Nahverkehr

Bus und Bahn: Das sind die neuen Tarife

Ticketpreise steigen am 1. August im Durchschnitt um 2,8 Prozent - Die wichtigsten Fragen und Antworten

Die S-Bahn steckt seit drei Jahren in der Krise und fährt immer noch eingeschränkt und oft unpünktlich. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) denken angesichts ihrer Finanznot offen über Angebotseinschränkungen nach. Trotzdem werden die Tickets im Nahverkehr zum 1. August teurer. Erstmals seit dem 1. Januar 2011 steigen die gemeinsamen Tarife im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB). Durchschnittlich 2,8 Prozent mehr müssen die täglich mehr als drei Millionen Fahrgäste in der Region künftig bezahlen. Die zehn wichtigsten Fragen zur VBB-Tariferhöhung beantwortet die Berliner Morgenpost.

Wer hat die Preiserhöhungen im Nahverkehr beschlossen?

Die neuen VBB-Tarife hat der Aufsichtsrat des Verkehrsverbunds im März dieses Jahres beschlossen. In dem Gremium sitzen Vertreter der Länder Berlin und Brandenburg sowie der brandenburgischen Landkreise und kreisfreien Städte. Den Vorsitz im Aufsichtsrat hat Rainer Brettschneider, Staatssekretär im Potsdamer Infrastrukturministerium.

Ist der Anstieg nötig?

Ja, sagen die 40 Verkehrsunternehmen, die der VBB koordiniert. Sie verweisen vor allem auf gestiegene Personalkosten und höhere Ausgaben für Energie und Treibstoff. Laut VBB liegt die aktuelle Preiserhöhung noch unter der Inflationsrate seit der letzten Anpassung vor 19 Monaten. Weil die Länder ihre Zuschüsse für den Nahverkehr kaum oder gar nicht erhöhen, müssten die Verkehrsunternehmen nach VBB-Angaben ohne das zusätzliche Geld ihre Leistungen kürzen.

Und was sagen die Kritiker?

Mehrere Fahrgastverbände halten die Verteuerung der Tickets für ungerechtfertigt und falsch. Als Argument führen sie unter anderem das immer noch eingeschränkte Angebot der Berliner S-Bahn an. Auch beim größten Verkehrsunternehmen der Region, der BVG, sehen sie noch Potenziale zur Optimierung. Um ihre Einnahmen zu verbessern, so die Fahrgastverbände, sollten die Verkehrsunternehmen der Region sich vor allem bemühen, mehr Fahrgäste zu gewinnen.

Werden alle Tickets teurer?

Nein. Einige Tarifangebote sind von der aktuellen Preisrunde nicht betroffen. Dazu zählen die Kurzstreckentarife in Berlin und Potsdam, das Sozialticket (Monatskarte S), zwei spezielle Schüler-Freizeittickets sowie der Kurzstreckenfahrschein für die Fahrradmitnahme.

Was kosten die gängigsten Tickets vom 1. August an?

In Berlin kostet der Einzelfahrschein für die Tarifzone AB künftig 2,40 Euro, zehn Cent mehr als bisher. Die bei Gelegenheitsfahrern beliebte Vier-Fahrten-Karte verteuert sich um 20 Cent auf dann 8,40 Euro. Die Berliner Monatskarte (Tarifbereich AB) kostet dann 77 Euro statt bisher 74 Euro. Wer die Umweltkarte AB im Abonnement monatlich zahlt, muss pro Jahr künftig 710 statt bisher 695 Euro überweisen. Die Jahreskarte für das Berliner Stadtgebiet verteuert sich ebenfalls von 695 auf 710 Euro. Der Preis für das sogenannte Seniorenticket (VBB-Abo 65plus) steigt bei monatlicher Abbuchung von 564 auf 576 Euro pro Jahr, bei jährlicher Abbuchung von 547 auf 559 Euro.

Wen trifft die aktuelle Preiserhöhung besonders hart?

Die prozentualen Erhöhungen schwanken je nach Ticketkategorie zwischen mehr als zehn und weniger als einem Prozent. Stark belastet werden etwa die Käufer von Fahrrad-Monatskarten für das VBB-Gesamtnetz, also die gesamte Region Berlin-Brandenburg. Der Preis für das Ticket steigt um 11,1 Prozent auf 20 Euro. Überdurchschnittlich steigt beispielsweise auch der Preis für den ermäßigten Einzelfahrschein im Berliner Stadtgebiet (Tarifzone AB). Er verteuert sich um 7,1 Prozent auf 1,50 Euro. Glimpflich kommen im Vergleich Abonnenten weg, die ihre Umweltkarte (Berlin AB) jährlich bezahlen. Sie zahlen künftig 680 statt bisher 675 Euro (plus 0,7 Prozent).

Gibt es auch neue Ticketangebote?

Ja, vor allem für Langschläfer. Als Neuheiten wird es die 10-Uhr-Karte nämlich künftig als gleitendes Monatsticket (55,50 Euro statt 53 Euro) und im Abonnement (bei monatlicher Abbuchung 512 Euro für das Berliner Stadtgebiet, bei jährlicher Abbuchung 491 Euro) geben. Ebenfalls neu im VBB-Tarif ist eine Monatskarte für die Fahrradmitnahme im Tarifbereich Berlin ABC (12,10 Euro).

Was passiert mit bereits gekauften Fahrscheinen?

Wer zum alten Preis Tickets gekauft hat, die entwertet werden müssen - also etwa Einzelfahrscheine oder Tageskarten - kann jene noch bis zum 14. August nutzen. Das gilt auch für Abschnitte von Vier-Fahrten-Karten. Anschließend können die Tickets gegen Zahlung des Differenzbetrags umgetauscht werden. Dafür müssen sich Kunden an das Verkehrsunternehmen wenden, bei dem sie ihre Fahrscheine gekauft haben. Die Umtauschfrist endet am 31. Dezember 2012. Tickets, deren Preis sich zum 1. August nicht ändert, bleiben unbeschränkt gültig.

Wann droht die nächste Preiserhöhung?

Offizielle Aussagen gibt es dazu noch nicht. Branchenexperten rechnen aber in einem Jahr, also zum 1. August 2013, mit der nächsten Preisrunde.

Womit müssen die Fahrgäste dann rechnen?

Die letzten Tarifanpassungen im VBB lagen in der Regel knapp unterhalb der allgemeinen Teuerungsrate. Statt in unregelmäßigen Abständen über die Ticketpreise zu diskutieren, könnten die Preise künftig aber automatisch im Bereich der Inflationsrate steigen. Im vergangenen Frühjahr hatte Berlins Verkehrssenator Michael Müller (SPD) eine sogenannte Indexlösung vorgeschlagen. Die Preise würden dann der Teuerungsrate angepasst, wobei die Preisentwicklung in wichtigen Bereichen wie Energie und Treibstoff besonders berücksichtigt werden soll. Vor allem die landeseigene BVG - aber auch andere Nahverkehrsunternehmen wie die Berliner S-Bahn - sollen damit mehr Planungssicherheit bekommen. Fahrgastverbände lehnen diese Lösung vehement ab.