Architektur

Seil-Stunts und Akrobatik in der Neuköllner Gropiusstadt

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Ingo Rössling

Berlins älteste Trabantenstadt wird 50 Jahre alt

Willy Brandt legte den Grundstein. Berlins älteste Trabantenstadt feiert in diesem Jahr ihr 50. Gründungsjubiläum. Die Gropiusstadt in der südlichsten Ecke des früheren West-Berlins wurde eine Architektur-Ikone der Moderne und zur Heimat von 35.000 Menschen. Der Höhepunkt der Feierlichkeiten unter dem Motto "Ein Stadtteil blickt in die Zukunft" konzentriert sich auf Sonnabend, 25. August, obwohl sich die Grundsteinlegung durch den damaligen Regierenden Bürgermeister Brandt und den Architekten Walter Gropius erst am 7. November zum 50. Mal jährt. Das gesamte Festprogramm wurde am Donnerstag von den Veranstaltern - Wohnungsunternehmen, Bezirksamt, Quartiersmanagement, Kultureinrichtungen - vorgestellt. Publikumsmagnet soll am 25. August das mit 90,85 Metern höchste Wohnhaus Berlins an der Fritz-Erler-Allee 120 sein. Um 15 Uhr beginnt die spektakuläre Fassadenperformance "Höhenflüge". Mit einer Sinfonie aus Flugakrobatik, Lichtinstallation und Sounddesign wird der 31-stöckige Wolkenkratzer bis 23 Uhr zur Kulisse für Zukunftsvisionen und Seil-Stunts, deren Akteure schon bei Dreharbeiten zu Harry Potter dabei waren.

Auf dem Wildmeisterdamm entsteht eine 400 Meter lange Kaffeetafel, flaniert von Marktständen und Bühnen für Kulturprogramme. Bereits am morgigen Sonnabend heißt es von 15 bis 21 Uhr beim großen Familienfest: "Wir fliegen auf die Gropiusstadt". Studenten der Technischen Universität entwickeln Ideen für eine ökologische, soziale und städtebauliche Umgestaltung der Großsiedlung. Dazu wird die "Akademie einer neuen Gropiusstadt" gegründet. Sie stellt sich bis zum 25. August im ehemaligen Edeka-Markt an der Lipschitzallee 68a vor. Ihre Tätigkeit soll bis zur Internationalen Bauausstellung Berlin 2020 fortgesetzt werden.

Sanierung gestartet

Das Wohnungsunternehmen Degewo, unter dessen Dächern rund ein Drittel der Gropiusstädter leben, hat zum Jubiläum eine großangelegte Sanierung gestartet und weitere Vorhaben angekündigt. Vorstand Frank Bielka sagte: "Wir sind auf gutem Wege, damit bis zum Jahr 2016 die Hälfte unserer rund 4500 Wohnungen in der südlichen Gropiusstadt modernisiert ist." Mehr als 1250 wurden bereits energetisch saniert. Etwa 92 Millionen Euro werden vorerst investiert. Das Geld fließt auch in die Rekonstruktion von Grünanlagen nach Originalplänen. Die Degewo will in der Großsiedlung nach langer Zeit wieder neue Wohnhäuser bauen. Drei namhafte Architekturbüros arbeiten laut Bielka schon an Plänen. Er geht von bis zu 400 neuen Wohnungen aus. Die ersten Bauten sollen ab 2014 am Zwickauer Damm entstehen. Vorbereitet wird von der Degewo eine große Ausstellung über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Gropiusstadt. Sie soll vom 23. Oktober bis 25. November in der Forum Factory an der Besselstraße in Kreuzberg zu sehen sein.

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