Ermittlungen

53-Jähriger für Explosion verantwortlich

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass das schwer verletzte Opfer die Gastherme manipuliert hat

Weggesprengte Außenwände, Risse in der Fassade und von der mächtigen Detonation herausgerissene Fenster: Einen Tag nach der Gasexplosion an der Straße Alt-Friedrichsfelde 126 ist das ganze Ausmaß der schweren Explosion noch zu sehen. Sämtliche Bewohner des betroffenen Hauses und des Nachbargebäudes haben in einem Hotel eine vorübergehende Unterkunft gefunden. Praktisch von einer Sekunde auf die andere obdachlos geworden, aber glücklicherweise unverletzt, wurden etwa 20 Mieter noch am Sonntag im Hotel am Tierpark einquartiert. Obwohl das gesamte Mauerwerk von zwei Außenwänden und Teile der Dachkonstruktion in die Tiefe stürzten, wurde außerhalb der Wohnung, in der sich das Unglück ereignete, niemand verletzt.

Brüche und Verbrennungen

Das einzige Opfer der Gasexplosion, das von den Trümmern verschüttet und von der Feuerwehr schwer verletzt geborgen werden konnte, liegt im Unfallkrankenhaus in Marzahn (UKB). Vor dem Krankenzimmer wacht ein Polizeibeamter. Denn nach den vorliegenden Erkenntnissen der Polizei soll der 53 Jahre alte Wilfried K. das Inferno am Sonntag selbst ausgelöst haben. Offenbar hatte der Mann die Heizungstherme in der Wohnung im dritten Obergeschoss manipuliert. Ob mit Vorsatz oder versehentlich, müssen die weiteren Ermittlungen ergeben. Fakt ist, dass Wilfried K. das vorsätzliche Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion vorgeworfen wird, bestätigte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. Ein entsprechender Haftbefehl sollte noch am Montag symbolisch von einem Richter verkündet werden. Symbolisch deshalb, weil der Beschuldigte wegen seiner zahlreichen schweren Verletzungen nicht vernehmungsfähig ist.

"Der Patient hat Verbrennungen am Arm und an der Brust, außerdem mehrere Knochenbrüche, darunter am Becken und im Gesicht", sagte UKB-Sprecherin Angelika Kijewski am Montag. 20 Prozent eines Arm und der Brust sollen Verbrennungen der Haut aufweisen, der Gesamtzustand des Patienten konnte stabilisiert werden. Noch aber können die Ärzte keine Entwarnung geben. Denn es besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko aufgrund der großflächigen Verbrennungen, so die Sprecherin weiter.

Wie die Berliner Morgenpost von Anwohnern erfahren hat, soll Wilfried K. in dem Wohnhaus häufiger Hausmeisterdienste verrichtet haben. Am Sonntagnachmittag soll er sich nach polizeilichen Erkenntnissen an der Zuleitung der Heizungstherme zu schaffen gemacht haben. Um 15.19 Uhr erschütterte eine gewaltige Gasexplosion das Haus und tauchte den Gebäudekomplex in eine riesige Staubwolke. Mauersteine und Teile eines Schornsteins stürzten in den Innenhof, wo sich häufig spielende Kinder aufhalten. Glücklicherweise nicht um Zeitpunkt der Detonation. Ermittler schließen nicht aus, dass der mutmaßliche Verursacher darauf geachtet haben könnte, dass der Hof menschenleer ist. Selbst einen möglicherweise beabsichtigten Suizid kann die Polizei zum jetzigen Zeitpunkt als Tathintergrund nicht ausschließen.

Rettung nach 30 Minuten

Der 53-Jährige wurde vermisst, konnte jedoch schnell von den eintreffenden Mitgliedern der Höhenrettung der Feuerwehr in der Unglückswohnung geortet werden. Keine 30 Minuten später hatten die Einsatzkräfte Wilfried K. geborgen. Nach einer Erstversorgung durch Sanitäter wurde K. ins Unfallkrankenhaus gebracht.

Wie das Bauaufsichtsamt des Bezirks Lichtenberg am Montag bei einer Begehung feststellte, ist außer dem Seitenflügel der Hausnummer 126 auch der Seitenflügel der angrenzenden Hausnummer 125 beschädigt, jedoch hauptsächlich im Dachbereich. Als derzeit unbewohnbar wurden von Bauaufsichts- und Wohnungsamt Lichtenberg die Wohnungen im Vorderhaus der Nummer 126 sowie in beiden Seitenflügeln der Nummer 125 erklärt. Die Behörde sperrte diese Trakte. Außerdem wurde der Zutritt für die beiden Hinterhöfe wegen der Gefahr herab fallender Trümmer untersagt. Ferner teilte Lichtenbergs Stadtrat für Stadtentwicklung, Wilfried Nünthel (CDU) mit, dass voraussichtlich am Mittwoch gemeinsam mit der Hausverwaltung über die mögliche Freigabe einzelner Wohnungen entschieden werden soll.

Sozialstadträtin Kerstin Beurich (SPD) kündigte an, dass die Unterbringung der Betroffenen im Hotel nur vorläufig ist. Die weitere Unterbringung in Ersatzwohnungen befinde sich momentan noch im Klärungsprozess. Wie diese Zeitung erfuhr, war Wilfried K. der einzige Mieter im zerstörten Seitenflügel. Mehrere Roma-Familien sollen bereits etliche Wochen zuvor wegen geplanter Sanierungsarbeiten aus den Gebäudeteil ausgezogen sein.