Berliner helfen

Neue Freundschaften statt Einsamkeit im Alter

Berliner helfen e.V. finanziert den Fahrdienst für Ausflüge und Veranstaltungen des Vereins "Freunde alter Menschen"

Foto: Anne Bieberstein

"Früher musste ich, sobald das schöne Wetter losging, immer draußen unterwegs sein.", sagt Irmgard Bielke. "Mit meiner Tochter Gabriele und meinem Mann Herbert bin ich an heißen Tagen zum Wannsee gefahren und solange es noch möglich war, sind wir an den Müggelsee." Heute ist Irmgard mit ihren 78 Jahren nicht mehr so beweglich, aber immer noch gern an der frischen Luft. Doch allein solche Ausflüge zu unternehmen wäre kaum möglich. Vor zwei Jahren kam die 78-jährige zu dem Verein "Freunde alter Menschen". Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Einsamkeit im Alter zu bekämpfen. "Unser Ziel ist es, dass alte, einsame Menschen wieder ins Leben zurückfinden und Lebensfreude verspüren. Wir konzentrieren uns in unserer Arbeit besonders auf hochbetagte Menschen, die oft nicht mehr so mobil sind.", sagt Klaus Pawletko, Geschäftsführer des Vereins.

So wie Irmgard Bielke. Zu Hause fiel ihr die Decke auf den Kopf. Sie war die Übriggebliebene ihrer Kleinfamilie. Ihr Mann Herbert war bereits vor siebzehn Jahren verstorben. 2009 starb überraschend ihre Tochter Gabriele, danach fühlte sie sich einsam.

Irmgard Bielke ist eine von über einhundert alten Menschen, die durch die "Freunde alter Menschen" in Berlin betreut werden. Im Rahmen von Besuchspatenschaften besuchen Freiwillige regelmäßig einen alten Menschen Zuhause oder in einem Pflegeheim. Gemeinsam werden die kleinen, aber wichtigen Dinge des Alltags besprochen und bewältigt. "Damit tragen wir dazu bei, dass unsere alten Freunde ihre Unabhängigkeit so lange wie möglich bewahren können", sagt Anne Bieberstein vom Verein Freunde alter Menschen.

Dazu werden vielfältige Aktivitäten angeboten und Veranstaltungen organisiert wie Erzählcafé, Bingo oder Kochrunde. "Im Sommer bieten wir verstärkt Ausflüge an, damit auch alte Menschen den Sommer genießen können. Wir veranstalten eine Grillparty, gehen in den Zoo oder besuchen den Britzer Garten.", erzählt Klaus Pawletko. Auch Irmgard Bielke war dabei, als es im Frühsommer in den Britzer Garten ging. "Die Pfingstrosen und das frisch gemähtes Gras - das ist mein Duft des Sommers. Der Ausflug hat mich daran erinnert.", sagt die alte Dame. Gemeinsam hat sie dort mit anderen Alten Freunden und Freiwilligen einen sommerlichen Tag verbracht. Ein solcher Ausflug muss gut organisiert werden. Denn viele alte Menschen sind nicht mehr so mobil und brauchen Hilfe, wenn sie ihre Wohnung verlassen möchten. Deshalb gibt es einen speziellen Fahrdienst, der die alten Menschen abholt und wieder nach Hause bringt. Der Fahrdienst ist für die Arbeit des Vereins unerlässlich. Ohne diesen ihn könnten die Veranstaltungen und Ausflüge nicht durchgeführt werden. Finanziert wird der Fahrdienst seit drei Jahren von Berliner Helfen.

Der Verein "Freunde alter Menschen" engagiert sich seit 1991 in Berlin gegen die Einsamkeit und Isolation von hochbetagten Menschen. Er hat sich auch im Bereich der Demenz-Wohngemeinschaften einen Namen gemacht und 1995 die erste WG für Menschen mit Demenz in Deutschland organisiert.

Neben der finanziellen Unterstützung ist der Verein vor allem auf ehrenamtliches Engagement angewiesen. "Wir sind eine Freiwilligenorganisation und unsere Arbeit können wir nur gemeinsam mit unseren vielen Freiwilligen realisieren machen.", betont Geschäftsführer Pawletko.

Mehran Fatehi ist eine der vielen Freiwilligen. Sie engagiert sich seit vierzehn Jahren bei den Freunden alter Menschen ehrenamtlich. "Ich finde den Kontakt zwischen jung und alt wichtig. Alte Menschen sind Teil unserer Gesellschaft. Der Verein Freunde alter Menschen fördert diesen Kontakt, " sagt sie.

Hochbetagte Menschen, die sich einsam fühlen, können sich bei den Freunden alter Menschen melden. Koordinatorin Ursula Heine nimmt sich Zeit und klärt im ausführlichen Gespräch, welche Angebote passen. Tel. 030/691 18 83.

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