Statistik

Deutlich weniger Brandstiftungen an Autos

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Peter Oldenburger

Die Polizei erklärt die positive Entwicklung mit der Festnahme einiger Serientäter

Nach wie vor brennen nachts in Berlin immer wieder Autos, doch die Tendenz ist im Vergleich zum vergangenen Jahr klar rückläufig. Die Polizei führt dies auf die Fahndungserfolge zurück, die im zweiten Halbjahr 2011 dank personalintensiver Sondereinsätze gelungen sind. Besonders die Anzahl der offensichtlich politisch motivierten Brandstiftungen hat im laufenden Jahr deutlich nachgelassen.

Von Januar bis Ende Juli 2012 hat die Polizei 131 Fälle von Autobrandstiftungen registriert, dabei seien insgesamt 154 Fahrzeuge direkt angezündet worden. Weitere 54 sind durch die Brandstiftungen beschädigt worden. Damit liegt die Häufigkeit der Brandstiftungen nach Polizeiangaben derzeit auf einem ähnlichen Niveau wie im Jahr 2010, als im Jahresverlauf 250 Autos von Brandstiftern direkt angezündet worden waren.

Der Anteil der politisch motivierten Taten liegt indes bei unter 15 Prozent. Wie ein Polizeisprecher am Sonntag sagte, wird in diesem Jahr bei gerade einmal 15 Brandstiftungen mit 29 direkt attackierten Autos ein politischer Tathintergrund vermutet. Hinter der Mehrheit der Taten stünden Versicherungsbetrug, private Racheakte oder Brandstiftungen zur Verdeckung von Straftaten. So etwa, wenn zuvor gestohlene Autos als Fluchtfahrzeuge nach Überfällen genutzt wurden und die Täter anschließend Spuren vernichten wollen.

Hinzu kommen laut Polizei spontane Vandalismustaten sowie Anschläge von notorischen Brandstiftern. Noch im vergangenen Jahr hatten in Berlin mehr Autos denn je gebrannt. 403 Brandstiftungen mit 537 direkt angegriffenen Autos bedeuteten einen traurigen Rekord. Besonders zwischen Mai und August hatte es nahezu täglich mehrere Attacken gegeben, bei denen bis zu 18 Fahrzeuge pro Nacht betroffen waren.

Die Polizei war gefordert und verstärkte ihre Anstrengungen, indem sie mehr als 160 Beamte zusätzlich auf die Jagd nach den Tätern schickte. Weil die Erfolge zunächst dürftig blieben, bot das Bundesinnenministerium seine Unterstützung an. Die Aktion "Feuerschein" wurde vom 22. August bis zum 17. Oktober mit durchschnittlich 256 Beamten der Bundespolizei unterstützt, einschließlich des Einsatzes eines Hubschraubers mit Nachtsichtgeräten. Das Bundesland musste für diese massive Unterstützung pro Woche 2,5 Millionen Euro zahlen.

Doch der Einsatz lohnte sich. Allein mit der Festnahme des arbeitslosen Andre H. im Oktober konnte der Verursacher von 67 Autobränden mit 102 betroffenen Fahrzeugen dingfest gemacht werden. Als Grund für die Taten hatte der damals 27-jährige gelernte Maler und Lackierer, der noch bei seiner Mutter wohnte, persönlichen Frust und Geldnöte wegen seiner Arbeitslosigkeit genannt. Im April dieses Jahres wurde der Mann zu einer Haftstrafe von sieben Jahren verurteilt. Insgesamt konnte die Polizei im Vorjahr 32 Tatverdächtige ermitteln. Die wenigsten von ihnen, wie etwa der als linksextremistisch polizeibekannte Tobias P., der im September 2011 gefasst wurde, hatten jedoch aus politischer Motivation Brände gelegt.

Obwohl die Aktion "Feuerschein" Anfang November 2011 eingestellt wurde, sank die Zahl der Autobrandstiftungen. So wurden im Dezember gerade noch zehn Fälle gezählt. Dennoch sind nach Angaben der Polizeiführung nachts noch mehrere Hundert Beamte in Zivil und Uniform unterwegs, um den Fahndungsdruck weiter hochzuhalten.

Immerhin konnte die Polizei auch im laufenden Jahr bereits zehn Tatverdächtige nach politisch motivierten Brandstiftungen an Fahrzeugen ermitteln. Von den insgesamt 131 Autobrandstiftungen in diesem Jahr waren 117 unpolitisch. Die meisten Taten wurden im Berliner Innenstadtbereich verübt. So brannten im Bezirk Pankow bereits 29 Autos. In Friedrichshain-Kreuzberg sind seit Jahresbeginn 22 Fahrzeuge angezündet worden, auf Rang drei rangiert der Bezirk Mitte mit 20 Brandstiftungen.