"Soundwalk" durch den Park am Gleisdreieck

Neue Ausstellung präsentiert Kunstwerke und Installationen, die eigens für das Areal konzipiert wurden

Auf den ersten Blick wirken sie beiläufig. Die Gleise liegen fast unscheinbar am Rand des Weges im Boden, mitten im wuchernden Grün des Parks am Gleisdreieck. "Zwei Schienen" heißt das Kunstwerk der Berlinerin Christine Berndt, die sich mit der Geschichte dieses Ortes auseinandersetzt. Auf schimmernder Kupferfolie eines etwa zehn Meter langen, still gelegten Gleisabschnittes sind Textfragmente eingraviert. Die Zitate aus Werken von Jakob van Hoddis oder Herta Müller sollen an die Deportationen erinnern. Während des Nationalsozialismus wurden unweit des U-Bahnhofs Gleisdreieck vom Anhalter Bahnhof aus Tausende Juden in Vernichtungslager deportiert. "Meine Arbeit thematisiert, was sich in diese Schienen eingeschrieben hat, was man aber nicht sieht", sagt Christine Berndt.

"Zwei Schienen" ist eines von 19 ganz unterschiedlichen Kunstwerken und -formen, die vom heutigen Sonnabend bis zum 23. September im Rahmen des Ausstellungsprojekts "Gleisdreieck Berlin 2012 - Kunst im öffentlichen Raum" zu sehen und zu erleben sind. Denn längst nicht alle Arbeiten sind sichtbar. Es gibt auch Klanginstallationen.

"Scan. Walk. Listen" steht denn auch auf türkisfarbenen Kärtchen, die in dem Park an Bäumen oder Laternen hängen und auf die Arbeit von Tanja Hemm aufmerksam machen. Die Künstlerin hat für die Schau, die das Kuratorenteam Francine Eggs und Andreas Bitschin zusammengestellt hat, einen "Soundwalk" entwickelt. "Eine mediale Arbeit mit fortgeschrittener Technik", wie der Berliner Projektleiter der Ausstellung, der Kunsthistoriker Marvin Altner, sagt. Mit der an diesem Wochenende noch kostenlosen App "Berlin EAGLE", die iPhone-Nutzer sich bei einem Soundstore herunterladen können, werden beim Besuch des Parks per GPS an drei Soundstationen verschiedene Klanginstallationen aktiviert. "Mein Thema ist die Eisenbahn, die ich mit Textreflexionen und Geräuschen sowie instrumental lebendig werden lasse", sagt Tanja Hemm. Und sie ergänzt: "Es geht mir darum, den Ort zu erweitern".

Wem das möglicherweise zu abgehoben klingt, der kann beim Spaziergang durch das weitläufige Ausstellungsareal im Park die Objekte von Joris Jaccard und Livia Lauber Platz ganz pragmatisch "besetzen". Die Künstler gestalteten sternförmige Höcker aus alten Eisenbahnschwellen, die in der Nähe des Infopoints an der Ladestraße als Sitzmöbel bereit stehen. Weitaus abstrakter erscheint wiederum der "Nameless Tower" von Matthias Pabsch, der auf dem Steinfeld an der Südseite des Parks in der Sichtachse zum Potsdamer Platz steht. Strahlende Signalwirkung entfaltet das Objekt erst im Dunkeln, wenn die orange-rot-braunen Farbsequenzen von innen beleuchtet werden. Für den Künstler steht fest: "Das Objekt korrespondiert mit den Bauwerken am Potsdamer Platz".

Für das Deutsche Technikmuseum ist das Kunstprojekt in dem Park "eine wunderbare Chance, das Areal Ladestraße noch stärker zu beleben". Tiziana Zugaro, Leiterin der Presseabteilung, weist bei der Gelegenheit auch darauf hin, dass die Erweiterung des Technikmuseums in den historischen Waren-Zwischenlagern des ehemaligen Güterbahnhofs zum "Technoversum" 2015 abgeschlossen sein soll. Dann werden dort themenorientierte Ausstellungen zu Kommunikationsnetzwerken gezeigt.

Zur Ausstellung erscheint im Berliner Jovis Verlag ein Katalog (14,95 Euro), der am 31. August am Infopoint des Parks (Gleisdreieck, Ende der Ladestraße - zu erreichen über Eingang Tempelhofer Ufer/Möckernstraße) präsentiert wird.