Gedenken

Pankow fordert eine Peter-Fechter-Straße

Stadtrat Kirchner (Grüne) hält Ehrung des Maueropfers für "angemessen"

Der Bezirk Pankow unterstützt die Forderung nach einer Straße, die den Namen "Peter Fechter" trägt. "Mich rührt es jedes Jahr wieder aufs Neue an", sagte Stadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne) am Dienstag. "Sein Schicksal führt uns die Unmenschlichkeit des Mauerbaus eindrücklich vor Augen."

Der damals 18-jährige Peter Fechter war am 17. August 1962 beim Versuch, die Mauer zu überwinden, in der Zimmerstraße angeschossen worden und später an den Folgen der Verletzungen gestorben. CDU-Generalsekretär Kai Wegner hat die Benennung einer Straße nach Fechter vorgeschlagen. "Der brutale Mord an Peter Fechter verdeutlicht, wie menschenverachtend das SED-Regime vorgegangen ist", sagte Wegner. "Die Erinnerung an die zweite Diktatur in Deutschland muss wach gehalten werden, gerade auch vor dem Hintergrund der Unkenntnis vieler junger Menschen." Deshalb halte er die Benennung einer Straße für sinnvoll.

Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Gemeinden in Deutschland ist in Berlin noch keine Straße nach Peter Fechter benannt worden. Vor zwei Jahren ist ein Teil der Britzer Allee zwischen Neukölln und Treptow nach dem letzten durch Schusswaffen an der Grenze getöteten Flüchtling, Chris Gueffroy, benannt worden. Er hatte im Februar 1989 zusammen mit einem Freund versucht, die Mauer am Britzer Verbindungskanal zu überwinden. Zuvor hatte er von einem Bekannten gehört, dass der Schießbefehl an der Mauer aufgehoben worden sei.

Das Schicksal Peter Fechters hatte weltweit Aufmerksamkeit erregt, weil die DDR-Grenztruppen den Schwerverletzten erst 50 Minuten nach den Schüssen aus den Grenzanlagen geborgen hatten. Kurz nach der Einlieferung in ein Krankenhaus war Peter Fechter gestorben.

Nach Angaben des Pankower Stadtentwicklungsstadtrates Kirchner ist ihm bislang keine Initiative zur Benennung einer Straße nach Peter Fechter bekannt. Er hält die Ehrung Fechters für "angemessen", sagte er. Oft würden Anwohner eine Straßenumbenennung grundsätzlich ablehnen, da sie mit einem großen Verwaltungsaufwand verbunden ist. Betroffene müssten ihre Adresse in Behörden und Geschäfts- und Versicherungsunternehmen ändern lassen. Einfacher sei es, eine Grünanlage nach Peter Fechter zu benennen und einen Gedenkstein zu errichten.

Buch von Morgenpost-Redakteuren

Am heutigen Mittwochabend um 19 Uhr stellen die beiden Morgenpost-Redakteure Sven Felix Kellerhoff und Lars-Broder Keil ihr Buch "Mord an der Mauer - Der Fall Peter Fechter" im Mauercafé an der Bernauer Straße vor. Rainer Eppelmann, Vorsitzender der Bundesstiftung Aufarbeitung, spricht als Gastredner. In dem Buch haben die beiden Autoren viele neue, bislang nicht erschlossene Quellen ausgewertet und mit allen Angehörigen Fechters gesprochen. Das Buch ist im Quadriga-Verlag erschienen und kostet 19,90 Euro.