Serie: Mein Projekt für Berlin

Tapfere Schneiderinnen

In der Box 66 perfektionieren Migrantinnen handwerkliche Fähigkeiten

Bunt ist es. Und fröhlich geht es zu. Das fällt sofort auf, wenn man die Box 66 an der Sonntagstraße in Friedrichshain betritt. Karin Hopfmann ist die Leiterin dieses Integrationszentrums für ausländische Frauen und Familien. Am liebsten ist es ihr, wenn es gar nicht so sehr um sie geht. Die 57 Jahre alte Philosophin und Kulturwissenschaftlerin ist seit einem Jahr in der Box 66. Der Name ist ein Mitbringsel aus der Vergangenheit: "Das Zentrum wurde vor 20 Jahren an der Boxhagener Straße 66 gegründet. Beim Umzug blieben wir Box 66", erzählt Karin Hopfmann.

Der Name blieb, die Leiterin wechselte. Nach fast 20 Jahren übergab die Box-Mitbegründerin und langjährige Leiterin Barbara Bell an Karin Hopfmann. "Wir haben hier zwei Arbeitsschwerpunkte", sagt die Neue. "Die Erstberatung für erwachsene Neuzuwanderer und die allgemeine Sozialberatung." Insgesamt 17 Mitarbeiter hat die Box 66 - drei davon hauptamtliche, die anderen 14 sind vom Jobcenter geförderte Mitarbeiter. Gemeinsam haben sich alle nun einem ehrenamtlichen Projekt verschrieben. Karin Hopfmann: "Mit unserer interkulturellen Kreativwerkstatt wollen wir Migrantinnen in der Entwicklung und Weiterentwicklung ihrer Handarbeitsfähigkeiten fördern." Jeden Mittwoch von 18 bis 20 Uhr stehen unsere Türen allen Interessierten für diese Werkstatt offen. "Jeder, der stricken, häkeln oder nähen lernen will, kann zu uns kommen. Und natürlich auch jeder, der selbst einen Workshop anbieten will. Wir freuen uns über jede Idee und jeden Wunsch", sagt Karin Hopfmann.

Bei dem Engagement für die Frauen geht es aber noch um viel mehr: "Viele der Frauen, die zu uns kommen, haben keine Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt - dafür haben sie aber vielleicht ein großes handarbeitliches Talent, einige von ihnen sind auch hochqualifiziert, haben beispielsweise eine Ausbildung als Schneiderin", sagt die Sozialarbeiterin. Es gehe darum, deren Selbstbewusstsein aufzubauen, es zu entwickeln, sie zu motivieren und sie somit auch in ihrer Persönlichkeit zu bestärken. Die Frauen müssten lernen, dass die Handarbeit, ihre ganz persönliche Leistung, etwas wert sei.

Karin Hopfmann ist mit Herzblut bei der Sache. Die Frauen sind ihr wichtig. Sie will ihnen Mut machen, sich und ihre Fähigkeiten nicht unter Wert zu verkaufen.

Um auch in diesem Bereich eine Hilfe für die ausländischen Frauen zu sein, macht sie gerade ein berufsbegleitendes Zusatzstudium für lokale soziale Ökonomie an der Fachhochschule Potsdam. "Ich will das hier schließlich professionell machen", sagt die engagierte Frau und strahlt. Nebenbei bespricht sie sich immer wieder kurz mit Frauen, die sie um Rat fragen - oder ihr eine selbst genähte kleine Maus unter die Nase halten und fragen: "Riecht das nach Zitronengras?"

Ach ja, die Mäuse, dazu muss Karin Hopfmann auch noch etwas erzählen: "Am 25. August ist hier in Friedrichshain wieder das Straßenfest Suppe & Mucke - da haben wir einen Stand und wollen gegen Spenden die Mäuse anbieten", sagt die Box-66-Chefin. Das sind kleine Duftbeutelchen, die die Frauen mit Lavendel, Rosen oder Zitronengras befüllt haben.

Da ruft es aus der Ecke, in der schon die ganze Zeit Stricknadeln geklappert haben: "Wenn die Dame von der Zeitung gerade da ist, dann könnte sie doch vielleicht schreiben, dass wir ganz dringend große Töpfe brauchen?" "Großartig! Gute Idee!", sagt Karin Hopfmann und in der Ecke wird es still und die Nadeln klicken wieder. "Wir brauchen dringend Töpfe", sagt die Chefin, "denn auf dem Fest wird traditionell gratis Suppe verteilt."

Produkte schaffen und vermarkten

Die interkulturelle Kreativwerkstatt wird bislang gut angenommen. Da hat sich Karin Hopfmann voller Energie für den Herbst gleich noch ein weiteres ehrenamtliches Zusatzprojekt vorgenommen: "Dann wollen wir einen Design-Workshop für interessierte Handarbeiterinnen anbieten, die sich professionalisieren wollen. Die Kurse werden von Studenten und Designern der Kunsthochschule Weißensee veranstaltet", so Karin Hopfmann. Bei diesem Projekt können die Frauen lernen, wie man Produkte entwickelt und wie man sie vermarktet. Und am Ende dieses langen Weges soll es dann eine möglichst große Gruppe von Frauen geben, die sich mit ihrer Handarbeit selbst Arbeitsplätze geschaffen haben und damit ein Einkommen erzielen. Wer die engagierten Frauen der Box 66 erlebt hat, ahnt, dass dieses Ziel kein Traum bleiben muss.