" verliehen - alles Ereignisse, die dann von den beiden Nachwuchsreporterinnen in Beiträgen gezeigt werden.

In der mittlerweile vollen Halle meldet sich der Elektro-Trash-Rap lautstark auf der Bühne zurück. Viele Besucher bleiben stehen, andere zieht es in die nächste, laute und übervolle Ausstellungshalle zu den Neuheiten der Unterhaltungselektronik, zu der nächsten Generation der Flachbildschirme oder einfach nur nach draußen in die Sonne. Dort sitzen drei ältere Männer und Frauen mit ihren Stullenpaketen, hart gekochten Eiern und einem Salzstreuer. Typisch Berliner - und offensichtlich wunschlos glücklich.