Religion

Jugendliche setzen ein Zeichen gegen Rassismus

Kundgebung auf dem Schloßplatz im Bezirk Mitte - Solidaritätsaktion am Kurfürstendamm

Avital lebt gern in Berlin. Die 17 Jahre alte Schülerin besucht das Jüdische Gymnasium in Mitte. "Berlin ist eine weltoffene Stadt", sagt sie, das spiegle sich auch in ihrem Freundeskreis wieder. Umso schockierender sei es, dass gerade in dieser Stadt ein Rabbiner von mehreren Jugendlichen verprügelt und verhöhnt worden ist. "Besonders schlimm finde ich, dass seine kleine Tochter dabei war und die Angreifer ihr mit dem Tod gedroht haben", sagt Avital.

Die Jugendliche will diesen Vorfall nicht einfach hinnehmen. Zusammen mit ihren Freunden steht sie deshalb an diesem Sonnabend auf dem Schloßplatz und wirbt für ein friedliches Miteinander aller Menschen, gleich welcher Herkunft oder Religion sie sind. Die Jugendlichen engagieren sich seit zwei Jahren im Projekt "Juga" (jung, gläubig, aktiv), dem Berliner Muslime, Christen, Juden und Bahai angehören. Alle sind zwischen 15 und 25 Jahre alt. Ihr Ziel ist es, die Gesellschaft mitzugestalten. "Wir wollen respektvoll und vorurteilsfrei miteinander leben können", sagt Avital. Schirmherr des Projekts ist Innensenator Frank Henkel (CDU).

Als Basis für das Zusammenleben haben sich die Mitglieder von Juga auf sieben Grundwerte geeinigt: Respekt, Verantwortung, Vergeben, Empathie, Offenheit, Gerechtigkeit und Wissen. Die Begriffe haben sie auf eine Leinwand geschrieben, auf der einige von ihnen lebensgroß abgebildet sind. Berliner und Touristen konnten sich auf dem Schlossplatz vor diesem Plakat fotografieren lassen und damit ihre Übereinstimmung mit den Jugendlichen demonstrieren. Das sei ein Anfang, sagt Avital. "Wir wollen ein Zeichen setzen."

Auch Sara Nurit G. hat am Sonnabend ein Zeichen gesetzt. Sie hat ihre Freunde auf Facebook aufgerufen, sich mit ihr am Kurfürstendamm zu treffen und einen Shabbat-Spaziergang zu machen. "Es ist unmöglich, dass in Deutschland ein Mensch angegriffen wird wegen seiner Religionszugehörigkeit", sagt die Mutter dreier Kinder, die in der jüdischen Gemeinde von Berlin aktiv ist. Mehr als hundert Menschen folgen ihrem Aufruf, darunter viele Männer mit Kippa. Die Gruppe trifft sich um 14 Uhr am Kurfürstendamm, Ecke Fasanenstraße und läuft den Tauentzien entlang Richtung Wittenbergplatz. Mit dabei ist Sabine Stierle, Pastorin der Neuköllner Genezareth-Gemeinde. Sie engagiert sich seit Langem für die christlich-jüdische Zusammenarbeit. "Wir müssen Gesicht zeigen", sagt sie. Auch Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) meldet sich am Sonnabend zu Wort und verurteilt den Übergriff auf den Rabbiner. "Solche Angriffe auf den Wert der Toleranz dürfen uns und die jüdische Gemeinde nicht einschüchtern", sagt Friedrich.