Zeitgeschichte

Wege aus der DDR-Haft

Ausstellung über Freikauf politischer Häftlinge

Anhand von sechs Schicksalen erfährt der Besucher Einzelheiten über die unmenschlichen Haftbedingungen in der DDR, den Ablauf des Freikaufs und die Ankunftsbedingungen im Westen. Dietrich Gerloff beispielsweise begleitete als 25-Jähriger 1961 eine kirchliche Jugendgruppe aus Ost-Berlin bei einer Ostseefahrt. Weil die jungen Leute dem Kapitän aus Spaß einen Zettel zukommen ließen, auf dem sie um Weiterfahrt in Richtung der dänischen Insel Bornholm baten, wurde Dietrich Gerloff verhaftet. Acht Jahre Zuchthaus, lautete das Urteil. 1963 wurde er freigekauft. Ein anderer Fall: Renate Werwigk-Schneider wurde 1968 aus DDR-Haft freigekauft, nachdem sie ihre Verhaftung absichtlich provoziert hatte, weil sie diesen Weg als einzige Chance sah, in die Freiheit zu gelangen.

Von 1963 bis 1989 kaufte die Bundesrepublik 33.755 politische Häftlinge frei. Dafür wurden fast 3,5 Milliarden Mark aufgewendet - das Geld erhielt die DDR weitestgehend in Form von Waren- und Rohstofflieferungen. Ein Teil der Ausstellung ist auch den politisch Handelnden gewidmet - wie den Anwälten Wolfgang Vogel auf DDR-Seite und Jürgen Stange auf westdeutscher Seite. Erstmals sind Ausschnitte aus ihrer Korrespondenz als Tondokument zu hören. "Die Schilderungen der Handelnden auf politischer Ebene verdeutlichen, wie kompliziert die Verhandlungen waren und welche unterschiedlichen Interessen beide Seiten verfolgten", so die Leiterin der Erinnerungsstätte, Bettina Effner.

Erinnerungsstätte, Marienfelder Allee 66/80, Tel. 75 00 84 00, dienstags bis sonntags, 10-18 Uhr. Eintritt frei.