Berliner Unfallkasse

224 Unfälle pro Tag in Berlins Schulen

Zahl ist im letzten Jahr stark angestiegen - Häufig nur leichte Blessuren

Schürfwunden und blaue Flecken: Die Unfallzahlen an Berliner Schulen sind im vergangenen Jahr gestiegen - auf 224 Verletzungen am Tag. Das seien sechs Unfälle pro Tag mehr als im Vorjahr, teilte die Berliner Unfallkasse am Donnerstag mit. 80 Prozent der Verletzungen seien Bagatellen, die nach einem Arztbesuch wieder erledigt seien, hieß es bei der Kasse. Denn Lehrer schickten Kinder nach einem kleinen Malheur oft eher zum Arzt als Eltern.

Schwere Verstauchungen oder Knochenbrüche kämen dagegen selten vor. Sie passierten nach wie vor besonders häufig im Sportunterricht. Aber auch Schulausflüge bergen wegen der unbekannten Wege und Umgebung potenziell ein Risiko. Zu spüren bekamen das kurz vor den Sommerferien zwei zehn und elf Jahre alte Mädchen aus Treptow: Während eines Klassenausflugs in den Landschaftspark Johannisthal wurden die Schülerinnen beim Spielen in einer Sandmulde von einem ins Rutschen gekommenen, 500 Kilogramm schweren Granitblock eingeklemmt. Beide Grundschülerinnen wurden schwer am Kopf verletzt und mussten zunächst ins künstliche Koma versetzt werden. Nur mit viel Glück haben sie keine bleibenden Schäden erlitten.

Die Gesamtzahl der Schülerunfälle stieg von 42.560 im Jahr 2010 auf 43.660 gemeldete Fälle im Jahr 2011. Dabei ist das Bild in den Bezirken verschieden. Die meisten Unfälle, gerechnet auf 1000 Schüler, gab es mit 150 in Marzahn-Hellersdorf, die wenigsten mit 124 in Spandau und Steglitz-Zehlendorf.

Gefährlicher Heimweg

Die Kosten für die Behandlungen der Schüler trägt das Land Berlin über die gesetzliche Schülerunfallversicherung. Sie werden auch bei Unfällen auf dem Weg zur Schule oder von der Schule nach Hause übernommen. In der Verkehrsunfallstatistik gelten die Werktage als besonders unfallträchtig für Kinder und Jugendliche: Die meisten Vorfälle im Straßenverkehr, in die Minderjährige verwickelt sind, ereignen sich laut Informationen des Verkehrsclubs Deutschland in der Zeit zwischen 7 und 8 beziehungsweise zwischen 13 und 14 Uhr. Das sind die Zeiten, in denen die Kinder auf dem Schulweg sind. Die Gesamtsumme der Kosten für das Land im Rahmen der Schülerunfallversicherung belief sich 2011 auf rund 17,6 Millionen Euro, sagte Kirsten Wasmuth, Sprecherin der Kasse.

Insbesondere bei Berliner Privatschulen verzeichneten die Statistiker einen Anstieg der Vorfälle. Die Zahlen näherten sich langsam denen öffentlicher Schulen an. Allerdings ist auch die Zahl der Kinder und Jugendlichen auf Privatschulen 2011 um 1200 auf mehr als 29.000 gestiegen. In allen anderen Schulformen seien die Unfallzahlen gesunken oder gleich geblieben, teilte die Kasse weiter mit. Bei den Grundschulen sei ein Rückgang der Verletzungen im Sportunterricht erfreulich, allerdings nahmen Zwischenfälle in den Pausen zu.

Traditionell wenige Unfälle gibt es an Gymnasien - auch weil die Schüler dort älter sind. Hier passieren aber weiterhin 60 Prozent der Verletzungen im Sportunterricht, sehr häufig bei Ballspielen. Erfreulich sei der Rückgang der Unfallquote an den neuen Sekundarschulen.