Meine Woche

Es darf gefeiert werden

Gilbert Schomaker über den Geburtstag der Stadt

Endlich ist es so weit. Es darf in Berlin gefeiert werden. Ja, Sie haben richtig gelesen. Es darf gefeiert werden. Nein, nicht der neue Flughafen öffnet. Auf dieses Fest müssen wir wohl noch einige Zeit warten. Was es zu feiern gibt? Berlin hat Geburtstag. 775 Jahre alt wird die Stadt.

Im Nikolaiviertel gibt es an diesem Wochenende große Feiern in historischen Kostümen, die Historiale. Und auch der auf den Boden geklebte Stadtplan am Schloßplatz ist nun begehbar. Berlin im Maßstab 1:755. Für alle Bayern: Hier könnt ihr die Stadt mit Füßen treten. Für alle anderen: Hier ist Berlin mit seinen unterschiedlichsten Facetten erlebbar - auf einigen Quadratmetern. Und wer dann noch Lust auf eine historische Schnitzeljagd hat, bitte sehr: immer auf den Boden schauen und den Sprüchen im Nikolaiviertel folgen. Bodenhaftung ist gar nicht so schlecht in dieser Stadt, in der doch einige immer wieder zu schnell abheben wollen.

Wieso sollte die Stadt auch nicht ihren Geburtstag feiern dürfen. Eine Stadt, die immer jung bleibt, sich immer neu erfindet. Oder anders: immer im Werden ist und niemals wird. (Was man hoffentlich nicht vom Großflughafen unweit der Tore Berlins sagen wird.)

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit hat diese Woche klare Worte gefunden. Beim SPD-Fraktionsfest am Reichstag sagte er, dass nun endlich mal Schluss sein sollte mit den negativen Berichten über die Pleite im märkischen Sand. "Der Flughafen ist eine Erfolgsgeschichte", sagte Wowereit. Wirklich. Und wer das Projekt ständig schlechtrede, der schade Berlin. Also reden wir an dieser Stelle lieber nicht mehr über den Würfel für vier Milliarden Euro mit angeschlossenen Landebahnen und nicht funktionierender Brandschutzanlage.

Wenden wir uns lieber der Zukunft zu, zum Beispiel der Frage der nächsten Wochen: Wer darf für den Bundestag kandidieren? In den großen Parteien, CDU und SPD, ist das Gerangel in vollem Gange. In Wowereits Partei, der SPD, wollen viele Frauen ins höchste deutsche Parlament. An diesem Wochenende will sich beispielsweise die bisherige Bundestagsabgeordnete für Schöneberg, Mechthild Rawert, erneut erklären. In Charlottenburg-Wilmersdorf könnte Ülker Radziwill antreten. In Marzahn-Hellersdorf will Iris Spranger, in Mitte Eva Högl ins Rennen gehen. Bei der CDU sind die Frauen dagegen bisher eher in der deutlichen Minderheit. Lediglich die Vorsitzende des Bundestagskulturausschusses, Monika Grütters, gilt als gesetzt. Ansonsten dominieren in den Wahlkreisen und wohl auch auf der Liste die Männer.

Übrigens: Die eigentliche Geburtstagsparty für Berlin soll am 28. Oktober, dem Tag der ersten urkundlichen Erwähnung, gefeiert werden. Mit einem großen Straßentheaterfest und Feuerzauber wieder im Nikolaiviertel. Bis dahin sind sicherlich die Rangeleien um die Bundestagsplätze befriedet, und der Eröffnungstermin des Flughafens steht fest. Und wenn nicht? Dann wird trotzdem gefeiert.

Gilbert Schomaker leitet gemeinsam mit Christine Richter die Lokalredaktion. Nächsten Sonntag schreibt Christine Richter über ihre Woche in Berlin.