Flugverkehr

Mehr Nachtflüge über Tegel belasten die Anwohner

Flugverkehr hat im Juni deutlich zugenommen

Die verschobene Eröffnung des neuen BER hat für die Menschen im Norden Berlins unangenehme Folgen. Für sie hat sich die Lärmbelastung deutlich erhöht. Das liegt nicht nur an den fünf Prozent mehr Flugbewegungen, die die Flughafengesellschaft am Mittwoch für den Juni 2012 im Vergleich zum Vorjahresmonat bekannt gab. In diesem Zeitraum machten sich erstmals die zusätzlichen Flüge bemerkbar, die vor allem Lufthansa und Air Berlin eigentlich vom neuen Flughafen aus anbieten wollten - und die nun in Tegel abgewickelt werden müssen. Insgesamt starteten und landeten von Tegel im Juni 15.700 Flugzeuge, das waren fast 600 mehr als im Mai dieses Jahres.

Das Wachstum von fünf Prozent ist umso größer, weil in den vergangenen Monaten eher weniger Starts und Landungen gezählt worden waren. Die Airlines befördern zwar mehr Passagiere von und nach Berlin, sind jedoch mit größeren Maschinen unterwegs - und lasten ihre Jets besser aus. Im Mai lag das Minus bei den Flugbewegungen bei fast drei Prozent gegenüber dem Mai 2011.

Und die Anwohner klagen darüber, dass auch nachts mehr Maschinen fliegen. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz geht zwar als Genehmigungsbehörde nicht davon aus, dass die Zahl der Flugbewegungen nach 23 Uhr im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen ist. Dennoch will das Haus von Senator Michael Müller (SPD) das Genehmigungsverfahren verschärfen. In einem Schreiben an die Luftaufsicht in Tegel fordert die oberste Luftfahrtbehörde, dass ab 1. August für Starts ab 23.30 Uhr eine Genehmigung der Behörde einzuholen ist. Bisher konnte die Luftaufsicht in Tegel entscheiden, wen sie in der kritischen Stunde zwischen 23 und 24 Uhr in die Luft lässt. Das wird nach Angaben einer Sprecherin nur zugelassen, wenn die Airlines nicht selber an der Verschiebung im Flugplan die Schuld tragen.

Weil Ausnahmen möglich sind

Generell gilt in Tegel ein Nachtflugverbot zwischen 23 und 6 Uhr, Ausnahmen sind jedoch in den Randzeiten möglich. Dennoch räumt Müllers Senatsverwaltung ein, dass es gerade in der Sommerferienzeit zu verstärkten Verspätungen und damit nächtlichen Abflügen gekommen ist, wenn auch nicht sehr viel mehr als im Vorjahr. 20 Starts nach 23 Uhr habe die Behörde vorab für Juni 2012 genehmigt, um das gestiegene Verkehrsaufkommens am TXL wegen der Verschiebung des BER abwickeln zu können. Durchgeführt wurden dann aber 51 Flüge. Wenn nun die 20 ohnehin zugelassenen Starts abgezogen würden, seien es nur 31 außer der Reihe erlaubte Flüge. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres seien es mit 28 nur unbedeutend weniger gewesen.

Im Juli liegt die Auswertung erst bis zum 15. des Monats vor. Hier seien neun Flüge regulär erlaubt worden, tatsächlich gab es aber 60 Abflüge nach 23 Uhr. Die Behörde begründet das mit den widrigen Wetterbedingungen, vor allem während der beiden Gewitterabende am 5. und 7. Juli. Zudem hatte der Münchner Flughafen am 6. Juli Radarausfall, was zu weiteren verspäteten Starts führte. Bei den Landungen, die weniger Lärm verursachen als Starts, habe sich die Lage sogar gebessert. So seien im Juni 2011 95 verspätete Flieger nach 23 Uhr in Tegel eingeschwebt, im laufenden Jahr waren es 58. Im Juli lag das Niveau mit 54 Landungen bis Monatsmitte auf Vorjahresniveau.