Bildung

Ein Gesundheitsbeauftragter für Kinder

Detlef Kolbow will vor Einschulung auch seelische Störungen untersuchen

Das Land Berlin möchte mehr vorbeugende Arbeit für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen leisten. Die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales hat deshalb erstmals einen Beauftragten für "Fragen des gesundheitlichen Kinder- und Jugendschutzes" berufen. Detlef Kolbow (49) wird ab sofort nicht nur im Hause von Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) alle Vorgänge rund um das Thema Kindeswohl koordinieren, sondern auch die Federführung der am 13. August gegründeten Berliner Initiative gegen sexuelle Gewalt übernehmen. Und er wird Ansprechpartner für alle Beteiligten am Netzwerk Kinderschutz sein, von freien Trägern bis zur Charité, bei der die zentrale Stelle für die Früherkennungsuntersuchungen von Neugeborenen angesiedelt ist.

"Kinder in Deutschland waren noch nie so gesund wie heute. Aber das gilt eben leider nicht für alle Kinder", begründete Gesundheitsstaatssekretärin Emine Demirbüken-Wegner am Freitag die Schaffung der Stelle. Nach Angaben der Staatssekretärin leidet jedes zweite Berliner Kind im Vorschulalter unter Karies, jedes fünfte hat psychische Störungen, jedes zehnte Kind ist übergewichtig. Detlef Kolbow ist angetreten, um diese Zahlen zu verbessern.

Der Wirtschaftsjurist arbeitet bereits seit 2007 in der Senatsgesundheitsverwaltung. Er hat die Ausführungsvorschriften für die Kinder- und Jugendgesundheitsdienste (KJGD) zum Netzwerk Kinderschutz erarbeitet und für den Senat ein Internetportal zum Thema Kindergesundheit erstellt. "Ich habe die Vision, Kinder durch positive Lebensführung vor gesundheitlichem Schaden zu schützen", sagt Kolbow. Er hat sich vorgenommen, zusätzliche Präventionsmaßnahmen bei den Themen Zahnprophylaxe, Ernährung und seelische Gesundheit schon bei kleineren Kindern zu entwickeln. Vielen Eltern sei nicht bewusst, wie wichtig diese Bereiche für die weitere Entwicklung der Kinder seien, betonte der Vater eines erwachsenen Sohnes.

Die Senatsgesundheitsverwaltung plant, Tests zu seelischen Erkrankungen zum Bestandteil der Einschulungsuntersuchungen zu machen. Derzeit werde in ihrer Verwaltung ein Fragenkatalog erarbeitet, sagte Staatssekretärin Demirbüken-Wegner. "Es gibt ja zur Erkennung von seelischen Störungen noch keine Instrumente". Bis zum Jahresende sollen erste Ergebnisse vorliegen.