Ausbildung

Seiteneinsteiger scheitern in Erzieherprüfung

Arbeitsagentur zahlt schnelle Umschulung meist vergeblich

Ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung der in Berlin dringend benötigten zusätzlichen Erzieher bricht weg. Nur knapp ein Viertel der Teilnehmer an der sogenannten Nichtschülerprüfung für Quereinsteiger hat 2011 die Prüfung bestanden. Das geht aus der Antwort der Bildungsverwaltung auf eine kleine Anfrage der Linke-Abgeordneten Katrin Möller hervor. Demnach wurden im Oktober 2011 insgesamt 129 Personen zu der Prüfung zugelassen, doch nur 31 Kandidaten haben auch bestanden. Nicht viel besser war die Quote im Frühjahr 2011 ausgefallen. Im April waren 21 Quereinsteiger zugelassen, bestanden hatten von ihnen acht. Auch im Jahr zuvor waren die Ergebnisse ähnlich enttäuschend, allerdings gab es 2010 noch weniger Kandidaten für den damals neuen Qualifizierungsweg.

Dramatisch ist auch das Scheitern in Brandenburg: Dort fielen in diesem Jahr gut zwei Drittel der Bewerber (106 von 150) bei der Nichtschülerprüfung zum staatlich anerkannten Erzieher durch. Dabei haben die Quereinsteiger üblicherweise einen mindestens einjährigen Kurs besucht, der sie auf die Prüfung vorbereiten sollte. Die Kurse werden von privaten Trägern angeboten und kosten im Schnitt pro Person 5000 Euro für ein Jahr und 11.300 Euro für zwei Jahre. Häufig übernimmt die Arbeitsagentur die Kosten.

Offenbar würden viele Arbeitsuchende in die Umschulung gedrängt, obwohl sie nicht geeignet seien, sagt Christiane Weißhoff von der Bildungsgewerkschaft GEW. Dabei sei der Weg der Nichtschülerprüfung extrem schwierig, schließlich würden hier die Inhalte einer dreijährigen Vollzeitausbildung in ein einziges Jahr gepresst. Auch die Träger hätten in dem Schnellkurs offenbar ein lukratives Geschäftsfeld entdeckt und würden versteckt dafür werben. Dabei sei dieser Weg nur für Menschen gedacht, die umfangreiche pädagogische Erfahrungen haben.

Beratung vor Ausbildung

Die Arbeitsagentur Berlin-Brandenburg weist den Vorwurf zurück. "Wer mit der Idee kommt, in den Erzieherberuf über die Nichtschülerprüfung einzusteigen, wird von uns sehr genau beraten", sagt der Sprecher Olaf Möller. Zudem müssten sich die Bewerber einer Beratung beim Psychologischen Dienst unterzeihen, indem Grundkenntnisse in Deutsch, Mathe und logischem Denken getestet würden. "In der Regel raten wir eher dazu, die berufsbegleitende dreijährige Ausbildung zu machen", sagt Möller. Auch diese Ausbildung für Quereinsteiger werde von der Arbeitsagentur finanziert.

Tatsächlich werden allein für den Ausbau der Kita-Plätze bis 2015 etwa 3000 zusätzliche Erzieher benötigt. Hinzu kommt der Ersatz für 600 Fachkräfte jährlich, die aus Altersgründen ausscheiden.

Die Bildungsverwaltung betont jedoch, dass trotz der schlechten Ergebnisse die hohen Qualitätsansprüche für die Nichtschülerprüfung keinesfalls abgesenkt werden. "Wir werden uns jedoch genau ansehen, wo genau die Gründe für das Scheitern liegen", sagt Torsten Metter, Sprecher der Verwaltung.