Stadtplanung

Baubehörde setzt auf alternative Wohnprojekte

Staatssekretär Gothe sucht Wege aus der Wohnungsnot

Neue Wege aus der sich abzeichnenden Wohnungsnot in Berlin zu finden, ist eine der Hauptaufgaben, die sich der Senat ins Regierungsprogramm geschrieben hat. Angesichts des begrenzten Budgets, das dafür zur Verfügung steht, ist Baustaatssekretär Ephraim Gothe (SPD) deshalb bemüht, auch unkonventionelle Wege zu gehen. Einen solchen stellte Gothe jetzt an der Malmöer Straße 29 in Prenzlauer Berg vor. Auf einem ehemaligen Garagenhof, zwischen den Gleisen der S-Bahn und einem Recyclinghof der BSR, hat eine Gruppe von 20 jungen Leuten mit begrenzten finanziellen Mitteln sich ein Haus gebaut. "Das Hauskonzept ist zukunftsweisend", lobte Staatssekretär Gothe.

Neues Finanzierungskonzept

Das Zukunftsweisende des Projektes ohne öffentliche Förderung liegt in der Art der Finanzierung und der langfristigen Sicherung als günstiger Mietwohnraum. Das Haus wird dabei betreut vom "Mietshäuser Syndikat" (MHS), das in den 90er-Jahren aus der Legalisierung besetzter Häuser in Freiburg hervorging. Die Idee dahinter: Alle Bewohner gründen eine GmbH, der das Haus gehört und der als Gesellschafter das MHS beitritt. Das Syndikat hilft dabei, Direktkredite und Bürgschaften von Unterstützern und Initiativen, KfW-Kredite für energieeffizientes Bauen und ein Darlehen der GLS Gemeinschaftsbank zu organisieren.

Zudem sorgt die MHS über ihre Gesellschafterfunktion dafür, dass das Haus weder verkauft noch in individuelles Eigentum umgewandelt werden darf. Jedes Haus zahlt zudem später, wenn ein Großteil der Darlehen getilgt ist, in eine Solidarkasse, mit der neue Hausprojekte unterstützt werden. In Berlin und Brandenburg gibt es nach Auskunft des MHS-Betreuers Bernhard Hummel ein Dutzend Projekte, die nach diesem Projekt realisiert wurden, bundesweit sind es etwa 60. Weitere, etwa an der Sophienstraße in Lichtenberg, sind in Vorbereitung.

"Wir sind ein Neubauprojekt, aber keine Baugruppe", betonte Lukas Fuchs. Die Unterscheidung ist dem 27-Jährigen, der wie seine Mitgesellschafter Ende des Monats in den Neubau einziehen will, wichtig. Hier entstehe kein Projekt für "reiche Yuppies". Für den Bau des Hauses musste die Hausgemeinschaft dennoch viel Geld aufbringen. So kostete das 900 Quadratmeter große Baugrundstück 250.000 Euro, der Bau des Hauses weitere 750.000 Euro. "Allerdings sind die Baukosten mit 985 Euro pro Quadratmeter sehr günstig", so der Architekt des Hauses, Oliver Clemens. Herkömmliche Bauprojekte in Berlin seien meist doppelt- bis dreifach so teuer. Vor allem die günstigen Kredite sorgten dafür, dass die Mieten, die die Gesellschafter zahlen, in den ersten vier Jahren bei 5,92 Euro und bis 2020 fest bei 7,20 Euro pro Quadratmeter liegen.

Der Senat wolle sich nicht aus der Verantwortung stehlen, so Gothe nach der Hausbesichtigung. Jedoch hoffe er, dass das "bemerkenswerte Modell" Nachahmer finde. Angesichts der demografischen Entwicklung sei klar, dass allein mit staatlichen Interventionen der steigende Wohnungsbedarf kaum zu decken sei.