Stadtplanung

Neben Günther Jauch arbeiten

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Brigitte Schmiemann

Auf dem Euref-Campus in Schöneberg entstehen jetzt neue Büros mit nachhaltiger Technik

Die Zukunft hat in Schöneberg bereits begonnen. Auf dem Campus des Europäischen Energieforums (Euref) ist am Mittwoch Richtfest für den ersten Neubau gefeiert worden. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU), einer der 370 Gäste, lobte Euref-Chef Reinhard Müller: "Sie kommen doch wesentlich schneller voran als so mancher Flughafen." Mit Energieeffizienz könnten Milliardenbeträge gespart werden. Die Energiewende sei zukunftsentscheidend: "Was dabei herauskommt, wenn kreative Wissenschaftler auf mutige Unternehmen treffen, kann man auf dem Euref-Gelände besichtigen. Hier sind Visionen für die Stadt von morgen schon heute Realität", sagte Altmaier.

Die Vision, auf dem alten Gasometer-Gelände die Stadt von morgen zu bauen, habe in Berlin zunächst große Skepsis ausgelöst, erinnerte sich Architekt und Euref-Vorstands-Chef Müller. Auch in der Nachbarschaft. Da habe ihm dann das Motto aus dem 14. Jahrhundert von Katharina von Siena geholfen: Nicht der Beginn wird belohnt, sondern einzig und allein das Durchhalten. Die Berliner Morgenpost erklärt, wie das Gebäudeensemble auf dem Campus bis 2018 aussehen soll.

1. Schon Ende des Jahres sollen die ersten Mieter in den Neubau einziehen. 35 Meter hoch ist er, 32 Millionen Euro kostet er. Hauptmieter des zehngeschossigen Baus wird der französische Energie-Spezialist Schneider Electric sein, der Niederlassungen in mehr als 100 Ländern und 130.000 Mitarbeiter weltweit hat. Wie auch bei den weiteren noch geplanten Neubauten werden gesundheits- und umweltverträgliche Baustoffe verwendet sowie eine hochmoderne Gebäudetechnik installiert. Die Firma Arcadis (Hauptsitz Frankfurt am Main) zieht mit 100 Mitarbeitern ins neue Gebäude: "Das Euref-Gelände ist ein superinteressanter Standort, der Themen wie Nachhaltigkeit, energetische Sanierung und Gebäudemanagement vereint. Das sind auch unsere Bereiche", so Thomas Mücklich, Leiter des Bereichs Immobilien-Nord.

2. Deutschlandweite Berühmtheit hat der Gasometer durch Günther Jauch erlangt, der aus dem Industriedenkmal an der Torgauer Straße jeden Sonntag seine ARD-Talkshow live ausstrahlt. Im Innern des Gasometers soll langfristig zwar ein gläsernes Bürogebäude entstehen. Reinhard Müller schließt aber nicht aus, den unteren Teil weiter als eine Art Veranstaltungsbereich einzurichten, der auch als Studio genutzt werden kann, falls das gewünscht werden sollte. Die Büros könnten dann darüber entstehen.

3. Kritiker hatten es als spinnerte Idee abgetan, doch jetzt ist es Realität: Mitte Oktober startet das der Technischen Universität angegliederte Institut mit den drei Masterstudiengängen, in denen beispielsweise Architekten, Bau- oder Wirtschaftsingenieure sich in Zukunftsfragen wie "Stadt und Energie" oder "Energieeffizientes Bauen und Betreiben von Gebäuden" weiterbilden. Der zweijährige Masterstudiengang kostet 20.000 Euro. Es gibt 50 Anfragen und 10 Anmeldungen. 90 Plätze insgesamt. Gelernt wird im denkmalgeschützten Wasserturm, dessen Sanierung 3,5 Millionen Euro gekostet hat.

4. Im sanierten Messelbau haben Firmen wie innoZ, das Analysen und Prognosen im Bereich neuer Mobilitätsangebote erstellt, und auch das Bauunternehmen Köster ihren Sitz, ebenfalls "climate-Kic", das wirtschaftlich und ökologisch nachhaltige Technologien fördert.

5. Als nächster Neubau ist dieses Gebäude auf dem Gelände geplant.

6. Ebenfalls projektiert: Bis 2014 sollen in diesem gläsernen Turm 7000 Quadratmeter Geschossfläche entstehen.

7. Die denkmalgeschützte sanierte Schmiede wird als Restaurant sowie als Konferenz- und Besprechungsraum für bis zu 200 Gäste genutzt.

8. Langfristig soll auf dem Areal am S-Bahnhof Schöneberg auch ein Hotel entstehen. Ebenso wie die anderen Gebäude soll die Energieversorgung mit Strom und Wärme CO2-neutral sein - dank der auf dem Areal genutzten Fotovoltaik- und Windkraftanlagen sowie des Biogas-Blockheizkraftwerks.

9. Diese Büroneu- und möglicherweise auch Umbauten sind bis 2018 geplant. Auch ein kleiner Anteil Wohnen soll möglich werden. Rund 1100 Menschen, so die Planungen, werden Ende 2012 auf dem Euref-Gelände arbeiten, 2018, wenn insgesamt rund 20 Gebäude errichtet oder saniert sind, sollen es dann 5000 sein.