Gesundheit

Senator lehnt Hygiene-Datenbank ab

Czaja fordert von Kassen aber Investitionen gegen Krankenhauskeime

Im Kampf für bessere Hygiene in Krankenhäusern hat sich Berlins Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) dagegen ausgesprochen, Statistiken über Infektionsraten in Kliniken öffentlich zu machen. "Die Veröffentlichung der Daten würde dem Patienten eine Sicherheit vortäuschen, die man ihm eigentlich nicht geben kann", sagte Czaja am Dienstag im Gespräch mit der Berliner Morgenpost.

Berlins Patientenbeauftragte Karin Stötzner hatte zuvor mehr Transparenz im Umgang mit gefährlichen Krankenhauskeimen gefordert. In Deutschland erkranken an den meist arzneimittelresistenten Erregern nach Schätzungen der Gesellschaft für Krankenhaushygiene jährlich bis zu eine Million Menschen. Um öffentlichen Druck auf die Krankenhäuser auszuüben, mehr in Hygienemaßnahmen zu investieren, sollen Daten über die Infektionsraten einzelner Häuser den Patienten zugänglich gemacht werden, lautet die Forderung der Patientenbeauftragten.

In Berlin ist im Juli eine neue Hygieneverordnung in Kraft getreten, die für Krankenhäuser und Einrichtungen wie Tageskliniken oder Arztpraxen die Anforderungen verschärft. Mehr Informationsrechte für Patienten sind darin nicht vorgesehen, die Verordnung zielt in erster Linie auf die Organisation von Hygienepersonal, Hygieneplänen und der besseren Dokumentation des Arzneimitteleinsatzes ab. Diese Maßnahmen hätten für die Patienten eine bessere Wirkung als die Veröffentlichung "unverständlicher Daten", so Czaja. "Unter Experten ist der Wert einer Veröffentlichung der Infektionsraten ausgesprochen umstritten." Als wichtigsten Grund nannte der Senator die fehlende Vergleichbarkeit einzelner Krankenhäuser. "In einem Geriatriezentrum mit vielen immunschwachen Patienten tritt die Frage der Infektion mit multiresistenten Keimen viel häufiger auf als in einer chirurgischen Klinik", sagte Czaja. "Daraus sollte aber nicht folgen, dass man sich lieber in der chirurgischen Klinik geriatrisch behandeln lässt." Eine Veröffentlichungspflicht würde zudem nicht gewährleisten, dass glaubhafte und nachvollziehbare Zahlen veröffentlicht werden - der Druck, mit einer niedrigen Infektionsrate um potenzielle Patienten werben zu müssen, könne leicht dazu führen, dass weniger Infektionen gemeldet werden als tatsächlich auftreten. Der Klinikkonzern Helios folgt diesen Argumenten nicht und will noch 2012 die Daten über 17 besonders infektionsrelevante Erreger online verfügbar machen. "Das Thema spielt in jedem Krankenhaus eine große Rolle, und nur der offene Umgang damit hilft weiter", sagt der ärztliche Direktor des Helios Klinikums in Buch, Josef Zacher. Er hofft, dass irgendwann alle Kliniken ihre Daten veröffentlichen. "Die Allgemeinheit muss besser mit diesen allgemeinen Lebensrisiken vertraut werden und auch lernen, dass Keime und Infektionen nicht vollkommen zu vermeiden sind."

Moderne Methoden sind teurer

Bei der Bekämpfung der Erreger komme es darauf an, vor Übertragung zu schützen und die Träger zu isolieren, sagt Zacher. Damit Kliniken schneller erkennen, welche Patienten Keime mitbringen, fordert Czaja den Einsatz modernerer Screening-Methoden. "Ich ärgere mich, dass die Kassen nicht bereit sind, ein Vorgehen ähnlich wie in den Niederlanden zu finanzieren." Die jetzt angewandte Prüfung von Patienten sei unzureichend, ein Ergebnis lasse bis zu drei Tage auf sich warten. "Oft ist es dann schon zu spät, eine Übertragung von Keimen zu verhindern." Die Weigerung der Kassen, die schnellere, aber teurere Methode zu zahlen, sei "eine falsche Rechnung". So könne es Folgeerkrankungen geben, "die am Ende nicht nur in der Behandlung sehr viel teurer sind, sondern für den Patienten auch sehr riskant".