Verbraucherreport

Was für Saftläden

Stiftung Warentest untersuchte frische Säfte in 14 Saftbars auf Keime und Pestizide

Als die Schauspielerinnen Esther Schweins und Niki Greb vor acht Jahren in Berlin am Hackeschen Markt eine Saftbar mit dem Namen "Grashopper" eröffneten, wirkte die Geschäftsidee noch sehr exotisch. Die Bar, in der ausschließlich frisch gepresste Obst- und Gemüsesäfte, Milchshakes und Getreidekaffee angeboten wurden, musste zwar nach drei Jahren wieder schließen. Doch die Saftbar als Erfolg versprechendes Geschäftsmodell hat sich in der Hauptstadt durchgesetzt. Ob am Bahnhof, auf dem Markt, im Einkaufszentrum oder in den Szenekiezen: Überall können sich gesundheitsbewusste Berliner inzwischen mit frisch gepressten Säften versorgen.

Doch ist bei den Säften wirklich alles ganz frisch? Dieser Frage ist die Stiftung Warentest in ihrem jüngsten "Test"-Heft nachgegangen, das am kommenden Freitag in den Handel kommt. Wir zeigen die Testergebnisse für die 14 getesteten Saftbars in der Metropolregion Berlin schon heute.

Ganz oben auf der Hitliste der Berliner Vitaminfans stehen Orangen- und Karottensäfte sowie Getränke aus exotischen Früchten. Um vergleichbare Ergebnisse zu bekommen, beschränkten sich die Tester auf Orangensäfte. Zwischen Ende Mai und Anfang Juni dieses Jahres kauften sie dafür bevorzugt in Saftbars an Bahnhöfen und Shoppingcentern ihre Proben ein (siehe Liste). "Mit wissenschaftlichen Methoden in unabhängigen Instituten wurden die Proben nach unseren Vorgaben untersucht", sagt Birgit Rehlender. Die Lebensmittelchemikerin hat als Projektleiterin bei der Stiftung Warentest den Test beaufsichtigt.

Saftiges Urteil gefällt

Untersucht wurden dabei die Belastung mit Keimen und Pestiziden sowie der Geschmack und der Geruch. Anlass für den Test war nicht nur das stetig steigende Angebot der teuren Frischedrinks - ein 0,2-Liter-Becher kostet bis zu 2,40 Euro - sondern auch das Versprechen der Erzeuger, damit etwas für die Gesundheit der Kunden zu tun. Auch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hatte Bedenken geäußert, dass es mit der mikrobiologischen Qualität von offen angebotenen frisch gepressten Frucht- und Gemüsesäften nicht zum Besten steht.

Das Gesamturteil der Tester sei jedoch besser ausgefallen als erwartet, betont Projektleiterin Rehlender. Der Hygienecheck in 13 Berliner und einer Potsdamer Saftbar spreche im Großen und Ganzen für die "Säfte to go". Immerhin sieben Säfte waren in puncto Keimbelastung gut oder besser, fünf befriedigend, einer ausreichend sowie einer mangelhaft. Kein einziger Saft war dagegen frei von Pestizidrückständen.

"In keinem der 14 Orangensäfte fanden wir Krankheitserreger wie Listerien oder Salmonellen", sagt Birgit Rehlender. Dennoch habe ein Getränk ein gravierendes Problem gehabt. Ausgerechnet in dem beliebten Kreuzberger Szeneladen "Saft Schubser" an der Bergmannstraße war die Gesamtkeimzahl demnach viel zu hoch. Auch die Anzahl an den Geschmack beeinflussenden Essig- sowie Milchsäurebakterien sowie Hefestoffen fiel auf. "Das sind Hinweise darauf, dass der Saft schon fast verdorben war", heißt es in dem Bericht. Dies habe sich auch auf Geruch und Geschmack ausgewirkt: "Der Verderb ließ sich bereits riechen", schreiben die Tester weiter. Außerdem schmeckte das Testgetränk "kräftig bitter" und deutlich nach anderen Früchten. Das Problem in diesem Fall sei die mangelnde Hygiene an der Saftpresse gewesen. Denn egal ob vollautomatische oder Handpresse: Auf die richtige und sorgfältige Reinigung der Geräte kommt es an. "Sie beginnt mit sauberen Früchten und endet mit dem Reinigen der Geräte", sagt Lebensmittelexpertin Rehlender. Darauf und auf eine ausreichende Kühlung bereits gepresster Säfte sollte auch achten, wer sich seine Säfte gern zu Hause selbst presst.

Auch die Säfte, die bei "Vitabell" im Gesundbrunnen-Center in Wedding und bei "Frooster" in den Potsdamer Platz Arkaden angeboten werden, brachten es im sensorischen Test, der Geschmack und Geruch bewertet, nur zur Note "befriedigend". Am besten bewerteten die Geschmackstester übrigens den Saft, der in der "Oase Saftbar" am Ostbahnhof in Friedrichshain ausgeschenkt wurde. Dieser Saft rieche "besonders fruchtig", sein Geschmack sei "fruchtig-säuerlich, aromatisch" und erinnere an vollreife Früchte, heißt es im Bericht. Pestizide ließen sich in allen getesteten Orangensäften nachweisen - allerdings in keinem einzigen Fall in bedenklicher Konzentration, wie die Prüfer betonen. Im Test fielen dennoch drei Säfte auf, die deutlich mit Orthophenylphenol belastet waren. Dieses Mittel soll die Schale vor Schimmelbefall schützen.

"Saftbars sollten das Problem ernst nehmen und die Früchte vor dem Pressen mit warmen Wasser abwaschen oder aber zu unbehandelten Orangen oder Biofrüchten greifen", rät Rehlender. Insgesamt, so das Fazit des Tests, könnten die Kunden die frisch gepressten Säfte aus der Saftbar ohne Bedenken genießen, die ein guter Vitamin-C-Spender seien und eine schmackhafte und gesunde Alternative zum Coffee to go. Um absolut sicherzugehen, sollte man beim Kauf jedoch auf Sauberkeit in der Bar achten. "Vergewissern Sie sich, dass das Personal saubere Hände hat und auch Geräte, Lappen und Tresen rein aussehen", rät Rehlender.

Vorräte immer kühl lagern

Manche Bars würden auch den Saft nicht frisch für jeden einzelnen Kunden pressen, sondern einen Saftvorrat in Krügen anlegen. "Das ist auch in Ordnung, wenn die Krüge gut gekühlt werden", sagt die Expertin. Die Stiftung Warentest hat seit 1964 auf Beschluss des Deutschen Bundestags den Auftrag, dem Verbraucher durch vergleichende Tests von Waren und Dienstleistungen eine unabhängige Unterstützung zu bieten. Seit ihrer Gründung hat die Stiftung in mehr als 5000 Tests etwa 100.000 Produkte geprüft. Dazu kommen rund 2000 Dienstleistungstests. Die Ergebnisse werden jedes Jahr in rund 8,5 Millionen Heften veröffentlicht.

Das neue "Test"-Heft (Ausgabe 8/2012; 4,90 Euro) erscheint am 27. Juli. Weitere Themen der Ausgabe: Funktionsjacken, Geschirrspüler, Toastbrot, Internetvideotheken, Fernseher, Mobil surfen mit LTE, Barrierefrei wohnen, Zahnarztgebühren