Prozess

Angeklagter gesteht Missbrauch auf Schultoilette

Achtjähriges Opfer nimmt Entschuldigung nicht an

Konstantinos M. sitzt gebückt auf der Anklagebank. Er ist kaum größer als 1,60 Meter, hat tiefe Augenringe, wirkt schwächlich - war am 1. März 2012 aber stark genug, in der Humboldthain-Grundschule (Wedding) eine achtjährige Schülerin auf die Toilette zu zerren und sie dort zu vergewaltigen. "Für meine Tat schäme ich mich sehr", steht in einer Erklärung des 30-Jährigen, die seine Verteidigerin Gesine Reisert am Dienstag vor einer Moabiter Strafkammer verliest. Er sei schon in den Tagen zuvor niedergeschlagen und depressiv gewesen, habe in den Stunden vor der Tat Unmengen Alkohol getrunken, vier Gramm Kokain konsumiert und zwei starke Beruhigungstabletten geschluckt. In der Humboldthain-Grundschule habe er nur mit einem ehemaligen Lehrer reden wollen. Dann sei die kleine Jasima (Name geändert) gekommen. Sie suchte einen Klassenraum.

Eine Polizistin beschreibt Jasima vor Gericht als ein "sehr hübsches Mädchen mit langem Haar". Sie habe unmittelbar nach der Tat große Mühe gehabt, aus dem verängstigten, weinenden Kind herauszubekommen, was geschehen war. Die Schülerin schilderte, der Mann habe sie plötzlich am Arm gepackt und weggezogen, hin zur Jungentoilette. Er habe nach Schweiß und Zigaretten gerochen. Als sie schreien wollte, habe er ihr die Hand auf den Mund gepresst. Der Mann habe gesagt, er werde sie mit seinem Messer töten, wenn sie schreie. Deswegen habe sie sich alles gefallen lassen - bis ein Schüler den Toilettenraum betrat, Konstantinos M. abgelenkt wurde und sie fliehen konnte.

In Konstantinos M.s Erklärung liest sich das etwas anders. Der Grieche will von dem vergewaltigten und sexuell missbrauchten Kind abgelassen haben, als das Mädchen sich zu ihm drehte und er das verzweifelte Gesicht sah. "Da habe ich plötzlich einen Schrecken vor mir selber bekommen", heißt es in der Erklärung. Vier Wochen später war Konstantinos M. als Verdächtiger ermittelt und wurde festgenommen.

Jasima wird vor Gericht nicht erscheinen müssen. Das sei gut für das Kind, sagt die als Zeugin geladene Mutter. Anfangs, so die 33-Jährige, habe die Tochter schon in der U-Bahn große Probleme gehabt, wenn ein Mann neben ihr stand. Das habe sich inzwischen gegeben. Doch noch einmal begegnen wolle sie ihrem Vergewaltiger auf keinen Fall. Das Kind habe auch eine Entschuldigung und ein vom Angeklagten angebotenes Schmerzensgeld (1800 Euro) abgelehnt. "Ich will ihn nie wieder sehen, der Mann soll im Gefängnis bleiben", hat sie zu ihrer Mutter gesagt. Am Freitag soll das Urteil verkündet werden.