Gartenlust

Oh, diese Früchtchen...

Gabriella Pape über Erntezeit bei den Beeren

Das Schönste für uns Kinder war die Erntezeit im Garten. Mein älterer Bruder liebte es, wenn die sauren Stachelbeeren auf der Zunge prickelten. Meinen jüngeren Bruder sah man nur auf der Erde zwischen den Erdbeeren herumkriechen. Ich mochte besonders die Him- und Brombeeren, wobei Letztere immer eine Herausforderung waren, kam ich doch meist völlig zerkratzt zurück, denn die süßesten Früchte hängen ganz oben. Beim Naschen der Himbeeren war man nicht selten allein. Oft sahen einen kleine Raupen aus dem Gebüsch heraus an. Warum gleich mit Mord drohen, sie schmeckten auch nur nach Himbeeren.

Neben den bekannten Beerenobstarten gibt es heute viele neue wie die Cranberry. Wenn sie in sauren und humosen Boden gepflanzt wird, beglückt sie uns mit einem Meer von vitaminreichen, leuchtend roten, stachelbeergroßen Früchten. Sie eignet sich sehr gut als Bodendecker in Heidegärten. Unter den Johannisbeeren gibt es weiße, rote und schwarze, als Busch oder Stamm. Während die schwarzen am einjährigen Holz fruchten, tragen die roten und weißen am zwei- bis dreijährigen Holz. Bei beiden schneidet man nach der Ernte die über vierjährigen Triebe raus, während bei den schwarzen die abgetragenen Triebe über der Erde geschnitten werden. Wermut zwischen den Johannisbeeren gepflanzt, schützt weitestgehend vor Säulenrost. Eine vorbeugende Behandlung mit Schachtelhalmbrühe wehrt Pilzkrankheiten ab. Eine gute Sorte der roten Johannisbeeren ist "Rolan" mit kräftigem aufrechtem Wuchs und großen Früchten.

Stachelbeeren gedeihen unter ähnlichen Bedingungen wie die Johannisbeeren. Auch hier werden die über vier Jahre alten Triebe herausgeschnitten. Es gibt rote und weiße Sorten, wobei die roten meist nicht ganz so sauer sind. Wem diese stachligen Gesellen noch nicht piksig genug sind, kann sich mit Brombeeren befassen. Brombeeren sollten an einem stabilen Rankgerüst wachsen und von zwei Seiten zugänglich sein. Nur ein regelmäßiger Schnitt verhindert, dass aus dem Brombeerspalier ein undurchdringliches Gestrüpp wird. Durch Absenken der Triebe können einfach neue Pflanzen gezogen werden. Aber Vorsicht, sie können sehr invasiv wachsen. Eine dornenlose Sorte ist "Thornless Evergreen".

Zu den süßesten Beeren gehören die Himbeeren, rote sowie gelbe. Sie tragen an den Zweigen, die im Sommer neu austreiben. Die abgetragenen Ruten werden bis zum Boden runtergeschnitten. "Golden Queen" ist eine wunderbare gelbe Sorte, bei den roten empfehle ich "Meeker" und "Willamette". Die Aroniabeeren, Sorte "Viking", sind wahre Vitaminbomben. Die bis zu zwei Meter hohen Sträucher haben dunkelgrünes, glänzendes Laub mit sehr schöner Herbstfärbung. Sie mögen, wie die Heidelbeeren, leicht sauren Boden. Die Sorte "Goldtraube" mit großen mittelblauen Früchten ist sehr ertragreich.

Erdbeeren sind ein Muss für jeden Garten. Gepflanzt werden sie im August. Erdbeerableger bilden leicht Wurzeln. Erwachsene Pflanzen müssen nach der Ernte mit Nährstoffen versorgt werden, sie bilden noch im Herbst Blütenansätze für das nächste Jahr. Da Erdbeeren von den Walderdbeeren abstammen, ist es gut, ihnen ähnliche Bedingungen zu schaffen. Mulchen schafft eine gute Atmosphäre, so breiten sich die flach wachsenden Erdbeerwurzeln ungestört aus. Eine gute, sehr zuverlässige Sorte ist "Senga Sengana"; ein besonders gutes Aroma hat die Sorte "Mieze Schindler". Beliebt bei Kindern sind öfter tragende Sorten wie "Ostrara" und "Imtraga". Erdbeeren sind bei ungünstiger Witterung pilzanfällig. Eine Mischkultur mit Zwiebeln und Knoblauch stärkt die Widerstandskraft.

Zu guter Letzt möchte ich noch kurz auf die Vitamin-C-Bombe Sanddorn eingehen. Die weiblichen Pflanzen brauchen Bestäuber, wobei eine männliche Befruchterpflanze bis zu sechs weibliche bedienen kann. Die Sorte "Sandorra" braucht keinen Befruchter. Sanddorn wird kaum von Schädlingen befallen, ist frosthart und windfest. In jedem noch so kleinen Gärtchen sollte eine Naschecke sein. Ist dies nicht möglich, integrieren Sie zum Beispiel Johannisbeersträucher in die Beete oder pflanzen Walderdbeeren unter Bäume.

Gabriella Pape ist Leiterin der Königlichen Gartenakademie in Berlin und schreibt regelmäßig am Sonnabend an dieser Stelle.