Marzahn

Schwerverbrecher aus Sachsen-Anhalt in Berlin gefasst

Spezialkräfte der Polizei haben den vor zehn Tagen in Aschersleben in Sachsen-Anhalt geflüchteten Schwerverbrecher am Freitag in einem Auto in Marzahn gestellt.

Die Festnahme des 36-Jährigen erfolgte nach mehrtägiger Observation einer Wohnung, wie Polizei und Landeskriminalamt am Sonnabend in Magdeburg mitteilten. Die Fahnder waren dem wegen Vergewaltigung und Raubes verurteilten Mann Anfang der Woche über ein Auto auf die Schliche gekommen. Ab wann er mit dem Auto unterwegs war, werde noch ermittelt. Fest stehe, dass es ihm von einem Helfer aus dem Ostharz beschafft wurde. Der Mann wurde ebenfalls festgenommen.

Dem als besonders gewalttätig eingestuften Häftling aus dem Hochsicherheitsgefängnis Burg bei Magdeburg war am 14. August eine spektakuläre Flucht gelungen. Er trickste bei einem erlaubten Besuch seines sechs Jahre alten Sohnes in Aschersleben seine beiden Bewacher aus, schloss sie in der Wohnung ein und flüchtete. Die Polizei geht nach eigenen Angaben von einer geplanten Flucht aus. Der 36-Jährige ist zu einer Haft bis 2024 und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Bei seiner Festnahme habe er keinen Widerstand geleistet.

In Berlin habe der Kriminelle unabsichtlich Hilfe von einer Familie bekommen. "Er lernte die Frau in einem Chat kennen", sagte der Leiter des Führungsstabs im LKA, Detlef Golz. Mit ihr und drei Kindern habe er in deren Wohnung in Marzahn gelebt. Die Beamten bekräftigten, dass die Familie nichts von der Flucht und der Fahndung gewusst hat. "Sie wussten nichts", sagte Golz. "Daran besteht kein Zweifel." Aufgrund der Wohnsituation mit drei Kindern sei aber kein Zugriff der Beamten in der Wohnung erfolgt.

Laut Golz seien die ersten Worte des Schwerverbrechers nach der Festnahme gewesen: "Ich hätte nicht geglaubt, dass ihr mich so schnell findet." Auf der Fahrt ins Berliner Gewahrsam sei der Schwerverbrecher sogar eingeschlafen, sagte Karl-Albert Grewe von der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Nord. Sein vorerst letzter "Ausflug" dürfte nun von dort in die Justizvollzugsanstalt gehen.