Nahverkehr

Qualitätsbilanz: Schlechte Noten für die S-Bahn, Lob für die BVG

Verkehrsverbund sieht kein Ende der Krise

Es gibt sie noch, die guten Nachrichten über den Berliner Nahverkehr. Zumindest bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) fahren die Züge pünktlicher als vertraglich vereinbart. Das geht aus der Qualitätsbilanz für das vergangene Jahr hervor, die der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) am Mittwoch vorgestellt hat. 97,7 Prozent der U-Bahnen und 91,6 Prozent der Straßenbahnen fuhren demnach 2011 pünktlich, eine leichte Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Nur beim Busverkehr verfehlte die BVG die im Verkehrsvertrag mit dem Land Berlin vorgeschriebene Sollmarke. Statt wie gefordert 87 Prozent fuhren nur 84,9 Prozent der Busse nicht verspätet. Grund waren laut BVG-Chefin Sigrid Nikutta eine Vielzahl von Baustellen und Veranstaltungen.

Während die landeseigenen Verkehrsbetriebe damit aus Sicht des Verkehrsverbundes eine hohe Qualität abliefern, bleibt das zweite große Nahverkehrsunternehmen der Stadt laut VBB-Chef Hans-Werner Franz ein Sorgenkind. "Im Jahr vier der andauernden S-Bahn-Krise ist es nicht erklärbar, warum das Unternehmen seine Probleme nicht endlich in den Griff bekommt", sagte Franz. Nach Berechnungen des VBB lag die Pünktlichkeitsquote der S-Bahn im Jahresdurchschnitt 2011 nur bei 84,1 Prozent, zudem fielen 12,1 Prozent der Fahrten komplett aus. "Mit dieser Leistung können wir nicht zufrieden sein", sagte Franz. Im laufenden Jahr seien die Pünktlichkeitswerte teilweise sogar noch schlechter.

S-Bahn-Chef Peter Buchner reagierte am Mittwoch verärgert auf die Kritik des Verkehrsverbundes. "Sicherlich, die Pünktlichkeit war in den vergangenen Wochen und Monaten absolut unbefriedigend", sagte er. Auch der Unmut der Kunden sei daher verständlich. "Aber dass die Leistungen eines ganzen Jahres ignoriert oder relativiert werden, ist ärgerlich." 2011 sei ein Großteil der technischen Probleme der S-Bahn abgearbeitet worden, so der Kompletttausch von Rädern und Achsen sowie die Umrüstung der Bremsanlagen. Aktuell seien, so Buchner, gemessen am Vorkrisenniveau, 92 Prozent der Züge im Einsatz. Unter anderem Probleme bei der Reaktivierung der aus DDR-Zeiten stammenden Zugbaureihe 485 ließen aber momentan keine weiteren Angebotsverbesserungen zu.

Die schlechten Werte des VBB kämen zudem zustande, weil der Verkehrsverbund die Methode zur Berechnung der Pünktlichkeit "eigens für die S-Bahn erfunden" habe, kritisierte Buchner. Bei allen anderen Verkehrsunternehmen werde die Zahl der verspäteten Züge in Relation zu den gefahrenen Zügen gesetzt, beklagte der S-Bahn-Chef. Nur bei seinem Unternehmen würden auch ausgefallene oder planmäßig gestrichene Züge als unpünktlich bewertet. Nach eigenen Berechnungen kommt die S-Bahn daher auf deutlich bessere Werte als der VBB. Gemessen am tatsächlichen Angebot seien 2011 in allen Monaten zwischen 93 und 97 Prozent aller Züge pünktlich gefahren.

Aus Sicht der Fahrgäste hat sich die S-Bahn tatsächlich gebessert. In der jüngsten Befragung zur Kundenzufriedenheit gaben sie dem Unternehmen im Mai die Schulnote 2,61 (November 2011: 2,72). Zum ersten Mal seit 2009 nähert sich die S-Bahn damit wieder dem vertraglich festgelegten Sollwert von 2,6 an.