Verkehrssicherheitsbericht

Fahrradfahrer leben in Berlin gefährlich

Viele Unfälle passieren, wenn Radfahrer in der falschen Richtung unterwegs sind

Ein Holzkreuz vor einem weiß lackierten Fahrrad erinnert auf dem Mittelstreifen der Holzmarktstraße in der Nähe des Ostbahnhofs in Friedrichshain an einen jungen Radfahrer, der im September vergangenen Jahres an dieser Stelle tödlich verunglückte. Der Name "Jacob" steht auf dem Kreuz sowie die Daten seines nur 23 Jahre kurzen Lebens: "26.10.1987 bis 30.09.2011". Der 23-Jährige war einer von elf Radfahrern, die im vergangenen Jahr auf Berlins Straßen bei Unfällen starben.

Nach wie vor besteht für Fußgänger, Radfahrer sowie Roller- und Motorradfahrer das größte Risiko, im Berliner Straßenverkehr getötet zu werden. Das geht aus dem Verkehrssicherheitsbericht hervor, den die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung jetzt vorgelegt hat. Von den 54 Verkehrstoten im vergangenen Jahr waren demnach 40 Menschen zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs (29 Fußgänger, elf Fahrradfahrer sowie elf motorisierte Zweiradfahrer). Besonders bei Schwerverletzten dominieren dagegen die Fahrradfahrer: Knapp ein Drittel der insgesamt 2000 Schwerverletzten im vergangenen Jahr waren Berliner Radfahrer (29 Prozent). Fußgänger stellen mit 26 Prozent gleich dahinter die zweitgrößte Gruppe.

Im Verkehrssicherheitsbericht sind auch die häufigsten Unfallursachen erfasst. Laut Studie machen Fußgänger die meisten Fehler beim Überqueren von Straßen. Das Fehlverhalten, das vor allem Kinder immer wieder zum Verhängnis wird, ist das Betreten der Fahrbahn hinter Sichthindernissen wie beispielsweise parkenden Fahrzeugen. Besonders Kinder im Alter unter zehn Jahren gelten hier als gefährdet. Fahrradfahrer dagegen sind oft als "Geisterfahrer" unterwegs, benutzen Radwege in falscher Richtung und sind unachtsam beim Einfahren in den fließenden Verkehr an Kreuzungen, Einmündungen und Grundstückszufahrten. Auto- und Motorradfahrer halten dagegen meist zu geringen Abstand und machen Fehler an Kreuzungen, Einmündungen und Grundstückszufahrten beim Abbiegen, Einbiegen und Kreuzen. Ältere Autofahrer ab 74 Jahre sind bei Unfällen, die beim Linksabbiegen verursacht wurden, besonders häufig vertreten. Zu schnelles Fahren ist meist die Ursache für Unfälle, in die Autofahrern und motorisierte Zweiradfahrer verwickelt sind.

Die hohen Unfallzahlen bei Radfahrern seien allerdings kein Hinweis darauf, dass diese Verkehrsteilnehmer sich zunehmend nicht mehr an Verkehrsregeln halten, heißt es im Verkehrssicherheitsbericht. Vielmehr seien die gestiegenen Unfallzahlen dem starken Wachstum im Radverkehr geschuldet. Denn der ist allein schon zwischen 1998 und 2008 um 30 Prozent gestiegen. Neuere Daten gibt es nicht, Verkehrsexperten gehen jedoch davon aus, dass die Zahl der Radfahrer in Berlin in den vergangenen vier Jahren weiter deutlich angestiegen ist.

Der Verkehrsbericht wird bereits zum vierten Mal durch das Berliner Forum für Sicherheit, in dem 27 Institutionen vertreten sind, vorgelegt. Der detaillierte Bericht kann im Internet unter der Adresse www.stadtentwicklung.berlin.de heruntergeladen werden. Stichwort: Verkehrssicherheitsbericht2012